Auch wenn die traditionelle Pressekonferenz – und damit das offizielle Programm – zum Zirkus- und Straßenfestival Olala noch auf sich warten lässt, erste Infos zum traditionellen Höhepunkt des Lienzer Sommers lassen die Vorfreude schon jetzt groß werden. So wird der Name bei der 35. Auflage Programm sein. Das heurige Olala, beginnend mit Montag, den 27. Juli, ist diesmal strikter in einen dreitägigen Zirkuspart zum Wochenstart und in drei Tage Straßenfestival getrennt. Eine gänzlich neue Location ist ebenfalls dabei.

Der Zirkus steigt am Hochstein

Olala gastiert erstmals am Fuße des Lienzer Hausberges: Auf dem Areal der Hochstein-Talstation schlägt man buchstäblich das Zelt auf. Die ersten drei Tage stehen dort im Zeichen des sogenannten Neuen Zirkus. „Pandax“ heißt die Show des „Cirque la Compagnie“, sie verbindet Akrobatik, Musik und Storytelling zu einer berührenden Geschichte über Abschied und Zusammenhalt. Die französisch-schweizerische Kompanie präsentiert dazu fünf Brüder, ein ramponiertes Auto, eine eindrucksvolle Live-Band sowie eine Inszenierung zwischen Humor und Melancholie. „Poetisch, virtuos und emotional – ein Abend, der gerne länger dauern dürfte“, so die ersten Informationen des Olala-Teams rund um Elisa und Theresa Mutschlechner. Die Schwestern haben das künstlerische Erbe ihres 2024 unerwartet verstorbenen Vaters, des Olala-Gründers und -Masterminds, Hans Mutschlechner angetreten.

Elisa (links) und Theresa Mutschlechner sind in die Fußstapfen ihres Vaters Hans getreten
Elisa (links) und Theresa Mutschlechner sind in die Fußstapfen ihres Vaters Hans getreten © Andre Schmidt

Interaktionen rücken in den Fokus

Donnerstag, Freitag und Samstag kommt das Olala in die Innenstadt. Künstlergruppen aus vielen europäischen Ländern präsentieren meisterhafte Artistik am Hauptplatz – von Luftakrobatik über Jonglage bis Comedy. Staunen und Lachen beim Publikum dürfte da garantiert sein. Aber nicht nur, denn ein thematischer Schwerpunkt liegt auf Interaktion: Die Menschen sollen nicht nur Zuschauerin oder Zuschauer sein, sondern Teil der künstlerischen Erfahrung werden. So wird die Produktion „Play Crowd“ (Niederlande) die Bevölkerung ermutigen, im Stile einer Silent-Disco durch die Fußgängerzone zu tanzen.

Auch ein Drache zog schon durch die Lienzer Gassen
Auch ein Drache zog schon durch die Lienzer Gassen © Andre Schmidt

Die „Walking Acts“ beleben die Straßen wiederum auf ihre Art und Weise. So haben die Lienzer schon einen Pinguin im Hochsommer, einen griechischen Helden oder einen riesigen Drachen durch die heimischen Straßen ziehen sehen. Dieses Jahr kann man sich auf ein spontanes Volleyballmatch einstellen, welches sicher keine fixen Felder haben wird. Auch riesige Luftballontiere, springende Frösche und Grashüpfer sowie anmutige Rosenstöcke konnten die Mutschlechners bereits verpflichten. Höhepunkt wird natürlich wieder die große Parade am Samstag sein.

Spaß für Kids, Highlight bei den Specials

Die Kleinen kommen beim Olala ebenso stets groß raus. Das Zentrum für interaktive Spiele bleibt der Johannesplatz. Hier können die Kids – aber auch alle Älteren – auf exquisiten Murmelbahnen ihre Fähigkeiten testen. „Sämtliche Produktionen garantieren untertags im Stadtzentrum Unterhaltung für die kleinsten Besucher. Olala liebt staunende Kinderaugen, ein fröhliches Lachen und Eindrücke, die sich in die Erinnerung brennen“, heißt es.

Absoluter Höhepunkt: die Olala Specials. Hier der Auftritt der Pantomime-Stars von „Dekru“ aus der Ukraine bei ihrem Auftritt 2024
Absoluter Höhepunkt: die Olala Specials. Hier der Auftritt der Pantomime-Stars von „Dekru“ aus der Ukraine bei ihrem Auftritt 2024 © Andre Schmidt

Und die eintrittspflichtigen „Olala Specials“? Die liefern nomen est omen auch heuer etwas Spezielles: So locken ein Schattentheater auf mehreren Ebenen, der Auftritt eines Roboters sowie spektakuläre Akrobatik in einem riesigen Hamsterrad. Außerdem zeigen die Taiwanesen der Gruppe „Toy, Toy, Toy“, die gerade auf sämtlichen großen Festivals weltweit gastieren und unzählige Preise einräumen, was man mit einem Jo-Jo alles machen kann.

Das Schloss Bruck wird zur Bühne

Schließlich verwandelt sich ab Donnerstag das Gelände rund um Schloss Bruck in einen Lichtgarten mit berührenden Installationen, die das historische Ambiente in besonderer Weise erlebbar machen. Am Samstagabend gipfelt das Festival im großen Finale: Eine auf das Schloss maßgeschneiderte Produktion von Piergiorgio Milano inszeniert das Gebäude als spektakuläre Bühne. Mit vielfältigen Zirkusdisziplinen, der Einbindung der Architektur, Walking Acts und musikalischer Begleitung entsteht ein eindrucksvolles Gesamterlebnis.

Diskussionen im Gemeinderat

Thema war das Kult-Festival auch in der jüngsten Lienzer Gemeinderatssitzung. Markus Mair vom Olala-Trägerverein „Ummi Gummi“ erläuterte kurz das Programm, aber auch die finanziellen Zwänge. Viele Künstler würden weite und kostspielige Reisen auf sich nehmen, um ins abgelegene Lienz zu kommen. Um sowohl ökonomisch als auch ökologisch nachhaltiger zu agieren, werden die Gruppen künftig für längere Zeiträume engagiert und erhalten die Möglichkeit, ihre Produktionen mehrfach zu präsentieren. Man hat sich den Grundsatz „Qualität vor Quantität“ aufgelegt. Der Ruf von Olala als eines der führenden Festivals seiner Art in Europa soll aber keinesfalls verloren gehen, was der enorme Erfolg im Vorjahr untermauert habe.

Auch in der Lienzer Gemeinderatssitzung wurde das Olala zum Thema
Auch in der Lienzer Gemeinderatssitzung wurde das Olala zum Thema © Andre Schmidt

Unterstützung kommt von der Stadt, eine Förderung um 30.000 Euro wurde beschlossen. Davor gab es eine fast Olala-würdige, also heiter-chaotische Diskussion. So schlug Christiana Laßnig (MFG) vor, den Betrag passend zum Jubiläum auf 35.000 Euro zu erhöhen – ihr Antrag fand keine Mehrheit. Auch wurde eingebracht, die 5000 Euro Extra zu Ehren von Hans Mutschlechner zu investieren. Was Mair schmunzelnd abschmetterte: „Das hätte der ‚Mutsch‘ nie gewollt. Außer, ihr benennt eine öffentliche WC-Anlage nach ihm – das täte ihm vielleicht gefallen.“ Auch ein großes Eröffnungs-Event war rasch vom Tisch. Auf Anregung von Bürgermeisterin Elisabeth Blanik (SPÖ) will man sich nun mit dem Verein zusammensetzen und vielleicht ein kleines, feines Fest organisieren. Nicht für die Masse oder Ehrengäste, sondern für die vielen ehrenamtlichen Helfer – und damit ganz im Sinne von „Mister Olala“ Hans Mutschlechner.