Für einen Familienbetrieb, der seit mehr als 150 Jahren besteht und in sechster Generation geführt wird, endet eine Ära: Die Clementmühle in Studenzen (Gemeinde Kirchberg/Raab) stellt ihren Verkauf sowie die Mehlproduktion ein. „Die Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen, aber wir haben die Notbremse ziehen müssen“, erklärt Geschäftsführer Gottfried Clement.

Der Hintergrund ist, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren stark verändert haben. Clement spricht von Druck durch große Handelsketten und Supermärkte, die es kleinen Betrieben schwer machen, kostendeckend zu arbeiten. „Es gibt in jedem Geschäft jede Mehlsorte. Der Endverbraucher nimmt das Mehl gleich dort mit und fährt nicht mehr extra zur Mühle. Die Bequemlichkeit ist da“, beobachtet Clement.

Außerdem könne man als kleiner Betrieb, der auf Qualität achte, mit den Preisen im Supermarkt nicht mithalten: „Ich verstehe zwar die Leute, die sparen müssen. Aber der Verkauf von Mehl ist bei uns so zurückgegangen, dass wir den Zweig schließen müssen.“

1834 kauften Vorfahren des heutigen Geschäftsführers Gottfried Clement die Mühle
1834 kauften Vorfahren des heutigen Geschäftsführers Gottfried Clement die Mühle © KLZ / Julia Schuster

Ölmühle bleibt erhalten

Jedoch bestehen bleibt die Ölmühle. Weiterhin produziert die Clementmühle Kürbiskernöl und bietet Lohnpressung für Landwirte an. (Nähere Infos dazu gibt es auf der Website clement.co.at.) Das Öl wird auch künftig im kleinen Rahmen – vor Ort, im Online-Shop und in einem 24-Stunden-Automaten – verkauft. Der Mühlenladen ist noch so lange geöffnet, bis alle Mahlprodukte und Futtermittel verkauft sind. Es kann in den nächsten Tagen bereits so weit sein, betont Clement.

Namensgleichheit sorgte für Aufregung

Die Nachricht vom Aus der Mehlproduktion verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Aber nicht nur bei der Clementmühle in Studenzen läutete das Telefon deshalb Sturm, sondern auch bei der Clement Mühle in Feldbach – die Namensgleichheit dürfte für Verwirrung gesorgt haben: „Ich möchte hervorheben, dass die Clementmühle Studenzen und die Clement Mühle in Feldbach zwei komplett eigenständige Unternehmen sind.“ Bedeutet: Bei der Clement Mühle in Feldbach läuft der Betrieb wie gewohnt weiter – das verkündete die Mühle auch auf ihrer Facebook-Seite.

Berghofer Mühle fühlt mit

Clement möchte sich bei all seinen Stammkunden bedanken, die die Schließung zwar bedauern, aber jedenfalls verstehen würden. „Unsere Mühle war über Generationen hinweg nicht nur ein Betrieb, sondern ein Stück Alltag, Begegnung und Tradition.“ Auch Müllerkollegen drücken ihre Wehmut zum Produktions-Aus öffentlich aus.

Liane Berghofer von der Berghofer Mühle in Fehring etwa betont auf Facebook, die Familie Clement könne stolz darauf sein, was sie geschaffen hat. Berghofer bestätigt die wirtschaftlich angespannte Branchensituation: „In einer Zeit, in der kleine Mühlen immer stärker unter Druck geraten und Industrie, Märkte und Entwicklungen einem das Überleben oft fast unmöglich machen, braucht es viel Kraft, so eine Entscheidung zu treffen.“ Mit dem Produktions-Aus von Mehl bei der Clementmühle in Studenzen verbleiben in der Südoststeiermark noch vier aktive Getreidemühlen.