Fast zwei Jahrzehnte war Josef Kronlechner (SPÖ) Friesachs Stadtoberhaupt. In der Geschichte der Stadt waren sämtliche Bürgermeister männlich. Doch nun bricht eine Zeitenwende an. Am 30. September legt Kronlechner sein Amt nieder und die erste Frau in der Geschichte der ältesten Stadt Kärntens wird das Zepter übernehmen.

Ursula Heitzer (59) erblickte im Krankenhaus Friesach das Licht der Welt und wuchs in St. Lambrecht in der Steiermark auf. Nach ihrer Ausbildung zur medizintechnischen Fachkraft in Graz zog es sie wieder in ihre Geburtsstadt zurück. „Ich begann im Krankenhaus Friesach zu arbeiten und mittlerweile lebe ich seit 40 Jahren hier“, erzählt Heitzer. Die verheiratete Mutter zweier Söhne erklomm im Laufe ihres Lebens mehrere Posten, Vorsitze und politische Ämter.

Umfangreiche Karriere

So ist Heitzer Betriebsratsvorsitzende des Krankenhauses des Deutschen Ordens in Friesach, Landesvorsitzende von der Gewerkschaft vida Kärnten, sowie Vizepräsidentin der Arbeiterkammer Kärnten – als erste Frau, wohlgemerkt. Ihre politische Karriere begann im Jahr 2009, bei den damaligen Gemeinderatswahlen. „Josef Kronlechner rief mich an, ob ich nicht auf deren Liste stehen wolle. Zuerst war ich überrascht, doch als aufmerksame und kritische Gemeindebürgerin sah ich es als Möglichkeit, mitzusarbeiten und mitzugestalten.“ Und so erklomm Heitzer die politische Karriereleiter und wurde von der Gemeinderätin, zur Stadträtin und schlussendlich zur ersten Vizebürgermeisterin gewählt. „Ich durfte mich einbringen und sah, wie toll es war“, meint sie zu ihren Anfängen.

Nun schreibt sie das nächste Kapitel, eines, das auch in die städtischen Geschichtsbücher eingehen wird. Sie wird Friesachs erste weibliche Bürgermeisterin. Bei einer kürzlich stattgefundenen Parteisitzung wurde sie mit einer „satten Mehrheit“ zur Nachfolgerin von Langzeitbürgermeister Josef Kronlechner gewählt. Kronlechner verabschiedet sich mit 30. September. „Es war ein sehr schönes Gefühl. Wenn man so viel Vertrauen von vielen Männern und Frauen bekommt und dass sie es mir zutrauen, macht mich sehr dankbar“, meint Heitzer. Trotz aller Vorkenntnisse wird sie natürlich von Kronlechner umfassend auf die neue Position vorbereitet. Bei der nächsten Bürgermeisterwahl geht sie als Spitzenkandidatin der SPÖ ins Rennen.

Heitzer ist vida Kärnten Landesvorsitzende
Heitzer ist vida Kärnten Landesvorsitzende © Tengg

„Ich habe großen Respekt vor der Aufgabe, da ich sehe, was der Bürgermeister alles leistet. Ich habe aber auch viel Freude, dass ich auserkoren wurde.“ Heitzer sei besonders bekannt dafür, viele Fragen zu stellen. „Ich möchte nicht nur Infos bekommen, ich will es verstehen und wer mich kennt weiß, dass ich mich dahinterklemmen werde“. Zudem sei der persönliche Kontakt zu den Menschen ein wichtiger Bestandteil ihrer Tätigkeiten.

Offener Austausch

„Ich stehe für einen offenen und ehrlichen Austausch. Der Mensch steht im Mittelpunkt und wenn man offen und respektvoll kommuniziert, wird man auch erfahren, wo was gebraucht wird“. So möchte sie mit dem Einbinden der Bevölkerung den bestmöglichen Output für Friesach schaffen. Und wie fühlt es sich an, bald als erste Frau am Chefsessel platznehmen zu können? „Kärnten ist noch immer männlich dominiert und es braucht meiner Meinung nach zwei Teile. Jene, die es ermöglichen, dass eine Frau so eine Position haben kann und jene, die sagen, ‚ich mach es‘“. Und was dabei rauskommen kann, sieht man nun in Friesach.

Josef Kronlechner möchte sich aus der Politik zurückziehen
Josef Kronlechner möchte sich aus der Politik zurückziehen © Gert Köstinger

„Sie ist seit Jahrzehnten meine Wegbegleiterin und es war eine sehr gute Entscheidung, dass sie meine Nachfolgerin wird. Ich bin überzeugt, dass sie hervorragende Arbeit leisten wird“, verkündet Bürgermeister Kronlechner. Er selbst werde sich nach seiner jahrzehntelangen Karriere komplett zurückziehen. „Mit 70 Jahren wird es langsam Zeit, das Amt in jüngere Hände zu übergeben.“

Heitzer blickt bereits auf zahlreiche abgeschlossene Projekte zurück. „Wir sind eine gesunde und familienfreundliche Gemeinde, schaffen leistbaren Wohnraum und wollen demnächst eine Pflegenahversorgung beschließen“, zählt sie auf. Was ebenfalls auf ihrer Agenda steht ist ein Halbstundentakt für den Zug nach Klagenfurt. „Und die eine oder andere Idee haben wir noch.“