Ein 57-jähriger Mann aus Vorarlberg hat am Samstag im Salzkammergut mit einer äußerst riskanten Aktion einen Bergrettungseinsatz ausgelöst. Nach dem Konsum mehrerer Biere bestieg er ohne Klettersteigausrüstung den anspruchsvollen Drachenwand-Klettersteig. Ein anderer Bergsteiger bemerkte den stark alkoholisierten Mann am Gipfel und verhinderte womöglich ein schweres Unglück.

Der Notruf ging am Samstagabend gegen 20.45 Uhr bei der Bergrettung Mondsee ein. Ein erfahrener Alpinist beobachtete am ausgesetzten Gipfel der Drachenwand, wie ein Mann offensichtlich alkoholisiert umherstolperte. Da jederzeit ein Absturz befürchtet werden musste, alarmierte er die Einsatzkräfte.

Der Bergsteiger sprach den 57-Jährigen an und überzeugte ihn, den Gipfel gemeinsam in Richtung einer Forststraße zu verlassen. Zeitgleich machten sich Mitglieder der Bergrettung Mondsee auf den Weg. Gegen 21.30 Uhr wurde der Mann schließlich mit einem Einsatzfahrzeug sicher ins Tal gebracht.

Mindestens sechs Biere

Wie der Vorarlberger schilderte, hatte er bereits um vier Uhr morgens seine Bergtouren begonnen. Zunächst wanderte er im Höllengebirge über den Brennerriesensteig zum Dachsteinblick. Anschließend absolvierte er den Mahdlgupf-Klettersteig. Nach den beiden Touren kehrte er in St. Lorenz ein und konsumierte nach eigenen Angaben mehrere Biere – insgesamt dürften es im Laufe des Tages mindestens sechs gewesen sein.

Trotz des Alkoholkonsums entschloss sich der 57-Jährige, als dritte Tour auch noch den Klettersteig auf die Drachenwand zu begehen. Besonders brisant: Den Klettersteig bewältigte er ohne die vorgeschriebene Sicherungsausrüstung.

Fit, aber unverantwortlich

Nach Angaben der Bergrettung machte der Mann zwar einen körperlich fitten und erfahrenen Eindruck, sein Verhalten sei jedoch völlig unverantwortlich gewesen. Bergretter Andreas Widlroither sprach von einer lebensgefährlichen Situation und warnte eindringlich davor, alkoholisiert oder ohne entsprechende Ausrüstung einen Klettersteig zu begehen. Ein Fehltritt hätte an der exponierten Passage tödliche Folgen haben können.

Großes Lob erhielt dagegen der 50-jährige Bergsteiger, der den Vorfall bemerkte. Durch sein umsichtiges Eingreifen und seine Bereitschaft, den Mann zu begleiten, habe er Zivilcourage bewiesen und möglicherweise Schlimmeres verhindert.

Mehrere Alpinnotfälle

Der Einsatz war einer von mehreren Alpinnotfällen im Salzkammergut am vergangenen Wochenende. Unter anderem mussten zwei Wanderer, die sich aufgrund einer fehlerhaften Routenführung ihrer Touren-App in steilem Gelände verirrt hatten, per Polizeihubschrauber gerettet werden. Außerdem brachte der Hubschrauber einen Hund nach einem mutmaßlichen Kreuzotterbiss ins Tal, damit das Tier rasch tierärztlich versorgt werden konnte.