Mancher anwesende Gast musste kurz schlucken, werden doch landläufig mit dem Begriff „Zeitzeuge“ wesentlich ältere Mitmenschen und wesentlich dramatischere Jahre verbunden. Doch wenn es um die 70er-Jahre geht, kann es halt passieren, dass man plötzlich selbst mit einem „Das war damalso so“ daherkommt und die staunende Jugend kurz von ihrem Smartphone ablenkt. Diesem Jahrzehnt, das trotz vieler Krisen von einem optimistischen Blick in die Zukunft geprägt war, widmet sich die jüngste Schau im Graz-Museum.

Zeitreise

„Morgen war alles besser“ ist der vielsagende Titel der Ausstellung, die Besucher in der Sackstraße auf eine Zeitreise in die 70er und an elf Grazer Standorte mitnimmt – vom Europaplatz, der 1972 bewusst diesen vermeintlich verbindenden Namen erhielt, über die Liebenauer Eishalle und das ORF-Landesstudio bis zum Odilien-Institut. Trotz vieler Herausforderungen – siehe Ölkrise – habe damals Zukunftsoptimismus vorgeherrscht, so die Grazer Kulturstadträtin Claudia Unger (ÖVP). „Natürlich hat das auch mit dem heutigen Medienangebot zu tun, wir erfahren alle Krisen der Welt ungefiltert binnen Sekunden“, so Unger. Umso wichtiger sei es, gerade als Politikerin und Politiker auf das Positive sowie das Verbindende zu achten. Auch Ungers Vater hat dies in den 70ern getan – als Leiter des damals frischen Grazer Büros für Bürgerinitiativen.

Die Schau im Graz-Museum thematisiert die „Gastarbeiterroute“ genauso wie den Alltagsverkehr in Graz, nie realisierte Pläne für ein „Freizeitzentrum“ im Schloßberg samt Lokalen, Hotel und Hallenbad genauso wie den „einkaufenden Mann“: So läuft auf einem Bildschirm eine ORF-Reportage über tapfere Herren der Schöpfung, die wagemütig einen Supermarkt oder eine Fleischerei betreten. Auch die Initiative „Rettet die Grazer Altstadt“, getragen von Kleine-Zeitung-Redakteur Max Mayr, findet Beachtung. Diese und andere 70er-Meilensteine wurden „teilweise digital, teilweise analog, jedenfalls aber spannend aufbereitet“, so Catalin Betz und Bernhard Bachinger als Kuratoren. Dazu gehört auch ganz bewusst eine „Ladestation für Optimismus“ im Foyer des Museums, gestaltet vom Team des Kunstvereins „Roter Keil“.

Museumsdirektorin Dienesch (Mitte) mit Stadträtin Unger, den Kuratoren Betz und Bachinger sowie dem Team des Kunstvereins „Roter Keil“ (von links)

„Schöne Kindheitserinnerungen“

Sibylle Dienesch als Museumsdirektorin verbindet mit dieser Zeit „schöne Kindheitserinnerungen in Villach. Wir Kinder waren frei und praktisch den ganzen Tag draußen. Ich bin aufs Gymnasium gegangen und dort in eine der letzten reinen Mädchenklassen. Uns Schülerinnen wurde vermittelt, dass uns alle Türen offen stehen.“