Ein erhebender Moment war die erste Durchfahrt durch den 27 Kilometer langen Bahntunnel durch den Semmering am Dienstag für all jene, die viele Jahre um die unterirdische Verbindung gerungen haben. Doch auch einige Kilometer südöstlich sorgte das Ereignis, das, wie ÖBB-Projektleiter Gerhard Gobiet versicherte, einmalig bleiben wird, für Furore. In Nestelbach bei Ilz befindet sich der Sitz jenes steirischen Familienunternehmens, von dem die vier Shuttlebusse stammen, die unter anderem ÖBB-Chef Andreas Matthä, Verkehrsminister Peter Hanke und Tunnelpatin Doris Bures auf die Premierenfahrt mitnahmen: Graf Carello.

Die ersten Shuttles von Graf Carello sind bereits seit eineinhalb Jahren auf der Tunnelbaustelle unterwegs
Die ersten Shuttles von Graf Carello sind bereits seit eineinhalb Jahren auf der Tunnelbaustelle unterwegs © Christoph Kleinsasser

Die Bilder gingen durch die Medien – und bestätigten den Firmenchefs Renate Schittl-Frühwirth, Ronald Schittl und Corinna Aspan den eingeschlagenen Weg ihres Unternehmens, das sie seit 2008 führen. 2020 stieg Graf Carello, nach der Gründung vor 50 Jahren ein Begriff für Seniorenfahrzeuge, in die Serienproduktion von Elektrotransportern, geländegängigen Allradlern und Quads ein. Die steigende Nachfrage führte 2024 sogar zur Eröffnung einer zweiten, 2300 Quadratmeter großen Fertigung in Ilz.

„Wir haben erst kurz davor erfahren, dass unsere Busse bei der Premierenfahrt zum Einsatz kommen werden“, schildert Schittl-Frühwirth. Im Tunnel, der Ende 2029 in Betrieb gehen soll, fehlen ja noch die Geleise.

Bei der Tunnelbaustelle im Einsatz sind die Shuttles freilich schon länger. Vor rund eineinhalb Jahren wurde der erste Bus geliefert. Die Fahrzeuge dienen vor allem als Transportmittel für die Baumannschaft und sind Sonderanfertigungen, betont Schittl-Frühwirth. Eine Spezialanfertigung von Graf Carello begleitete übrigens auch den Bau des Koralmtunnels. Für einen schmalen Wartungsschacht war ein Fahrzeug entwickelt worden, das am Stand wenden kann.

Die Elektrotransporter haben die Seniorenfahrzeuge bei Absatz und Erlösen mittlerweile klar überholt. Der Firmenumsatz von Graf Carello hat sich seit 2020 auf rund neun Millionen Euro verdoppelt. Die Zeichen stehen weiter auf Wachstum. Graf Carello will versuchen, die Shuttlebusse auch im Städtetourismus als „Bummelzüge“ zu vermarkten, dafür fehlt bis dato aber noch die rechtliche Zulassung. Was mit den Shuttles vom Semmering nach 2029 passiert? Möglicherweise finden sie bei der Tunnelbaustelle unterm Brenner ein weiteres Einsatzgebiet.