Malaysische Wissenschafter haben im Dschungel auf der Insel Borneo eine neue Parasiten-Art entdeckt, die andere Parasiten befällt. Wie das Institut für Tropenbiologie und Naturschutz der Universität Malaysia Sabah am Freitag mitteilte, handelt es sich um einen parasitisch lebenden Pilz, der sich selbst von sogenannten Zombiepilzen ernährt. Zombiepilze steuern das Verhalten befallener Insekten, bis diese grausam verenden.

Parasiten, die andere Parasiten befallen, werden in der Biologie als Hyperparasiten bezeichnet. Die neu entdeckte Pilzart „gehört der Gattung Pleurocordyceps an und ist ein spezialisierter Hyperparasit“, sagte der stellvertretende Institutsleiter Jaya Seelan Sathiya Seelan. Er befällt Ameisen, die bereits von einem Pilz der Gattung Ophiocordyceps, einem sogenannten Zombiepilz, befallen sind. Dieser manipuliert das Nervensystem der befallenen Ameise, steuert ihr Verhalten, frisst sie von innen auf und bricht schließlich aus ihrem Kadaver hervor.

Pilz in toter Ameise

Der neu entdeckte Pilz Pleurocordyceps cornusynnemata, der nach seiner hornförmigen Struktur benannt wurde, ernähre sich nicht von der Ameise, sondern direkt vom sich ausbreitenden Ophiocordyceps-Gewebe in dem Insekt, erläuterte Seelan. Gefunden wurde er in einer toten Ameise, die die Biologen im abgelegenen Danum-Tal im Bundesstaat Sabah im malaysischen Teil von Borneo aufgesammelt hatten.

Bei ihren Dschungel-Exkursionen entdeckten die Biologen, die ihren Fund im Fachmagazin „Phytotaxa“ beschrieben haben, außerdem einen Pilz, der Spinnen tötet. Die Wissenschafter sehen in den Parasiten enormes Potenzial, etwa bei der Entwicklung antimikrobieller Medikamente oder als biologische Schädlingsbekämpfer in der Landwirtschaft.