Die Führung in Teheran ließ Donald Trump warten. Statt binnen 48 Stunden, so wie vom US-Präsidenten erhofft, kam die iranische Antwort auf den 14 Punkte umfassenden US-Vorschlag zur Beendigung des Krieges erst nach mehreren Tagen.

In welch schlechter Verhandlungsposition sich der mächtigste Mann der Welt gegenüber dem Iran befindet, zeigt aber nicht nur das demonstrativ gemächliche Tempo, mit dem das Mullah-Regime auf Trumps Vorstöße reagiert. Auch inhaltlich geht die iranische Führung laut mehreren Medienberichten keinen Schritt weit auf Washington zu. Die Kontrolle über die Straße von Hormuz soll dauerhaft beim Iran liegen, über das Atomprogramm will man erst viel später verhandeln. Dafür sollen die USA aber ihre Seeblockade beenden und die Wirtschaftssanktionen aufheben.

Situation verfahren wie zuvor

Zweieinhalb Monate nachdem die ersten Bomben auf Teheran gefallen sind, steckt Trump damit in der selben verfahrenen Situation wie zuvor fest. Die iranische Führung, die schon ihr eigenes Überleben als Sieg betrachtet und sich in einer Position der Stärke sieht, wird nicht einfach kapitulieren. Daran werden weder wütende Social-Media-Postings aus dem Weißen Haus etwas ändern noch neue Luftangriffe oder wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen. Trumps abwegige Drohung mit der „Auslöschung einer ganzen Zivilisation“ hat das Regime in Teheran ebenso wenig beeindruckt wie die Blockade wichtiger Häfen, die der Iran wohl noch viele Wochen durchhalten kann.

Wenn Trump tatsächlich eine fundamentale Kursänderung und substanzielle Zugeständnisse beim Atomprogramm erreichen will, bleibt für die Vereinigten Staaten nun eigentlich nur noch ein Regimewechsel in Teheran als Option übrig. Das bedeutet aber nicht nur den wahrscheinlich verlustreichen Einsatz von US-Bodentruppen, sondern auch massive iranische Vergeltungsangriffe auf die mit den USA verbündeten arabischen Golf-Staaten. Dass Trump, der den Krieg lieber heute als morgen hinter sich lassen will, diesen Preis zu zahlen bereit ist, scheint kaum vorstellbar. Ein nächster endloser Krieg mit nochmals explodierenden Benzinpreisen ist für Trumps Republikaner angesichts der herannahenden Midterm-Wahlen ein Albtraum-Szenario.

Schmerzhafte Kompromisse

Der US-Präsident wird daher für ihn schmerzhafte Kompromisse gegenüber dem Iran machen müssen. So werden die USA in Verhandlungen vermutlich einige Auflagen bei der Uran-Anreicherung und vielleicht auch ein internationales Inspektionssystem durchsetzen können, um zu verhindern, dass der Iran in kurzer Zeit eine Atombombe bauen kann. In seinen Grundzügen wird das iranische Nuklearprogramm aber wohl bestehen bleiben.

Damit würde die neue Atom-Vereinbarung jener ähneln, die Barack Obama 2015 mit dem Iran geschlossen hat. Das in Wien unterzeichnete Abkommen hatte Trump einst als „den schlechtesten Deal der Welt“ bezeichnet, bevor er es im Jahr 2018 schließlich einseitig aufkündigte.