„Ich wollte mitspielen“, sagt der Angeklagte. Doch weil er unerwünscht war, eskalierte ein Spieleabend in Klagenfurt. Und zwar so richtig: Der 54-jährige Kärntner mit kosovarischen Wurzeln verübte einen Brandanschlag auf seine Bekannten und sitzt nun wegen mehrfachen Mordversuchs auf der Anklagebank des Landesgerichts Klagenfurt. Richterin Claudia Bandion-Ortner muss den Schach- und Pokerabend vor den Geschworenen Revue passieren lassen. Zwei Tage lang wird verhandelt.

Bilder vom Rettungseinsatz nach dem Brandanschlag
Bilder vom Rettungseinsatz nach dem Brandanschlag © BFW Klagenfurt

Was geschah am 28. September 2025? Sieben Männer saßen im Aufenthaltsraum einer Betriebs- und Lagerhalle. Sie trafen sich hier öfter zum Schach- oder Pokerspielen. „Sie alle verbindet ihre gemeinsame Herkunft aus dem Kosovo“, sagt Staatsanwältin Anna Kanduth. Als der Angeklagte leicht angetrunken in den Aufenthaltsraum kam, schickten ihn die anderen weg. „Denn sie fanden ihn mühsam“, sagt die Anklägerin. Der 54-Jährige fuhr daraufhin zu einer Tankstelle, kaufte 13,5 Liter Benzin und ein Feuerzeug. Wenig später kehrte er zur Spielerunde zurück und sagte laut Staatsanwältin Folgendes: „Nicht bewegen, jetzt werde ich es euch zeigen – jetzt werdet ihr alle sterben.“ Dann schüttete er das Benzin halbkreisförmig auf den Boden und zündete ein Stück Küchenrolle an. Einer der Anwesenden riss ihm noch schnell den Benzinkanister aus der Hand und flüchtete damit ins Freie. „Gott sei Dank, sonst wäre noch mehr passiert“, findet die Richterin.

Rechtsanwalt Philipp Tschernitz vertritt den Angeklagten
Rechtsanwalt Philipp Tschernitz vertritt den Angeklagten © Markus Andreas Traussnig

Doch es ist auch so genug passiert: Der Angeklagte ließ die brennende Küchenrolle in die Benzinlache fallen. Das Feuer breitete sich in dem Raum rasant aus. Überall waren Flammen. „Die Opfer sind aus dem Fenster geflüchtet und teilweise mussten sie durch die Flammen laufen“, schildert die Staatsanwältin. „Ich wollte nur eine Gaude machen“, meint der Angeklagte immer wieder. Daraufhin zeigt die Richterin Videos vom Tatort. Unfassbare Szenen sind zu sehen: Zwei brennende Menschen flüchten ins Freie, einer fällt aus dem Fenster, seine Füße stehen in Flammen, der zweite rennt aus dem Gebäude und brennt fast am ganzen Körper – wie eine menschliche Fackel. „Beide Opfer mussten in Tiefschlaf versetzt werden“, meint die Richterin. Auch die anderen wurden verletzt. Am Bildschirm erscheinen Fotos der Brandwunden. „Schauen Sie sich das an“, sagt die Richterin zum Angeklagten. Diese Opfer werden ein Leben lang leiden. Das soll eine Gaude sein?“

Körperverletzung oder Mordversuch?

Nein, die Lage ist ernst für den 54-Jährigen: Wegen des angeklagten Mordversuchs drohen ihm mindestens zehn Jahre Haft. Sein Mandant werde die Verantwortung für die Brandstiftung und die schwere Körperverletzung übernehmen, betont Verteidiger Philipp Tschernitz. Aber den Mordversuch gesteht der ehemalige Bauunternehmer nicht. „Er wollte definitiv nicht, dass seine Freunde sterben.“ Er habe ihnen Angst machen wollen und dabei komplett unterschätzt, wie schnell sich das Feuer ausbreiten würde. Das Benzin habe er eigentlich nur für sein Aggregat gekauft, das Feuerzeug für Holz, das er verbrennen wollte.

„Tut mir leid“

„Wieso haben Sie den Brand im Aufenthaltsraum gelegt?“, fragt die Richterin den Angeklagten. „Ich weiß nicht, wie ich auf die Idee gekommen bin“, antwortet der Mann. Später erklärt er noch, dass in dem Aufenthaltsraum fast nur Fliesen und Beton waren und er niemals gedacht hätte, dass da so ein Feuer entstehen kann. „Es tut mir leid, dass meine Freunde gebrannt haben und solche Schmerzen hatten.“

Für ihn gilt die Unschuldsvermutung. Ein Urteil wird für Donnerstag erwartet.