Eines vorweg: Der Vardar, der durch die nordmazedonische Hauptstadt Skopje fließt, ist nicht schiffbar. Abgesehen von kleinen Flößen oder Booten war er auch historisch niemals eine Wasserstraße. Zu niedrig oder stark schwankend ist der Wasserstand des mit rund 390 Kilometern längsten Flusses des Landes, zu groß das Risiko, auf Grund zu laufen. Trotzdem liegen in Skopje drei Galeonen vor Anker. Zumindest sieht es so aus, denn die Segelschiffe schwimmen nicht im Wasser, sondern wurden zwischen 2012 und 2014 fest im Flussbett verankert.
Denn die Schiffe haben nicht nur keinen historischen Bezug zu Skopje, sondern wurden im Zuge des umstrittenen „Projekts 2014“ als Touristenattraktion neu gebaut. Der damalige Ministerpräsident Nikola Gruevski wollte dem Zentrum der Hauptstadt ein repräsentativeres Erscheinungsbild verleihen und überschwemmte sie mit prunkvollen Denkmälern und Neubauten im klassizistischen Stil – Piratenschiffe passten da scheinbar gut ins Konzept.
Ein Hotel und verfallene Galeonen im Zentrum von Skopje
Mehr als zehn Jahre später hisst nur noch die ganz zentral gelegene Galeone die Segel. Sie hat als Hotel Senigallia 18 Zimmer und serviert seinen Gästen Cocktails an Deck mit Blick auf die Steinbrücke von Skopje (die ist übrigens tatsächlich historisch). Die anderen beiden Schiffe sind ungenutzt und wären aufgrund ihres schlechten Zustands wohl schon gekentert, wären sie nicht festzementiert.