Durch aktuelle Gedenktafeln rücken dieser Tage drei dramatische Ereignisse, die sich im Raum Kindberg während des Zweiten Weltkriegs ereignet haben, ins kollektive Gedächtnis. Eine davon befindet sich bei der Dreifaltigkeitskapelle an der Wienerstraße in der Nähe des Siechenheimes und ehemaligen Landespflegezentrums.

Hier wird über das Schicksal der Pflegekinder aufgeklärt
Hier wird über das Schicksal der Pflegekinder aufgeklärt © KLZ / Markus Hackl

Sie erinnert an die 137 pflegebedürftigen Personen, die im Jahr 1941 aus der Anstalt von Kindberg nach Hartheim transportiert und im Rahmen der reichsweiten „Aktion T4“ durch Giftgas ermordet wurden.

Während der NS-Zeit wurden psychisch Kranke und geistig Behinderte vielfach als „unwertes Leben“ eingestuft und systematisch ermordet. Über den QR-Code, der an der Gedenktafel angebracht ist, kommt man auch zu den Namen der Getöteten aus Kindberg.

Hofbaueralm

Die zwei anderen Gedenktafeln widmen sich den Gräueltaten in den letzten Kriegstagen im April 1945. Eine Tafel wurde am Pfingstsamstag auf der Hofbaueralm an der Gemeindegrenze zwischen Kindberg und der Breitenau eingeweiht und erinnert an die über zwanzig Widerstandskämpfer, Zwangsarbeiter und Deserteure, die sich dort versteckt hielten.

Auf bestialische Weise ermordet

Sie wurden verraten und durch Splittereinheiten des Militärs vom noch herrschenden Regime auf bestialische Weise getötet. Nur drei Menschen haben dieses Massaker überlebt, einer davon war Konrad „Kurt“ Kammerhofer. Die Gedenktafel wurde am Längsbalken des Wegkreuzes auf der Hofbaueralm montiert, dort befindet sich bereits ein stark verwitterter Hinweis auf dieses Massaker.

An der Kapelle in der Kindberger Schlossallee, welche zeitgleich mit der Schlosspforte errichtet wurde, wurde die dritte Gedenktafel angebracht. Sie soll an den Hinrichtungsplatz der Nazis erinnern, auf dem 14 Personen im April 1945 von der Ortsmitte über die Schlossallee Richtung Möstlinggraben an ihren Hinrichtungsort getrieben wurden.

Arbeitsgruppe

An der geschichtlichen Aufarbeitung zu den Geschehnissen im Zweiten Weltkrieg waren mehrere Personen unabhängig voneinander beteiligt. Bürgermeister Christian Sander hat sie zu einer Arbeitsgruppe zusammengeführt. Er meint: „Uns als Stadt geht es darum, dass Erinnerungen von Zeitzeugen dokumentiert werden, diese in einem historischen Kontext zusammengefasst sind und somit der Nachwelt als mahnende Erinnerung erhalten bleiben.“

Mitglieder der Arbeitsgruppe waren Rudolf Schlaipfer, der sich schon seit vielen Jahren mit der Geschichte der Siechenhaus-Bewohner beschäftigt hat, weiters der Kindberger Restaurator Ferdinand Fladischer, der sich auf Erinnerungen seiner Mutter stützt, sowie der Alt-Hadersdorfer Christian Zöscher, der bereits seit mehreren Jahren die Vorgänge auf der Hofbaueralm erforscht.

„Nie wieder“

Sein Onkel war besagter Kindberger Konrad „Kurt“ Kammerhofer – ein Überlebender des Massakers auf der Hofbaueralm. Sein Neffe George Smith, Sohn eines britischen Soldaten und jetzt in Hadersdorf wohnhaft, hat die Erzählungen seines Onkels verschriftlicht. 

„Mein Onkel war einer von drei Männern, die das Massaker überlebt haben, er wäre heuer 100 Jahre alt geworden. Er soll nicht heroisiert werden, es hat tausende Menschen mit ähnlichen Schicksalen in dieser Zeit gegeben. Aber es soll eine Mahnung an die kommenden Generationen sein. 1918 hat es geheißen ‚nie wieder‘, 1945 ebenso ,nie wieder’ und auch heute scheint es so, als hätte die Menschheit nicht aus diesen Ereignissen gelernt“, erzählt Smith.