Seine Wahlhilfe-Videos für den Grazer FPÖ-Spitzenkandidaten René Apfelknab hat der rechte Influencer Gerald Grosz in dem ihm eigenen Stil gestaltet. Er echauffiert sich vor der Linse in künstlicher Erregung über den Niedergang des Landes, in diesem Fall der Landeshauptstadt Graz. Ziel ist es, die Empörungsamplitude nach oben zu schrauben: Likes, Kommentare, Video-Teilungen, Reichweite – das ist seine Rendite. Kalkül ist, dass politische Mitbewerber auf die Barrikaden steigen. Er reißt die Gräben weiter auf und echauffiert sich dann über den „journalistischen und politischen Hühnerstall“.
Mit seinem Beitrag über Kebap-Buden, Money-Shops und Goldhändler erreichte er, was er wollte: Aufmerksamkeit. Er hetzt gegen Unternehmer, die Österreich unterwandern würden, die er nicht haben wolle, die nicht Steuern zahlten, nicht das Gesundheitssystem finanzieren würden. Im Netz debattieren die Lager voll Hass und Brutalität.
Die Kleine Zeitung hat den renommierten Grazer Historiker und Ex-Rektor der Uni Graz, Helmut Konrad, um eine Einordnung des Videos gebeten. Er spricht Klartext: „Also ich orte da einen bedenklichen Tabubruch. Diese Einzelunternehmer sind natürlich Teil der österreichischen Wirtschaft und sie zahlen in das System ein. Ehrlich gesagt erinnert mich dieses Video an düstere Zeiten.“ Zur NS-Zeit sei es in Österreich schon einmal gegen Kaufleute gegangen, die Teil des Wirtschaftslebens waren: „Damals hat man dann auf die Auslagen geschrieben: ‚Kauft nicht beim Juden.“
Dass Grosz sich nun in einem Folgevideo über seine Kritiker hermacht und meint, er habe nicht rassistisch gehetzt, ist das übliche Spiel. Nach dem Tabubruch kommt die Relativierung: „Ich kritisiere keinen Menschen, der arbeitet, stelle auch seine Arbeit nicht infrage.“ Die Gefolgschaft hat die Signale freilich gehört und verstanden.
Ja, rechte Hetzer haben den Diskurs in den letzten Jahren Tabubruch um Tabubruch verschoben, die Tonalität wird immer schriller und salonfähiger. Hieß es einst: „Das wird man wohl noch sagen dürfen!“ Brüllt man jetzt: „Das muss einfach gesagt werden!“ Ja, alles, was nicht das Strafgesetzbuch oder das Verbotsgesetz untersagt, darf gesagt werden. Klar ist auch: Probleme gehören benannt und gelöst. Aber genauso klar ist: Was hier inzwischen verbal an Gift in die Gesellschaft injiziert wird, verdient vor allem eines. Entschiedenen Widerspruch!