Ein Bach, den Gründling, Aitel, Schneider und Bachschmerle wieder durchschwimmen können, ohne von einer alten Wehranlage ausgebremst zu werden. Wasser, das je nach Flusslauf einmal schnell, einmal langsam in unterschiedlich breiten Abschnitten des Bachbetts vor sich hin gluckert. Heimische Pflanzenarten an den Uferzonen. So sollen rund fünf Kilometer des Raababachs zwischen dem Kreisverkehr Teslastraße in Raaba-Grambach und der Badstraße in Hart bei Graz in Zukunft aussehen. Was man dort jetzt teils zu sehen bekommt: Eine mit Steinen verkleidete Betonrinne mit dem typischen Trapezprofil, in der das Wasser wie in einem Kanal geradeaus fließt. Gemildert wird der Anblick durch teils zugewucherte Uferzonen.
Neubepflanzung der Uferzonen
Ein Renaturierungsprojekt soll nun dafür sorgen, dass der Bach wieder ein vielfältiger Lebensraum und ein naturnahes Gewässer wird. Dass am Anfang dieser Entwicklung der Einsatz von Kettensägen steht, ist laut Christoph Schlacher unvermeidbar. Schlacher leitet das Referat Schutzwasserwirtschaft in der Abteilung Wasserwirtschaft, Ressourcen und Nachhaltigkeit beim Land Steiermark (A 14), wo das Projekt koordiniert wird. Noch vor der Brutzeit der Vögel wurden am Ende des Winters dort Bäume und Büsche entfernt, wo Baumaschinen für die Arbeiten zufahren müssen. „Vorab wurde der erhaltenswerte Baumbestand vom Experten für Gewässerökologie bestimmt und geschützt“, unterstreicht Schlacher. Bewilligungen nach dem Wasser- und Naturschutzrecht liegen vor, versichert man. Ein Bepflanzungskonzept mit standorttypischen Gehölzen soll dafür sorgen, dass die Ufervegetation nach einigen Jahren üppiger ausfallen wird als vor dem Projekt.
Hindernisse im Bachlauf werden entfernt
Ein wichtiger Bauabschnitt steht in den Sommermonaten am Raababach an: Bestehende Hindernisse im Bachbett werden dabei entfernt. Zu finden sind diese etwa bei einer ehemaligen Wehranlage zur Ausleitung eines Mühlkanals im Bereich des Skater-Parks in Hart bei Graz. „Die Durchgängigkeit für aquatische Organismen wird hergestellt“, formuliert es der Experte. 2027 und 2028 wird dann daran gearbeitet, aus dem gezähmten Wasserlauf wieder einen naturnahen Bach zu machen. Die Arbeiten werden laut Schlacher so getaktet, dass die vorhandenen Fischarten geschont werden.
Keine Abstriche beim Hochwasserschutz
Grenzen werden dem Projekt dadurch gesetzt, dass Grundstücke links und rechts des Bachs nicht unbegrenzt verfügbar sind. „Nicht jeder war dazu bereit, Grund herzugeben. Wir konnten aber etwa direkt beim Hochwasserbecken zwei wichtige Grundstücke ablösen“, erklärt Karl Mayrhold (SPÖ), Bürgermeister von Raaba-Grambach. Im Ortszentrum soll laut Mayrhold am Rand des Alfred-Zenz-Lebensparks eine Art Bucht mit Zugang zum Wasser entstehen. Befürchtungen, die im Vorfeld des Projekts die Runde machten, entkräftet Schlacher: „Bei allen Maßnahmen am Raababach wird penibel darauf geachtet, dass sich die Situation bei Hochwasser nicht verschlechtert.“