Zwar gab der Goldpreis zuletzt etwas nach, dennoch sind die Aussichten für einen weiteren Goldpreis-Anstieg intakt. Das sagen die Goldexperten Ronald Stöferle und Mark Valek. Bis Ende 2030 ist ein Anstieg des Goldpreises auf 8900 Dollar (7659 Euro) je Unze durchaus realistisch. Allerdings könnte es in den kommenden Wochen eine Seitwärtsbewegung oder leichte Preisabschläge geben, sagt Stöferle am Mittwoch.
So verzeichnete der Goldpreis im März dieses Jahres einen Rückgang um 611 Dollar und damit den größten absoluten Monatsrückgang seiner Geschichte. Aber „wenn der Iran-Konflikt gelöst wird, macht es einen Schnalzer beim Goldpreis“, merkt Stöferle an.
Minen-Aktien, Silber und Rohstoffe im Sog des Goldes
In ihrem am Mittwoch präsentierten „In Gold We Trust“-Report verwiesen die beiden Experten des Vermögensverwalters Incrementum auf das inflationäre Szenario mit einem Anstieg auf 8900 Dollar, das sie 2020 erstellt haben. Der prognostizierte Preisanstieg entspreche aktuell einem durchschnittlichen jährlichen Plus von 14 Prozent. Das konservative Szenario ging hingegen von einem Anstieg auf 4800 Dollar je Unze aus – wobei das Edelmetall nach deutlichen Preisanstiegen im zweiten Halbjahr 2025 diese Marke bereits überschritten hat.
Bullenmarkt, nicht Bubble
Mit dem Gold sollten dem Report zufolge auch Gold-Minen, Silber, Rohstoffe und nicht zuletzt Bitcoin in den kommenden Jahren zulegen. „Wir sind in einem Bullenmarkt, aber nicht in einer Bubble“, kommentierte Stöferle die aktuelle Entwicklung. Dafür würden mehrere Argumente sprechen. Die Minen-Gesellschaften würden bei durchschnittlichen Kosten von 1.700 Dollar je Unze derzeit bis zu 3000 Dollar je Unze verdienen. Daher komme es zu Übernahmen in der Branche, „aber nicht zu verrückten Akquisitionen, wie sie am Ende einer Phase auftreten“, sagte Stöferle. Silber sei im Vergleich zu Gold derzeit fair bewertet. Die Förderquoten der Silberminen waren in den vergangenen Jahren stabil. Und während der Goldpreis bereits im Vorjahr kräftig anzog, legten die Notierungen für Rohstoffe erst heuer zu.
Notenbanken als Käufer
Zudem gewinne Gold weiter an monetärer Bedeutung. Das Edelmetall erweise sich als sanktionsresistentes, staatliches Reserve-Asset sowie als neutraler Wertspeicher. Sowohl für Privatanleger wie für institutionelle Investoren gewinne Gold als Möglichkeit der Wertaufbewahrung an Bedeutung. Zudem ist Gold laut den Experten eine stille Rekapitalisierungsmöglichkeit für Zentralbanken und Staaten. Waren einige Notenbanken der Industriestaaten in den vergangenen Jahren bei Goldkäufen eher zögerlich, stockten andere Notenbanken hier hingegen auf. Westliche Notenbanken könnten demnach zur nächsten Käuferwelle führen.
Seit 2020, als die beiden Goldexperten die „Goldene Dekade“ ausgerufen haben, ist der Goldpreis um rund 165 Prozent gestiegen. Die zentrale These: In Phasen monetärer, fiskalischer und geopolitischer Instabilität gewinnt Gold als nicht inflationierbarer Vermögenswert ohne Gegenparteienrisiko an Bedeutung.
Neue Zusammensetzung der Portfolios
Zudem verlieren Staatsanleihen an Attraktivität: Überschuldung, strukturell erhöhte Inflationsraten und zunehmende Politisierung sorgen dafür, dass sie ihre Bedeutung als risikolose Anlageklasse verlieren. Die Entwicklung von Aktien und Anleihen hat sich angenähert, die realen Anleihenrenditen sind laut den Autoren unter Druck. Damit verlieren die klassischen Portfolios mit 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen an Bedeutung.
Das Morgan Stanley-Portfolio halbiert den Anleihen-Anteil zugunsten von Gold. Die Autoren des Goldreports raten zu einer weiteren Diversifizierung mit 45 Prozent Aktien und 15 Prozent Anleihen. Der Rest sollte auf Gold, Silber, Minenaktien und strategische Rohstoffe sowie auf Bitcoin aufgeteilt werden.