Sein „African Marketplace“ durfte in den frühen 80er-Jahren in keinem gut sortierten bildungsbürgerlichen Plattenregal fehlen und war für viele der sanfte Einstieg zum Jazz, Cape-Jazz, wie das damals hieß. Es war einfach ein weinendes und lachendes, hymnisches und hypnotisierendes Stück Afrika. Den Song „The Wedding“ etwa sollen angeblich bis heute noch so manche zu ihrer eigenen Hochzeit spielen lassen.

Seinen größten Hit schrieb Abdullah Ibrahim noch einige Jahre vorher mit dem Township-Song „Mannenberg“ und ebenfalls noch unter seinem alten Künstlernamen Dollar Brand. Der Anti-Apartheid-Song wurde zur Stimme des Widerstands und weltweit zur Hymne der Hoffnung. 

„Südafrikas Mozart“

Der Mann, der Afrika hörbar machte, „Südafrikas Mozart“ (Nelson Mandela), ist am Montag im Alter von 91 Jahren an seinem letzten Wohnort am bayerischen Chiemsee trotzdem gestorben. Der oft als etwas unhandlich bekannte charismatische Pianist verließ seine Heimat zusammen mit seiner späteren Frau, der legendären Jazzsängerin Sathima Bea Benjamin, schon in den frühen 1960er-Jahren und wurde im Schweizer Exil von keinem Geringeren als Duke Ellington entdeckt.

Es folgte eine steile Karriere, die nicht allein auf die Jazzwelt beschränkt war. Eine, die mit der sagenhaften Europatournee 1964/65 begann und über New York, wo er mit John Coltrane und Ornette Coleman spielte, wieder zurück nach Südafrika und schließlich nach Europa führte. Über 70 (!) Platten hat Abdullah Ibrahim in dieser Zeit aufgenommen und auf allen großen Festivals gespielt, u.a. mit seiner berüchtigten Band Ekaya. Immerhin konnte Abdullah sein letztes (Solo-) Konzert noch in diesem März in seiner Heimatstadt spielen – beim Cape Town Jazz Festival.