Die Sehnsucht nach den Bergen wird bei steigenden Temperaturen bei vielen Menschen immer größer. Doch manchen reicht ein Gipfelsieg nicht. Sie wollen hinein in den Berg, wollen Höhlen erkunden – oft, ohne diese zu kennen. Die bekannteste in der Region ist die seit 1931 als Naturdenkmal gekennzeichnete Frauenmauerhöhle im 44 Kilometer langen Frauenmauer-Langstein-Höhlensystem im Hochschwabgebiet.
Die Höhle befindet sich in Privatbesitz. Auf der Eisenerzer Seite gehört sie zum Forstbetrieb Katharina Hohenberg, auf der Seite von Tragöß-St. Katharein zum Forstgut Tragöß GmbH & Co. KG. Seit 1932 gibt es einen bis heute gültigen Bescheid, dass der Durchgang für Jagd- und Forstleute sowie für Einheimische gestattet ist. Geduldet wird der direkte Durchgang der 650 Meter langen Verbindung von Ost nach West, aber keinerlei Abweichungen.
Müll und Gefahren
„Es wird oft unterschätzt, dass man in Höhlen genügend Licht braucht, weil es stockfinster ist. Manche Leute gehen mit ihren Handy-Lampen durch. Wanderer haben wir auch schon mit Stirnlampen, deren Batterien oder Akkus leer waren, rausgeholt“, erzählt Thomas Rothleitner. Er ist Landesleiter der Höhlenrettung und weiß, wie falsch sich „besonders Abenteuerlustige“ alleine in Höhlen verhalten.
Ein weiteres Problem sei auch, dass immer mehr Müll in den Höhlen zurückgelassen wird. „Die Leute denken sich überhaupt nichts dabei und werfen einfach alles weg“, betont Rothleitner. Einer der Tiefpunkte passierte 2016, als Höhlenführer in der Frauenmauerhöhle ein großes Sofa entdeckten. Schon vor einigen Jahren wollten die Besitzer die Höhle für Besucher sperren, weil bis zu 30 Säcke Müll im Sommer von der Bergwacht ans Tageslicht gebracht werden mussten.
Wassersysteme und tief gelegene Seen
„Wir haben uns wirklich lange Gedanken darüber gemacht, wie das dorthin transportiert wurde. Es war sicherlich ein Kraftakt“, erzählt der Landesleiter. Als man das Sofa genauer untersuchte, habe man im Bettkasten lauter Zettel mit der Aufschrift „Ich bin ein Kunstobjekt“ gefunden. „Lustig war das keinesfalls, denn Höhlenführer und die Bergwacht mussten das Sofa aus der teils engen Höhle herausbefördern und wieder ins Tal bringen.
Zurück zu den Gefahren, auf die Höhlenretter und -forscher immer wieder hinweisen. „In den Höhlen im Hochschwabgebiet sind auch viele unterirdische Seen. So auch am tiefsten Punkt des Höhlensystems, der sich etwa 660 Meter unter dem Einstieg befindet. „Da ist beispielsweise ein See, der unter dem Gsoll-Parkplatz liegt und schon der Grundwasserspiegel sein dürfte“, erzählt Rothleitner, der mit seinen ausgezeichnet ausgebildeten Kollegen wie Martin Riedler auch begeisterter Höhlenforscher ist.
Forscher und Alleingänge
„Vor 20 Jahren haben wir eine Halle im Höhlensystem gefunden, die etwa 25 Meter hoch und voller Tropfsteine war. Das war ein besonderes Gefühl“, erzählt Rothleitner. Bei manchen Forschungstouren müsse man bis zu zwei, drei Nächte im Höhlensystem übernachten, um ans Ziel zu kommen, und das oft bei nur vier Grad Celsius und hoher Luftfeuchtigkeit.
„Deshalb sind Alleingänge absolutes Tabu. Manche Leute glauben, sie seien, falls in einer Höhle etwas passiert, durch Versicherungen von Alpenverein, Naturfreunde oder Öamtc abgesichert. Doch das ist falsch. Diese Versicherungen gelten nur außerhalb eines Berges. Versichert ist man nur, wenn man Mitglied eines Höhlenvereins ist“, erläutert der erfahrene Höhlenexperte. „Wenn sich jemand für eine Höhle interessiert, soll er sich an Höhlenführer oder Höhlenvereine wenden und sich dort erkundigen, ob man in eine Höhle hineindarf“, rät Rothleitner, denn „Höhlen ohne Kenntnisse zu betreten, ist lebensgefährlich.“