Nach ihrem tollen Drittrundensieg über Titelverteidigerin Coco Gauff musste sich Anastasia Potapova im Achtelfinale der French Open der Russin Anna Kalinskaja hauchdünn mit 4:6, 6:2, 6:7 (7:10) geschlagen geben. Damit verpasst die Neo-Österreicherin ihren erhofften erstmaligen Einzug in ein Grand-Slam-Viertelfinale. Trotzdem darf Österreich auf seine neue Landsfrau stolz sein. Als im Jänner bekannt wurde, dass Potapova künftig für Rot-weiß-Rot aufschlagen würde, hatte die gebürtige Russin schon einen langen Behördenweg hinter sich. Fünf Jahre hätte es laut der 25-Jährigen gedauert, ehe sie von der „Alpenrepublik“ das grüne Licht bekommen hätte.
Auch andere EU-Länder wären für das Tennis-Ass, das von Igor Andrejew betreut wird, eine Option gewesen, doch fiel die Wahl am Ende „eher zufällig“ auf Österreich. Dort bekam Potapova auch Unterstützung von Günter Bresnik, der damals noch Trainer von Alexander Schewtschenko war. Und der Russe wiederum war mit Potapova verheiratet – auch wenn die Ehe nicht einmal ein Jahr hielt. Das war auch der Grund, warum sich die heurige Linz-Finalistin immer wieder in Wien aufhielt und sich in Land und Leute „verliebte“,
Aber Potapova macht auch kein Hehl daraus, dass sie die Staatsbürgerschaft vor allem deshalb angenommen habe, um sich das Reisen als Spitzensportlerin zu erleichtern. So sei selbiges mit einem russischen Pass und den damit verbundenen Visa-Auflagen seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine („Das ist schrecklich und ich war immer dagegen. Aber es war nicht die Entscheidung der russischen Tennisspieler“) sehr schwierig. „Manche finden es vielleicht seltsam, wegen Visa die Nationalität zu wechseln. Aber diese Leute haben nie die Probleme, dass sie aufgrund dessen Turniere absagen oder kurzfristig die Planung ändern müssen.“ Auch marketingtechnisch sei es um einiges vorteilhafter, Österreicherin zu sein. „In Russland war ich nur eine von vielen Spielerinnen. Da erhält man nur Aufmerksamkeit, wenn man ein Grand Slam gewinnt. In Österreich ist das ganz anders. Und es macht mich extrem glücklich, dass ich so positiv aufgenommen wurde und während der Turniere immer lautstark von österreichischen Fans unterstützt werde.“
Noch hat Potapova nicht Deutsch gelernt, wie mit den Journalisten unterhält sie sich auch mit ihrem Freund, dem niederländischen Tennisprofi Tallon Griekspoor, auf Englisch. Der Frage nach ihrem Wohnsitz weicht die von Igor Andrejew gecoachte, dreifache Turniersiegerin gekonnt aus und erklärt, als Tennisprofi wohne man auf der ganzen Welt. Fix ist, dass die ehemalige Gewinnerin des Juniorinnenbewerbs von Wimbledon die Off-Season regelmäßig in Dubai verbringt. Am persischen Golf genießt die Sonnenanbetterin auch das prächtige Wetter: „Ich liebe es, in der Sonne zu liegen. Auch bei 40 Grad, wenn alle anderen längst unter die Schirme geflüchtet sind. Mir macht das nichts aus“, erzählte Potapova während der French Open.
Dort mit dabei ist auch ihr Hund Bula, ein brauner Pudel, der in Roland Garros eine eigene Akkreditierung erhalten hat. „Wir haben ihr den Namen gegeben, weil das auf Russisch so viel wie ,etwas, das aus Brot gemacht ist‘ bedeutet und sie genau so aussieht“, lächelt Potapova, die für Österreich auf alle Fälle ein großer Gewinn ist.