„Zwischen den Menschen vermitteln, sie einladen, da sein, Räume öffnen – das ist die Kirche.“ Bei seinem vorpfingstlichen Besuch in der Pfarre Heilige Familie erläuterte Bischof Hermann Glettler sein Verständnis von Kirche. Der römisch-katholische Diözesanbischof für Nord- und Osttirol wies in einem lockeren Austausch mit den lokalen Medien darauf hin, dass die Bruchlinien quer durch die Gesellschaft immer tiefer werden. Die Kirche stehe so vor immer größeren Herausforderungen, aber auch Chancen. „Deswegen ist das Motto, das heuer für die lange Nacht der Kirchen gewählt wurde, so schön: ‚MUTeinander‘. Dieses miteinander Mutigsein möchte ich euch in die Herzen legen“, so der 61-Jährige, der 2017 von Papst Franziskus zum Bischof der Diözese Innsbruck ernannt wurde.
Das Evangelium als Allerschönstes
Für Glettler sei es mehr denn je Zeit, Kirche und Menschen „durch eine Geste der Großzügigkeit“ stärker in Berührung zu bringen. „Es ist heutzutage nicht leicht, die Menschen herauszulocken. Wir merken, dass sich viele in ihre Blasen zurückziehen.“ Auch würden die Erwartungen durch eine „Kultur des Einforderns“, die sich etwa im Konsumverhalten zeige, immer höher geschraubt: „Dieses ‚Immer mehr und immer mehr‘ wird die Schöpfung in die Erschöpfung treiben.“ Entsprechend warb der Bischof für das eigene Angebot. „Wir sind keine Weltmeister, aber wir sind sehr gut.“ Gemeinsam auch mit den Medien wolle man der Aufgeregtheit und dem Zeitdruck in der Gesellschaft etwas Positives entgegensetzen: „Wir versuchen, das Allerschönste, was uns geschenkt wurde, – das Evangelium – zu kommunizieren.“
Glettler zur Seite standen bekannte Osttiroler Gesichter der katholischen Kirche. Diakon Michael Brugger, Koordinatorin Karin Theurl und Pater Martin Bichler sprachen für den Seelsorgeraum Lienz Süd – einem von 75 in der Diözese. „Unser Spruch ist: ‚Kimm lei. Mia gfrein uns auf di‘“, erklärte Brugger die Arbeit vor Ort, speziell in einem bunten Stadtviertel mit oft sozialen Sorgen wie der Lienzer Friedenssiedlung. „Es ist unsere Aufgabe, den Menschen hier Heimat und Zugehörigkeit zu geben.“ Theurl betonte, dass man von der kleinen Filialkirche Amlach bis hin zur Klosterpfarre St. Marien vieles unter einen Hut bringen muss: „Hier in der Heiligen Familie dürfen wir diese wundervolle Kirche oft und positiv bespielen. Wir wollen aber viel draußen sein, um in den Vierteln und darüber hinaus ins Gespräch zu kommen.“
Pater Martin spannte den Bogen zu kommenden Ereignissen, so feiert man heuer das Franziskusjahr in Gedenken an den 800. Todestag des Franz von Assisi – etwa durch eine Pilgerreise im Juli. Höhepunkt des „Heiligen Jahres“ wird der 3. Oktober mit dem Osttiroler Ministrantentag und einer Feier am Abend sein. Die Lange Nacht der Kirchen indes findet bereits am 29. Mai in Lienz statt. In der Franziskanerkirche St. Marien sowie im Kloster wird es unter anderem einen Vortrag rund um die Unterstützung von verfolgten Christen weltweit geben sowie einen Einblick in das Leben des Tiroler Märtyrers Engelbert Kolland.
Auch Troyer hofft, durch Feiern und Aktionen die Kommunikation quer durch Altersstufen und Gesellschaftsschichten zu fördern. Der Dekan rückte dazu das Motto „Peace please“ in den Fokus, unter dem am 5. Juni eine Friedenswallfahrt zum Helenenkirchl führt: „Dies soll uns selbst schulen: Was heißt Friedensfähigkeit? Ich bin überzeugt, Frieden braucht eine bewusste Entscheidung.“
Einfache, aber schöne Mittel
Passend dazu fragte Glettler abschließend: „Wie können wir Frieden vermitteln? Etwas, das Menschen zur Ruhe bringt in dieser hochnervösen Zeit?“ Die Antwort gab der Geistliche selbst: „Das geht nur durch Stiftung von Gemeinschaft. Durch Stille, Gebet, Seelsorge und die Ermunterung zu Besuchen.“ Dies seien die einfachsten, aber auch schönsten Mittel, die die Kirche habe, „damit Menschen von innen heraus aufgerichtet werden.“