Der herausragende zweite Platz von Felix Gall beim Giro d’Italia hallt nicht nur in Osttirol nach. Ganz Österreich scheint wenige Tage nach Ende der Italien-Rundfahrt noch immer im Radsportfieber. Kein Wunder, dass man im Bezirk Lienz den Rückenwind nutzen will. Zum einen plant der Tourismusverband (TVB) Osttirol, den Rennrad-Boom in der Heimat mit weiter verbesserter Infrastruktur dauerhaft zu befeuern. Vor allem soll weltweit auf Osttirol als Tourismusregion im Allgemeinen und als Radsportdestination im Speziellen aufmerksam gemacht werden. Das Ziel ist wenig verwunderlich ein Plus an Nächtigungen und damit die Steigerung regionaler Wertschöpfung – vom Einzelhandel, über Radtourenanbieter bis hin zu den Lokalen der Lienzer City.

Theurl: „Die Aussichten sind groß“

Ins Visier rückt dazu der Giro selbst: Möglichst bald soll wieder mindestens eine Etappe durch Osttirol führen, im Idealfall mit Lienz als Zielort. TVB-Obmann Franz Theurl verkündete der Kleinen Zeitung diesbezüglich gute Nachrichten. Wie viele Fans aus Galls Heimat reiste der Touristiker am vergangenen Samstag kurz entschlossen zum Ziel der 20. Etappe nach Piancavallo – Felix Gall wurde bei der Bergankunft exzellenter Zweiter. Vor Ort führte Theurl Gespräche mit Giro-Chef Matteo Mursia. Noch diesen Monat sollen die Verhandlungen mit dem „Chief Revenue Officer Sports & Events“ in Mailand fortgesetzt werden. Und man ist bester Dinge: „Die Aussichten schon 2027 eine Etappe nach Lienz zu führen sind groß“, strahlt Theurl.

Die Osttirol-Banner waren auch beim diesjährigen Giro d’Italia kaum zu übersehen
Die Osttirol-Banner waren auch beim diesjährigen Giro d’Italia kaum zu übersehen © Fanclub Felix Gall

Für den Obmann ginge ein Herzenswunsch in Erfüllung: „Ich bin seit über 30 Jahren mit dem Profiradsport eng verbunden. 1994 konnte ich erstmals eine Etappe des Giro d’Italia nach Osttirol holen.“ Weitere folgten, die Letzte im Jahr 2011 ist allerdings eine Weile her. Von der heurigen Auflage zeigt sich Theurl angetan: „Das Erlebnis am Piancavallo hat für mich vieles Bisherige übertroffen. Es herrschte fantastische Stimmung mit an die 50.000 begeisterten Zusehern – und dann noch die großartige Leistung von Felix Gall.“

Die Tradition von Radsportveranstaltungen in Osttirol ist groß: Schon 1951 richtete man die Dolomitenradrundfahrt aus.
Die Tradition von Radsportveranstaltungen in Osttirol ist groß: Schon 1951 richtete man die Dolomitenradrundfahrt aus. © TVBO / Mariner

Geht es von „Down-Under“ nach Osttirol?

Wo genau eine Osttirol-Etappe lang führen könnte und inwieweit Teile Oberkärntens – etwa das Lesachtal oder der Großglockner – einbezogen werden, wollte Theurl noch nicht verraten. Stattfinden wird der Giro d’Italia 2027 voraussichtlich vom 8. bis 30. Mai, die Präsentation der Strecke erfolgt traditionsgemäß im Herbst. Gerüchten zufolge ist der Start in Australien, die internationale Reichweite könnte kaum größer sein. Doch schon ohne Werbung bis nach „Down-Under“ hat sich das Radeln im Bezirk Lienz zu einem zentralen touristischen Motiv entwickelt: „Mehr als ein Viertel der Sommergäste besucht uns mit dem Schwerpunkt Radfahren oder Radsport. Die Kombination aus spektakulärer Naturkulisse, anspruchsvollen Bergstraßen und grenzüberschreitenden Touren nach Südtirol oder Kärnten ist besonders attraktiv.“

Felix Gall und Franz Theurl bei der Präsentation des Felix-Gall-Films im vorigen Herbst in Lienz
Felix Gall und Franz Theurl bei der Präsentation des Felix-Gall-Films im vorigen Herbst in Lienz © Andre Schmidt

Stern im Radsporthimmel

Dem Radstar aus Nußdorf-Debant streut das Tourismus-Oberhaupt nach dem Triumph in Rom Rosen: „Es erfüllt mich mit großem Stolz, dass wir mit Felix Gall einen Osttiroler haben, der sich endgültig als Stern im Radsporthimmel etabliert hat.“ Für künftige Verhandlungen mit den Profiteams habe sich Galls Ausgangsposition nun deutlich verbessert, glaubt Theurl. „Er hat sich das hart erarbeitet und aufgrund seines festen Charakters mehr als verdient.“