So hatte sich das die Südoststeirerin nicht vorgestellt. Zu ihrem 50er hatte sie von ihrer Familie Tickets für ein Konzert von Eros Ramazzotti in Italien bekommen. Das Konzert am 6. Juni in Udine war auch ein voller Erfolg. Die Heimreise der Jubilarin am nächsten Tag allerdings weniger. Die Steirerin erlebte im Zug von Italien nach Österreich eine Odyssee, die sie immer noch fassungslos zurücklässt.

Die Züge, die an diesem Sonntag auf der Strecke von Udine nach Österreich verkehrten, waren hoffungslos überfüllt. Zahlreiche Reisende berichteten von tumultartigen Szenen an Bord des Railjet, zwischendurch musste sogar die Polizei anrücken. Bei den ÖBB bedauert man die Probleme, nicht immer sei so großes Passagieraufkommen vorab prognostizierbar.

Überfüllter Zug: Sitzplatzreservierung half nicht

Anders als viele andere Zuggäste hatte die Steirerin für sich und ihre Begleiter allerdings bei den ÖBB vorab Sitzplatzreservierungen von Udine bis nach Feldbach gebucht. Somit hätten ihr Plätze für die Fahrt garantiert sein müssen. Geholfen hat ihr die Reservierung allerdings nicht. „Der Zugbegleiter hat uns aus dem Zug verwiesen“, erzählt die 50-Jährige. „Er hat gesagt, der Zug ist voll, die Reservierung ändere nichts daran. Ich sollte mich an die ÖBB wenden.“

Im Railjet: „Die Leute waren verzweifelt, haben geweint“

Dort rief die Steirerin auch an, erreichte aber niemanden. In ihrer Not kaufte sie dann am Bahnhof Tickets für die nächste Verbindung – sicherheitshalber gleich für die erste Klasse. „Rund 275 Euro hat das gekostet“, sagt sie. Eine Lösung war aber auch das nicht. „Der nächste Zug war wieder komplett überfüllt, die Leute haben sich durch alle Waggons gedrängt, auch in der ersten Klasse.“ Letztlich ergatterte die Südoststeirerin einen Sitzplatz – am Boden neben dem Bord-WC. „Die Leute waren verzweifelt, manche haben geweint. Auch Wasser gab es rasch keines mehr.“

In Villach wurde das Gedränge noch schlimmer. Da hielt es die Steirerin nicht mehr aus und verließ nach eineinhalb Stunden den Zug. „Durch Glück stand dort auch ein ICE der Deutschen Bahn, mit dem wir bis nach Graz mitfahren konnten“, berichtet sie. Erschöpft kamen die Reisenden schließlich mit stundenlanger Verspätung in Feldbach an.

ÖBB: Anrecht auf reservierte Plätze

Grundsätzlich könne es in stark ausgelasteten Zügen vorkommen, dass Fahrgäste nicht mehr zusteigen dürfen, heißt es bei den ÖBB. „Entscheidend ist immer die Wahrung der Sicherheit im Zug.“ So müssen etwa Ein- und Ausstiege, Fluchtwege und Notbremsen zugänglich bleiben. „Dass ein Fahrgast aber trotz gültiger Sitzplatzreservierung des Zuges verwiesen wird, sollte nicht passieren und entspricht nicht dem Service-Anspruch der ÖBB“, heißt es in der Stellungnahme. Auf reservierte Plätze gebe es ein Anrecht, ein überfüllter Zug ändere daran nichts. „Wir möchten uns bei der Kundin ausdrücklich entschuldigen.“ Man stehe bereits im Austausch mit den italienischen Partnern, um die Sache zu klären und sicherzustellen, dass sich das nicht wiederhole.

Die Steirerin bekommt das Geld für die Erste-Klasse-Tickets rückerstattet. Gesteigerte Lust aufs Bahnfahren hinterlasse die Reise bei ihr dennoch nicht, sagt sie.