Die schwere Knieverletzung hat Lara Vadlau noch immer nicht ganz verdaut. Nach wie vor „darf“ die Segel-Olympiasiegerin nach Kreuzbandriss, Knorpelaufbau und Meniskus-Transplantation nicht aufs Boot, die Rehabilitation – zuletzt zwei Monate auf Mallorca – läuft bestens. Im Sommer, hofft die 32-Jährige, darf sie dann auch wieder aufs Wasser.

Die Zeit, die ihr die Verletzung gab, nutzte sie, um ihr zweites Buch zu schreiben. Und das ist gefragt: „Die Alterslüge“ ist auf dem Sprung zum „Spiegel“-Bestseller – und hat mit dem Segeln sehr wenig zu tun. Worum es geht? „Vielen wird suggeriert, dass das Leben mit 70, 80 Jahren vorbei ist. Dem ist nicht so. Ich will selbst gesund sehr alt werden, habe viel zu diesem Thema gelesen, studiert. Irgendwann haben meine Freundinnen zu mir gesagt: Warum schreibst du dein Wissen nicht auf?“

Gesagt, getan. Das Schreiben des Buches war für die Medizinerin zwar alles andere als ein Selbstläufer („Das war der schwerste Teil, weil ich so viele Studien gelesen habe, alles gliedern musste“), mit dem Ergebnis ist Vadlau aber selbst zufrieden. Denn: „Mir war es wichtig, ein Buch zu schreiben, in dem ich mein Wissen weitergebe und das nicht aus Marketing-Bla-Bla besteht. Longevity ist ja gerade ein richtiger Hype“, sagt sie. Das Ergebnis: Ein Ratgeber, mit dem Vadlau die Menschen „vom Passagier zum Piloten“ der eigenen Gesundheit und des eigenen Wohlbefindens machen möchte. Ein Buch voller Tipps, in denen sie ihre zwei größten Stärken kombiniert: „Außer Sport und Medizin hat mich früher nichts interessiert. Das medizinische Know-how hat mir natürlich geholfen, dazu habe ich durch den Sport aber ein Körpergefühl, das vielleicht manchen Ärzten fehlt.“

Dr. med. Lara Vadlau: „Die Alterslüge“, RBM Verlag, 364 Seiten, 25,50 Euro. Im Fachhandel und auf allen Plattformen erhältlich
Dr. med. Lara Vadlau: „Die Alterslüge“, RBM Verlag, 364 Seiten, 25,50 Euro. Im Fachhandel und auf allen Plattformen erhältlich © RBM Verlag

Um es aber vorwegzunehmen: Vadlaus Buch ist keine Abkürzung zum Wohlbefinden und zur ewigen Jugend, im Gegenteil. Es ist bestenfalls eine Art Bedienungsanleitung, ein Arbeitsauftrag, wie man das Leben und das Altern meistern kann. „Ich verkaufe keine Wunderpillen, keine Geräte. Es geht um Dinge im Alltag, die jeder umsetzen kann.“ So wie etwa eine gewisse Reihenfolge beim Essen einzuhalten: Zuerst Gemüse, dann Proteine, erst dann Fett und Kohlenhydrate, etwa: „Das hält den Blutzuckerspiegel stabil – und dessen Spitzen sind für schnelleres Altern verantwortlich.“ Oder auch der Hinweis darauf, dass „Mode-Lebensmittel“ wie etwa Hafermilch nicht so gesund sind, wie sie scheinen: „Hafermilch wird im Mund zu Maltose, die hat einen größeren glykämischen Index als Zucker.“

Vadlaus Vorgaben, betont sie, sollen „Genuss“ nicht ausschließen, sondern eher Voraussetzungen schaffen, unter denen man sich das Genießen leisten kann. Nur Alkohol ist tabu; Gesellschaft aber erwünscht. Worauf Vadlau Wert legt: „Gene machen nur einen Bruchteil aus, was das Altern betrifft. Ein Herzinfarkt in der Familie heißt nicht, dass man selbst betroffen sein muss oder mehr Risiko hat. Wir sind nicht in der Opferrolle!“ Und Vadlau hat auch noch drei Tipps für den Alltag: „Erstens: Das Erste, was du in der Früh tust, entscheidet, wie gut du am Abend schlafen wirst. Es geht darum, gleich nach dem Aufstehen Tageslicht zu haben, rauszugehen, nicht ins Handy zu schauen.“ Dann empfiehlt Vadlau, die Reihenfolge des Essens zu beachten. Und schließlich: „Wenn man schon zu Süßem greift, dann sollte man sich danach nicht ausruhen, sondern zehn Minuten bewegen. Und wenn es nur darum geht, alles wegzuräumen. Das bewirkt, dass das Insulin den Zucker steuert, der in die Muskulatur kommt.“

Ebenso ein großes Thema: Welche Zusatzernährung ist sinnvoll? Was hilft – und was nicht? Was sollte man vor der Verwendung von Supplements checken lassen? Das und noch viel mehr hat Vadlau in ihrem Buch zusammengefasst, „mit vielen Beispielen aus dem Spitzensport“. Vadlaus Ziel: „An sich habe ich mich damit beschäftigt, weil ich meine Eltern auch beraten wollte. Mein Papa ist 71, seit er meinen Ratschlägen folgt, sagt er, er fühlt sich wie 40.“ Und Vadlau selbst? „120 würde ich schon gerne werden. aber ich will maximal die letzte Woche meines Lebens unter Schmerzen leiden. Und ich will auch mit 90 noch ganz sicher und leicht selbst aufstehen können.“