„Sind wir ehrlich: Wer liest wirklich Wahl- oder Parteiprogramme?“, sagt Politikwissenschaftlerin Kathrin Stainer-Hämmerle. Sie hat die Kleine Zeitung heuer dabei unterstützt, gemeinsam mit dem deutschen Nonprofit-Verein VoteSwiper ein hilfreiches Angebot für die Grazer Gemeinderatswahl zu erstellen. 37 konkrete Fragen haben wir den Parteien gestellt und um ein „Ja“ oder „Nein“ gebeten – die Themen reichten von Parkplätzen über Nachtbusse bis hin zu Kinderbetreuung.

Im „WahlSwiper“ der Kleinen Zeitung können Sie sich online von Frage zu Frage „wischen“ und so Ihre Übereinstimmung mit den kandidierenden elf Parteien und Listen testen.

Weit mehr als 22.000 Personen haben das schon getan und sich informiert, welche Partei thematisch am besten zu ihnen passt – das entspricht bei 225.883 Wahlberechtigten heuer in Graz mehr als zehn Prozent. Vielfach wurde der „WahlSwiper“ auch in den sozialen Medien und sogar auf Lernplattformen von Schulen geteilt.

WahlSwiper zur Graz-Wahl: 37 Fragen sollen eine Orientierungshilfe geben

Es sei ein Angebot für jene Menschen, die mit einem klassischen Medienangebot nicht so leicht zu erreichen sind, sagt Stainer-Hämmerle, die an der FH Kärnten unterrichtet: „Informierte Wählerinnen und Wähler sind aber die Grundvoraussetzung für eine Demokratie.“ Eines ist ihr aber wichtig zu betonen: „Dieser WahlSwiper ist keine Wahlempfehlung, sondern ein möglichst niederschwelliger und spielerischer Zugang, um sich eine Meinung zu bilden.“ Auch die vier kleinen Listen (DBÖ, Piratenpartei, Liste Gaza und MFG) sind gleichberechtigt vertreten. „Der WahlSwiper ist für sie eine Chance“, so Stainer-Hämmerle.

Kathrin Stainer-Hämmerle mit einem Mikrofon in der Hand, sitzt auf einer Bühne bei einer Veranstaltung der Kleinen Zeitung
Kathrin Stainer-Hämmerle © Klz/Lisa Haindl

Während es im Wahlkampf, bei Diskussionen und Plakaten ganz stark um die Persönlichkeit der Kandidatinnen und Kandidaten und um viel Emotion geht, zielt der „WahlSwiper“ auf Themen ab. „Und zwar solche, die in Graz aktuell sind und die Lebenswelten der Leute berühren“, erklärt Stainer-Hämmerle. Der Stadionausbau ist ebenso dabei wie Deutschkenntnisse im Gemeindebau und der Kauf der Ruine Gösting und öffentliche Grillplätze. Um den Sachverhalt genauer zu erklären, gibt es kurze Texte und Videos. „Mit den Erklärvideos gehen wir sicher, dass wir die nötigen Hintergrundinformationen zu den Fragen vermitteln“, sagt Matthias Bannert von VoteSwiper.

Neben einer breiten Themenvielfalt wurde darauf geachtet, dass sich die Antwortmuster der Parteien möglichst gut unterscheiden, um am Ende zu einer Aussage zu kommen. „Wir stehen auf klare Kante. Bei uns gibt’s nur ‚Ja‘ und ‚Nein‘, kein ‚vielleicht‘“, sagt Matthias Bannert von VoteSwiper. „Das bringt die Parteien manchmal ins Schwitzen, hilft aber bei der Entscheidung.“