Was als Traumreise zu den berühmten Galapagos-Inseln begann, endete für die Linzerin Elisabeth A. mit einem Albtraum. Während einer Schnorcheltour vor der Insel Santa Fe wurde die Oberösterreicherin von einem Hai angegriffen, berichten die „Oberöstereichischen Nachrichten“. Die Folgen sind dramatisch: Ihr rechter Unterschenkel musste amputiert werden.
Zunächst war in ecuadorianischen Medien von einer „29-jährigen australischen Touristin“ die Rede - die klassische Verwechslung „Austrias“ mit dem Land der Kängurus. Tatsächlich handelte es sich jedoch um die Linzerin. Elf Tage nach dem Vorfall liegt Elisabeth A. in einem Krankenhaus in Guayaquil, einer Hafenstadt an Ecuadors Pazifikküste.
Trotz der schweren Verletzungen blickt die 30-Jährige bemerkenswert positiv auf ihre Situation. „Ich habe so viel Glück, noch am Leben zu sein", sagt sie. Die Entscheidung zur Amputation kam für sie nicht überraschend. Bereits unmittelbar nach dem Angriff habe sie geahnt, dass ihr Bein nicht mehr zu retten sein würde. „Als ich ihn nach dem Hai-Angriff gesehen habe, wusste ich, dass er nicht zu retten sein wird. Ich konnte mich also darauf einstellen.“
Die ersten Schritte mit einer Gehhilfe hat sie bereits hinter sich. Auch das sei keineswegs selbstverständlich gewesen. Denn der Hai attackierte nicht nur ihr rechtes Bein. „Der Hai hat mich dreimal auch in mein linkes Bein gebissen, doch nicht so tief. Die Wunden verheilen gut“, berichtet sie.
Angriff während einer Schnorcheltour
Der Vorfall ereignete sich während eines Ausflugs vor der Insel Santa Fe. Gemeinsam mit ihrem Ehemann und sieben weiteren Touristen nahm Elisabeth A. an einer geführten Schnorcheltour teil. Die Gruppe wollte die für die Galapagos-Inseln bekannte Tierwelt beobachten – darunter Seelöwen, Meeresschildkröten und zahlreiche Fischarten.
Während sie im flachen Wasser trieb und Aufnahmen mit ihrer Kamera machte, änderte sich die Situation innerhalb von Sekunden.
„Er kam aus dem Nichts, niemand hatte zuvor einen Hai gesehen", erinnert sich die Linzerin. Das Tier biss sich in ihrem Bein fest. „Ich habe versucht, wegzukommen, er hat dann von mir abgelassen. Die anderen kamen gleich zu Hilfe und brachten mich aufs Boot.“
Wettlauf gegen die Zeit
An Bord befanden sich zufällig zwei kanadische Ärzte, die sofort Erste Hilfe leisteten und die schwer verletzte Frau stabilisierten. Anschließend begann ein aufwendiger Rettungseinsatz.
Rund 80 Minuten dauerte die Bootsfahrt zurück nach Santa Cruz, wo Elisabeth A. erstmals operiert wurde. Danach wurde sie nach Guayaquil ausgeflogen. Dort folgte eine weitere Operation, bei der die Ärzte schließlich den rechten Unterschenkel amputieren mussten.
Die Linzerin spricht voller Dankbarkeit über die Unterstützung, die sie in den Tagen nach dem Unglück erhalten hat. „Alle haben sich so gut um mich gekümmert“, sagt sie. Besonders hebt sie ihren Ehemann hervor, der sich trotz Sprachbarrieren um die Organisation vor Ort kümmerte. „Mit der Sprachbarriere war das eine organisatorische Höchstleistung von ihm.“
Optimistischer Blick nach vorn
Trotz des schweren Schicksalsschlags richtet Elisabeth A. ihren Blick bereits auf die Zukunft. Ihren 30. Geburtstag feierte sie im Krankenhauszimmer. Nun wartet sie auf die Rückkehr nach Österreich und die nächsten Schritte ihrer Rehabilitation.
Die moderne Medizin macht ihr Mut. „Heutige Prothesen sind wahre Wunderwerke. Ich werde mein Leben weiterleben können“, sagt sie.
Galapagos: Ein Naturparadies mit einzigartiger Tierwelt
Die Galapagos-Inseln liegen rund 1.000 Kilometer westlich der ecuadorianischen Küste im Pazifischen Ozean und zählen zu den außergewöhnlichsten Naturräumen der Erde. Aufgrund ihrer isolierten Lage entwickelte sich dort eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt mit zahlreichen Arten, die ausschließlich auf dem Archipel vorkommen.
Die Inselgruppe zieht jedes Jahr Naturfreunde und Taucher aus aller Welt an. Besucher können dort unter anderem Riesenschildkröten, Landleguane, Pinguine, Seelöwen sowie zahlreiche Meeresbewohner beobachten. Auch verschiedene Haiarten sind in den Gewässern rund um die Inseln heimisch.
Haiangriffe auf Menschen gelten jedoch als äußerst selten. Für Elisabeth A. wird die Begegnung mit einem der Meeresräuber dennoch für immer Teil ihrer Lebensgeschichte bleiben.