„Wir finden es so lieb von den Kindern, dass sie dem Deven helfen!“, sagt sein Bruder Tyler (7) ganz begeistert. Seinen Plan, alle Kinder zu umarmen, die Deven unterstützt haben, wird er allerdings nicht verwirklichen können. Weil: 850 Umarmungen? Das schaffen selbst die stärksten Kinderarme nicht! Deven ist eines von vier Kindern, die im Mittelpunkt der diesjährigen Spendenaktion „Gemeinsam“ der steirischen Volksschulen Gschwendt, Kumberg, St. Bartholomä, VS/ASO Weiz und Frohnleiten sowie der Vereine „Bühne frei! Stage, Earth and cool Kids“ und Schulsportverein Kumberg stehen.
Vier Familien, die Unterstützung brauchen
Der einjährige Deven kam mit Trisomie 21 und einem schweren Herzfehler zur Welt; erst im Februar musste er sich einer Herzoperation unterziehen. Melina (8) leidet an einem seltenen Thiamin-Transporter-Defekt, an spastischer Tetraplegie sowie an einer ausgeprägten Skoliose. Willi (10), ein begeisterter Super-Mario-Fan, wurde mit dem Di-George-Syndrom und einer Gehirnfehlbildung geboren und hat bereits zwei Gehirnoperationen hinter sich. Eine OP der Fußgelenke steht heuer noch an. Karin (17) lebt mit einer schweren Gehirnerkrankung, leidet am West-Syndrom und ist beinahe blind. Alle vier Kinder benötigen spezielle Therapien, Heilbehelfe oder unterstützende Geräte.
Um die Familien zu entlasten, haben sich die Schülerinnen und Schüler so richtig ins Zeug gelegt: Sie haben bei Spendenläufen viele Kilometer abgespult, Sammlungen durchgeführt und ein Musical äußerst erfolgreich auf die Bühne gebracht. Das Ergebnis dieser gemeinsamen Anstrengungen begeistert: 27.496,48 Euro stehen den vier Familien nun für dringend benötigte Therapien und Anschaffungen zur Verfügung.
Miteinander kennt keine Berührungsängste
„Es ist ein Wahnsinn, wie viel Mitgefühl in den Kindern steckt, wie sehr sie schon in so jungen Jahren an andere denken!“, sagt Melinas Oma Silva Reiss sichtlich gerührt. Auch Willis Papa ist tief bewegt: „Mir fehlen wirklich die Worte, wie ernst die Kinder die Spendenaktion nehmen. Als ich mit Willi in den Partnerschulen war, sind die Kinder ganz selbstverständlich auf ihn zugegangen. Sie kannten seinen Namen und wussten viel über ihn. Es war so herzlich!“ Nicht nur über die Spendensumme freut sich Devens Mama: „Ich finde es super, dass die Kinder schon früh mitkriegen, dass man keine Berührungsängste bei Kindern mit Behinderung haben muss. Sie brauchen genauso Freundschaften wie alle anderen Kinder. Das ist so wichtig! Sie lachen genauso gern und haben genauso viel Spaß. Es ist toll, dass da schon in der Volksschule darüber geredet wird.“ Den Ehrgeiz der Kinder, mit voller Kraft mitzumachen, lobt auch Karins Mama und schmunzelt: „Unser Nachbarsbub war enttäuscht, dass er ,nur‘ 22 Runden geschafft hat, er hätte gern noch mehr beigetragen.“ Brigitta „Blantzi“ Blantz-Stefan, die diese schulübergreifende Spendenaktion vor 29 Jahren ins Leben gerufen hat, weiß am allerbesten, dass Kinder Großes bewegen können: „Kinder tragen Begeisterung, Hilfsbereitschaft und Engagement in sich. Bittet man sie um Hilfe, sind sie da – mit Tatkraft, Ideen und ganzem Herzen. Das jedes Jahr aufs Neue zu erleben, berührt, beeindruckt und motiviert zum Mitmachen – die Eltern, die Schul- und Vereinsteams, mich und, um eine Schülerin zu zitieren: ,… hoffentlich eine Million Menschen.‘“
Und die Geschichte geht weiter
Diese Geschichte ist aber an dieser Stelle noch nicht zu Ende: Denn die Zirkuswelt hat kurzerhand beschlossen, im Rahmen ihrer heurigen Zirkusschule ebenfalls für Melina, Willi, Karin und Deven zu sammeln. Das Miteinander wächst weiter.