Weil er angeblich gezielt weibliche Pädagogen beleidigt, benachteiligt, traktiert und diskriminiert, hat sich eine Lehrerin an die Antidiskriminierungsstelle des Landes gewandt. Diese stellte eindeutige Diskriminierungs-Fälle fest. Aber nicht nur. Darüber hinaus berichten Lehrerinnen und Lehrer der Schule über weitere unangebrachte Eingriffe in den Lehrbetrieb.

Vier Monate Untersuchung

„Oft ist es besser, wenn Frauen nicht reden können“, sagte der Schulleiter zur Krankmeldung einer Lehrerin, die an einer Kehlkopfentzündung litt. „War das Kind überhaupt geplant?“, fragte er eine Schwangere. „Hat die, die trächtig ist, schon geworfen?“, sprach er über eine andere. Eine Kollegin aus Deutschland nennt er nur „deutsche Eiche“. Als ein Medium über die Schule berichten wollte, sollten nur Kolleginnen vor die Kamera, „die etwas hermachen.“ Gibt es Widerspruch von Frauen, heißt es: „Wenn man ein Schaf ist, ist es besser, nicht mit dem Wolf zu tanzen.“

Von 2. März bis 30. Juni hat sich die Kommission mit den geschilderten Vorwürfen befasst. Befragt wurden nicht nur die Antragstellerin und der Direktor, sondern weiters zwölf aktuelle und ehemalige Lehrerinnen und Lehrer dieser Schule, die weitere Grenzüberschreitungen des Schulleiters schilderten.

So fragte der Direktor eine Pädagogin, die eine gestreifte Hose trug: „Gehst du kochen?“ Eine andere Frau erinnert sich an eine Situation im Büro des Direktors, der meinte: „Ich muss das Fenster öffnen, es hat einen Grund, warum es bei mir so heiß ist.“ Wieder eine andere berichtet von einem „Klima der Angst, Unsicherheit und finanzieller Sorge“, weil Kollegen im neuen Dienstrecht immer mit Stundenkürzungen gedroht worden sei. Pädagogen hätten sich krank in den Unterricht geschleppt, weil Krankenstände „ein heikles Thema“ seien.

Direktor will Tests vorab sehen

Tests und Schularbeiten seien vor der Durchführung dem Direktor vorzulegen. Außerdem mische sich der Schulleiter in die Notengebung ein, heißt es. Bei der Abstimmung, ob ein Kind trotz Nicht Genügend aufsteigen dürfe, würde er seine Meinung offen kundtun und alle wüssten, wie sie abzustimmen hätten. „Auch wurden Kinder zum Aufstieg berechtigt, damit die Klassengröße passt“, so eine Pädagogin. Damit nicht genug: Der Schulleiter soll weiters bei Gefährdungssituationen versuchen, Meldungen an die Kinder- und Jugendhilfe zu unterbinden.

Der Direktor stritt gegenüber der Kommission sämtliche Vorwürfe ab. An der Glaubwürdigkeit der Antragstellerin gebe es aber keine Zweifel, sagt die Behörde. Das Verhalten des Schulleiters sei „unerwünscht, unangebracht und entwürdigend. Er überschreitet offenbar regelmäßig seine dienstlichen Verpflichtungen zulasten höchstpersönlicher privater Angelegenheiten seiner Mitarbeiterinnen“, heißt es. Er habe ein „von Angst und Unsicherheit geprägtes Arbeitsumfeld unter Einsatz bewusster direkter und indirekter Machtausübung“ geschaffen. Die Drohungen würden ausschließlich weibliche Lehrpersonen betreffen.

Kritik an der Bildungsdirektion

Aber auch die Bildungsdirektion wird in dem Bericht getadelt. Zwischen der Eingabe der Lehrperson bei der Bildungsdirektion und ersten Maßnahmen seien acht Monate vergangen. Besonders auffällig ist, dass laut Gutachten seitens der Bildungsdirektion zwar Stellungnahmen zu angeblich gesetzten Maßnahmen abgegeben wurden, diese jedoch weder schriftlich dokumentiert noch nachvollziehbar belegt werden konnten. Das Gutachten lässt zudem erkennen, dass wesentliche Reaktionen der Bildungsdirektion offenbar erst nach wiederholten und ausdrücklichen Nachfragen der Antidiskriminierungsstelle erfolgten.

Die Kleine Zeitung wollte auch Stellungnahmen vom betroffenen Direktor und von der Bildungsdirektion einholen, die schwerwiegenden Vorwürfe könnten ja auch dienstrechtliche Konsequenzen haben. Der Schulleiter sagt, er kenne das Gutachten nicht und wolle erst dann darüber reden. Die Bildungsdirektion prüft noch, ob eine Stellungnahme möglich ist, bevor das Gutachten anonymisiert auf der Website des Landes veröffentlicht wird.