Die Ausstellung versammelt Werke aus den letzten 25 Jahren, die unter dem Begriff „Naturdarstellungen“ zusammengefasst werden können, darunter Landschaften, Pflanzenstillleben, Blumenbilder. Die scheinbare Selbstverständlichkeit dieser Motive ist trügerisch, denn alle Gemälde entstanden auf Basis digitaler Bilder, wie sie zigfach im Internet und auf sozialen Plattformen kursieren – jenseits jedes persönlichen Realitätserlebnisses. Indem Huemer Medienkunst und Malerei verbindet, lässt er die Betrachter*innen ihre eigene Wahrnehmung hinterfragen.

Malerei und Medienkunst als Einheit

Huemers Arbeitsweise hängt wesentlich mit seiner künstlerischen Entwicklung zusammen. Er studierte Malerei und Medienkunst und eignete sich außerdem profunde Kenntnisse aus Kunstgeschichte und Philosophie an; 1997 präsentierte er in einer von Peter Weibel kuratierten Ausstellung in der Neuen Galerie Graz eine seiner ersten Medieninstallationen. Doch die Beschreibung als „Medienkünstler“ greift für Huemer zu kurz. Malerei und Medienarbeit entstehen parallel und bedingen einander: „In den Medienarbeiten ergründe ich das Wesen der Malerei, in den Gemälden wiederum digitale Bildphänomene.“ Jedes seiner Werke entwirft Huemer zunächst digital – auf Basis digitaler Bildvorlagen, wobei deren Auswahl bereits ein zentraler künstlerischer Akt ist. Erst dann beginnt der malerische Prozess.

Markus Huemers Bilder sind ein Plädoyer dafür, dass Kunst alles darf: Die Wirklichkeit befragen, verfremden und schließlich neu zusammensetzen
Markus Huemers Bilder sind ein Plädoyer dafür, dass Kunst alles darf: Die Wirklichkeit befragen, verfremden und schließlich neu zusammensetzen © UMJ/J.J. Kucek

Blumen, Pilze und Algorithmen

Scheinbar beliebig ist die Auswahl der Motive, die Markus Huemer für seine großformatigen Arbeiten trifft. Die Motive dienen dabei weniger als Gegenstand der Darstellung, denn als Ausgangspunkt für Reflexionen über Vergänglichkeit und Transformation. Verwelkte Blumen etwa – abgeschnitten und dem Verfall preisgegeben – lässt Huemer durch die leuchtende Farbgebung wieder lebendig erscheinen. Am Ende ist es nicht die Pflanze, die zu sehen ist, sondern die Geschichte ihrer Verwandlung.

Ein weiteres Motiv des Künstlers: Kryptogamen. Dazu zählen etwa Algen, Farne, Moose, Flechten, Pilze – einige der ersten Lebensformen unseres Planeten. Ihr Name kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „verborgen heiraten“. Sie vermehren sich ohne Blüte und benötigen kaum äußere Bedingungen.

Gleich daneben: die Monotropa. Diese farblose Waldpflanze betreibt keine Photosynthese, sondern ernährt sich über ein unterirdisches Pilzgeflecht – und kommuniziert dabei mit der gesamten Pflanzenwelt auf bis zu 200 Quadratkilometern. „Konkurrenz und gegenseitige Unterstützung stehen in einer interessanten Korrelation“, so Huemer. Die Pflanze selbst bleibt auch auf der Leinwand weiß, die Abwesenheit wird zum eigentlichen Bildmotiv. „Die Blume als Motiv bedeutet für mich das Studium der Natur – und aus diesem Studium können Lehren gezogen werden, wie wir gesellschaftspolitische Prozesse anders, vielleicht besser gestalten könnten.“

Weiß, durchsichtig und geisterhaft: Ein Motiv Huemers ist die Monotropa uniflora, eine Pflanze, die ihre Nährstoffe aus der Erde bezieht
Weiß, durchsichtig und geisterhaft: Ein Motiv Huemers ist die Monotropa uniflora, eine Pflanze, die ihre Nährstoffe aus der Erde bezieht © UMJ/J.J. Kucek

Entstanden in Kooperation mit dem Universalmuseum Joanneum.