Millionenschwere Haftungen hätten im November 2025 fast zum Platzen der Geothermie-Pläne geführt: Die OMV hatte dem größten Projekt für eine saubere Fernwärme im Raum Graz überraschend den Stecker gezogen, womit die Investitionen über 500 Millionen Euro in die Geothermie plötzlich in den Sternen standen. Erst Ende März kam es doch noch zur Einigung zwischen Energie Steiermark und Stadt Graz: Die Stadt zahlt eine fixe Risikoprämie von 35 Millionen Euro auf zehn Jahre und nimmt die produzierte Wärme verpflichtend ab, OMV und Energie Steiermark bilden eine gemeinsame Gesellschaft, die die Bohrungen durchführen.

Grazer Gemeinderat soll Risikoprämie absegnen

Diese Risikoprämie muss aber noch vom Grazer Gemeinderat abgesegnet werden – passieren soll das in der nächsten Sitzung am 21. Mai. Die genauen Punkte stehen jetzt fest – und zwar stehen vier zentrale Verträge zum Beschluss: Eine Kooperationsvereinbarung zwischen den beteiligten Unternehmen (OMV, Energie Steiermark, Energie Graz), eine Vereinbarung zur Aufteilung von Chancen, Risiken, Aufwänden und Erträgen, ein Wärmelieferungsvertrag sowie ein Wärmetransportdienstleistungsvertrag.

So sind die Aufgaben geregelt

Das Vertragswerk wurde überarbeitet, damit sollten die Aufgaben klar geregelt sein. Das Joint Venture aus OMV und Energie Steiermark übernimmt die Bohrung und die Energieaufbringung, die Energie Steiermark errichtet die Leitungen bis nach Graz. Und die Energie Graz übernimmt ab Graz (Sternäckerweg) in ihre bereits bestehenden Leitungen und sorgt für die Verteilung an die Haushalte.

Für die Stadt Graz entscheidend: Die ursprünglich geforderte unbeschränkte Haftung der Stadt Graz ist damit nicht Bestandteil der neuen Vereinbarungen. Auch für die Energie Graz wurden die Risiken deutlich reduziert, die Vertragsbeziehungen wurden neu strukturiert, sodass Planungssicherheit und stabile Liquidität gewährleistet sind.

Finanz- und Beteiligungsstadtrat Manfred Eber (KPÖ) spricht von einer „sachlich vertretbaren Lösung, auf deren Basis das Projekt weitergeführt werden kann.“ Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) dankt allen, die mitgearbeitet haben: Die Lösung sei ein „weiterer Beitrag für eine umweltfreundliche und unabhängige Wärmeversorgung der Grazerinnen und Grazer.“ Vize-Bürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne) und SPÖ-Vorsitzende Doris Kampus unterstreichen die Bedeutung von Projekten wie diesem in Zeiten von Kriegen, internationalen Krisen und explodierenden Energiepreisen.

Hintergrund des Projekts ist der verbindliche Dekarbonisierungsplan der Energie Graz für die Fernwärmeversorgung im Großraum Graz. Bis 2030 muss der Anteil grüner Wärme laut Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz und Erneuerbaren-Wärme-Gesetz auf mehr als 60 Prozent gesteigert werden, ab 2035 soll der Anteil sogar 80 Prozent erreichen.

Start in St. Marein bei Graz

In St. Marein bei Graz hat bereits die erste Verhandlung für Probebohrungen stattgefunden – im Ortsteil Petersdorf II liegt die erste von mindestens vier Stellen, an denen nach heißem Wasser in bis zu 3,5 Kilometer Tiefe gebohrt werden soll.