Wie verändert sich Kärntens Arbeitswelt und wie kann Kärnten im Wettbewerb bestehen? Fragen wie diese standen im Mittelpunkt des Business Talks der Kleinen Zeitung. Peter Wedenig (AMS Kärnten), Andreas Görgei (WIFI Kärnten) und Michael Velmeden (Obmann der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Kärnten und Vizepräsident der Industriellenvereinigung Kärnten) diskutierten unter der Moderation von Martina Klementin über Fachkräftemangel, Digitalisierung und die Zukunft der Ausbildung.

Rasante Entwicklungen

„Die Geschwindigkeit, mit der sich die Arbeitswelt verändert, ist enorm“, brachte es AMS-Landesgeschäftsführer Peter Wedenig auf den Punkt. Vor allem der demografische Wandel und die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz würden den Arbeitsmarkt tiefgreifend verändern. Während immer mehr Menschen aus dem Erwerbsleben ausscheiden, entstehen gleichzeitig völlig neue Anforderungen an Qualifikation und Weiterbildung. Michael Velmeden von der Industriellenvereinigung Kärnten sieht den Druck steigen. Neben technologischen Umbrüchen spiele die Internationalisierung eine zentrale Rolle. „Wir haben gute Leute und eine gute Ausbildung. Das Problem ist, dass wir uns im internationalen Wettbewerb schwer tun, das auch sichtbar zu machen.“ Kärnten müsse seine Wettbewerbsfähigkeit stärken und vorhandene Potenziale offensiver präsentieren. Andreas Görgei vom WIFI Kärnten richtete den Blick vor allem auf die langfristige Entwicklung des Arbeitsmarktes. Das Erwerbspotenzial werde in den kommenden Jahren massiv zurückgehen. Deshalb müsse es gelingen, Menschen länger im Berufsleben zu halten und ihnen neue Perspektiven zu eröffnen. Besonders wichtig sei dabei die Fähigkeit, sich auch stets beruflich neu erfinden zu können.

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Das Ringen um Fachkräfte

Ein zentrales Thema stand im Fokus des zunehmenden Fachkräftemangels. Die Diskutierenden waren sich einig: Die Herausforderung betrifft längst nicht mehr nur einzelne Branchen, sondern nahezu die gesamte Wirtschaft. „Alles, was nicht von der IT substituiert werden kann, hat eine hervorragende Zukunft“, betonte Görgei. Gerade deshalb brauche Kärnten Investitionen in Bildung und Humankapital. Dabei gehe es nicht nur darum, Fachkräfte auszubilden, sondern auch darum, Menschen nach Kärnten zu holen und jene, die bereits im Land leben, gezielt weiterzuqualifizieren. Wedenig verwies darauf, dass noch immer jeder vierte Mensch maximal einen Pflichtschulabschluss habe. Genau hier müsse angesetzt werden. Qualifizierungsmaßnahmen müssten stärker an die Realität angepasst werden, gleichzeitig brauche es neue Wege, Menschen überhaupt für Weiterbildung zu gewinnen.

Die Lehre neu denken

Besonders engagiert wurde über die Zukunft der Lehre diskutiert. Für alle stand fest: Die duale Ausbildung zählt weiterhin zu den größten Stärken des Wirtschaftsstandorts Österreich, kämpft aber nach wie vor mit Imageproblemen. Dabei sei die Lehre längst keine Sackgasse mehr, sondern ein modernes Karrieremodell mit zahlreichen Entwicklungsmöglichkeiten. Auch Velmeden plädierte dafür, die berufliche Ausbildung stärker sichtbar zu machen. In Kärntens Industriebetrieben würden derzeit rund 1.000 Lehrlinge in etwa 100 Betrieben ausgebildet. Großes Potenzial sieht er in einer „Lehre nach der Matura“, also verkürzten Lehrzeiten für junge Menschen mit höherem Schulabschluss. Görgei bezeichnete die Lehre als „bildungspolitisches Erfolgsmodell, um das uns die ganze Welt beneidet“. Delegationen aus anderen Ländern würden nach Österreich kommen, um das duale Ausbildungssystem zu studieren. Wichtig sei vor allem eines: sichtbar zu machen, welche Karrierewege eine Lehre eröffne. Berufsreifeprüfung, Studium oder Führungspositionen stünden auch Absolvent:innen einer Lehre offen.

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Digitalisierung als Chance

Ein weiterer Schwerpunkt war die Digitalisierung. Künstliche Intelligenz wird die Arbeitswelt massiv verändern, den Menschen aber nicht ersetzen. „Der Mensch steuert immer noch die KI“, betonte Velmeden. Entscheidend werde sein, technologische Entwicklungen sinnvoll mit menschlichen Kompetenzen zu verbinden. Das WIFI Kärnten arbeite an neuen Ausbildungsformaten und Kompetenzmodellen. Hervorgehoben wurde das „Testcenter Carinthia“, mit dem Fähigkeiten sichtbar gemacht werden sollen – auch jene, die Menschen außerhalb formaler Bildungswege erworben haben. Auch das AMS setzt verstärkt auf diesen Ansatz. Neben formalen Abschlüssen würden künftig informelle Kompetenzen stärker bewertet werden. Viele Menschen verfügten über Fähigkeiten, die in keinem Zeugnis aufscheinen, im Berufsalltag aber enorm wertvoll seien.

Zum Abschluss stand die junge Generation im Mittelpunkt. Einig waren sich die Teilnehmer, dass Jugendliche heute nicht weniger arbeiten wollen, sondern andere Erwartungen an ihren Beruf haben – etwa mehr Freiheit und Entwicklungsmöglichkeiten. Gleichzeitig müssten Unternehmen sichtbarer und flexibler werden, um attraktiv zu bleiben. Mit Lehrlingsmessen, Schnupperlehren oder Tagen der offenen Tür versuche die Industrie bereits, jungen Menschen moderne Berufsbilder näherzubringen. Die Botschaft an Jugendliche war klar: offen bleiben, Chancen nutzen und den eigenen Weg mutig gehen.

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