Der US-Arbeitsmarkt hat sich im Juni massiv abgekühlt. Unterm Strich wurden laut aktuellen Daten der Regierung nur 57.000 Stellen (außerhalb der Landwirtschaft) geschaffen. Ökonomen hatten laut Reuters-Befragung indes einen Anstieg um 110.000 erwartet. Überdies sind im Mai nach revidierten Daten nur 129.000 Arbeitsplätze neu hinzugekommen. Ursprünglich war eine Zahl von 172.000 gemeldet worden.

Alles in allem sind das keine erfreulichen Nachrichten für den Jobmarkt in den Vereinigten Staaten. An den Aktienmärkten wurden die Zahlen jedoch regelrecht gefeiert. Auch in Europa zeigten die Aktienindizes steil nach oben, an einigen Börsen konnten sogar neue Rekordstände erreicht werden. Wie kommt‘s? Warum sorgen schlechte Arbeitsmarktzahlen für eine Börsenrallye?

Sorge vor Zinserhöhungen rückt in den Hintergrund

In den USA gab es zuletzt auf den Kapitalmärkten die wachsende Sorge, dass die US-Notenbank Fed den Leitzinssatz sogar anheben könnte. Präsident Donald Trump wird bekanntlich nicht müde, Zinssenkungen zu fordern. Doch die stark gestiegene Inflation, befeuert durch Energiepreissteigerungen infolge des Iran-Kriegs, lassen derlei Senkungen derzeit völlig unrealistisch erscheinen. Eher im Gegenteil. Im Kampf gegen die Inflation schienen zuletzt Zinsanhebungen nicht mehr ausgeschlossen, was an den Aktienmärkten überhaupt nicht gut ankommt.

Doch die Fed hat (im Gegensatz zur Europäischen Zentralbank) zwei Mandate zu erfüllen: Neben Preisstabilität soll sie auch für Vollbeschäftigung sorgen. Daher werden schwache Jobdaten als Hinweis dafür aufgenommen, dass eine Zinserhöhung unrealistischer wird. Laut dem Analysten Tobias Basse von der NordLB dämpfe der Arbeitsmarktbericht „eindeutig“ den Handlungsdruck des neuen US-Notenbankchefs Kevin Warsh. „Er kann damit einfacher auf Zeit spielen und auf freundlichere Inflationsdaten warten.“ Eine Finanzmarktexpertin von IG formuliert es so: „Damit rücken weitere Zinserhöhungsspekulationen vorerst in den Hintergrund; vielmehr dürfte der Markt nun verstärkt auf eine geldpolitische Lockerung im vierten Quartal nach den US-Zwischenwahlen setzen.“

Allzeithoch bei DAX und Euro-Stoxx-50

Der Euro-Stoxx-50 stellte vor diesem Hintergrund am Donnerstag eine neue Bestmarke auf und ging mit plus 1,24 Prozent bei 6.360,47 Einheiten aus dem Handel. Der DAX in Frankfurt schrieb ebenfalls neue Rekorde und schloss um 2,16 Prozent höher bei 25.580,88 Punkten. Außerhalb der Eurozone steigerte sich der FTSE-100 in London um 1,67 Prozent auf 10.652,87 Zähler. Der Wiener Leitindex ATX legte deutliche 1,73 Prozent auf 6.497,14 Punkte zu, nachdem der heimische Leitindex zur Wochenmitte noch 1,2 Prozent an Wert eingebüßt hatte.

Auch der Dow Jones in New York, der bereits kurz nach Handelsbeginn eine neue Bestmarke aufgestellt hatte, steigerte sich zuletzt um 0,64 Prozent auf 52.638,01 Einheiten.