1944 wurde auf dem Feld bei Aflenz das KZ-Außenlager Leibnitz/Aflenz errichtet – ein Männerlager, dessen Häftlinge für die Rüstungsproduktion von Steyr-Daimler-Puch Zwangsarbeit leisten mussten. Bis zu 650 Häftlinge waren interniert, mindestens 62 starben an Gewalt, Hunger und Misshandlung.

Genau hier entsteht das Aflenz Memorial. „Das wird kein monumentales Bauwerk“, beschreibt Landschaftsarchitekt Andreas Boden die Planung. „Es werden einfache Schotterwege, die sich in das Feld einschreiben und die Umrisse des ehemaligen Lagers nachzeichnen.“ Wer sie geht, soll die Dimensionen des Lagers körperlich erfahren.

Wo einst Wachtürme standen, weitet sich der Schotter quadratisch auf. Der Appellplatz wird als größere Fläche erkennbar, eingebettet in das landwirtschaftlich genutzte Feld. Auch der „Weg der Gefangenen“, der sogenannte Löwengang zum Steinbruch, soll wieder nachvollziehbar werden.

Luftbild der Royal Airforce des KZ-Außenlagers in Leibnitz/Aflenz im Jahr 1944
Luftbild der Royal Airforce des KZ-Außenlagers in Leibnitz/Aflenz im Jahr 1944 © Universalmuseum Joanneum

Künstlerische Leiterin ist Milica Tomić. Als sie mit Franz Trampusch, dem früheren Bürgermeister von Wagna und prägenden Zeitzeugen der Erinnerungskultur, über das Feld ging, sah sie nur Mais. Ihre Frage wurde zum Ausgangspunkt: „Was verbirgt dieses Maisfeld?“

Für Tomić ist der Boden ein Archiv. Aus der Erde wurden Samen entnommen; Mais, Senf, Buchweizen und Holunder werden Teil des Landschaftsdenkmals, auch junge Pflanzen von jener Stelle, an der sich einst das Massengrab befand, sollen Teil des Memorials werden. So bleibt das Feld landwirtschaftlich geprägt – aber nicht mehr stumm.

Milica Tomić, künstlerische Leiterin des Aflenz Memorials, auf dem Areal des ehemaligen KZ-Außenlagers Leibnitz/Aflenz. Sie macht den Boden zum Archiv der Erinnerung
Milica Tomić, künstlerische Leiterin des Aflenz Memorials, auf dem Areal des ehemaligen KZ-Außenlagers Leibnitz/Aflenz. Sie macht den Boden zum Archiv der Erinnerung © KLZ / Eva Brutmann

Was hier wächst, soll die Geschichte des Ortes weitertragen – und an Menschen erinnern, die hier ihr Leben verloren. An Ivan Ljabach etwa, der mit 16 Jahren nach Aflenz kam und dessen Todesmeldung „auf der Flucht erschossen“ vermerkte. Auch die archäologischen Grabungen von 2024 holten Spuren des Lagerlebens an die Oberfläche: Geschirr, ein Kamm, Arbeitsausweise.

Wagnas Bürgermeister Peter Stradner: „Wir machen das Unsichtbare wieder sichtbar.“ Eröffnet wird das Aflenz Memorial am 18. Oktober 2026. Das LEADER-Projekt von ASIST und dem Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark kostet 309.000 Euro. Holcim stellt das Grundstück 25 Jahre kostenfrei zur Verfügung. Die Gemeinden Wagna und Ehrenhausen unterstützen das Projekt. Führungen übernehmen geschulte Mauthausen-Guides über das Mauthausen Komitee Österreich.