Ein bisschen Hoffnung

Ich war elf Jahre alt und spielte seit ein paar Jahren mal mehr, mal weniger motiviert Gitarre. Dann kam sie: 17 Jahre jung, Föhnfrisur, dunkles Kleid mit Strasssteinen und eine weiße (!) Gitarre. Ich war schockverliebt. Nicole hat mit ihrem Schlager „Ein bisschen Frieden“ nicht nur haushoch gewonnen. Dass sie Teile ihres Siegerlieds am Ende auch in Englisch, Französisch und Niederländisch sang, hat mich Bauernmädl aus der Oststeiermark tief beeindruckt. Den (deutschen) Text kann ich noch heute mitsingen. Und ja, Worte und Melodie mögen schlicht sein, die Botschaft dahinter ist leider nach wie vor hochaktuell. (Marianne Fischer)

Das kennt keiner mehr

An diesen Moment erinnert sich außer unserem Song-Contest-Lexikon Christian Ude niemand mehr. Marty Brem erreichte 1981 mit „Wenn du da bist“ Platz 17. Den Auftritt habe ich ohnehin verschlafen. Die Erinnerung gilt eher der ORF-Vorentscheidung „Mein Lied für Dublin“, in der Brem drei Lieder zur Auswahl stellte. Der Beitrag war ein Chanson klassischen Zuschnitts, das großartig beginnt und zusehends verflacht. Und das wohl schon 1981 ziemlich altmodisch geklungen hat. Dass ich einschlief, war gut, die vier bizarren Tänzerinnen hätten im Kopf meines noch nicht neunjährigen Ichs zu viel Verwirrung gestiftet. (Martin Gasser)

Gerechtigkeit für Mona

Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, was Erinnerung ist und was nicht. Aber null Punkte und letzter Platz waren hart. Dabei war Wilfrieds „Lisa Mona Lisa“ kein schlechter Song: Ein schöner Refrain, nicht einfach zu singen. Wilfried trug weiße Turnschuhe zum Schulterpolster-Anzug und ein Flinserl. Man muss Wilfried (der 2017 an Krebs verstarb) als einen der besseren Österreichbeiträge sehen: „Lisa Mona Lisa“ hatte den letzten Platz 1988 in Dublin nicht verdient. Ich sehe mein neunjähriges Ich auf der großelterlichen Couch sitzen und skandieren: „Zwölf Punkte. Gerechtigkeit für Wilfried.“ (Andreas Kanatschnig)

Legendär – im Hockey

Kojo sei ein Punker, hieß es vorab. Das imponierte mir schon einmal. Dann war sein Lied auch noch ein Protestsong, der 1982, auf dem letzten Höhepunkt des Kalten Krieges, die Lethargie der Menschen angesichts der atomaren Bedrohung geißelte, Motto: He, wir verschlafen unseren Untergang! Das fand ich verführerisch aufrührerisch, zumal Kojo sein Lied mit Schnarchgeräuschen ausklingen ließ. Außerdem: Fönwelle, oranger Leder-Bundfaltenanzug – sexy! Bloß sang er auf Finnisch, und eher mäßig melodisch: null Punkte für Kojo, in Finnland nennen sie noch heute ein 0:0 im Eishockey „Kojo-Kojo“, habe ich jüngst gelesen. (Ute Baumhackl)

Der Trick mit dem Rock

Als 1981 das Quartett Bucks Fizz mit „Making Your Mind Up“ knapp vor Lena Valaitis („Johnny Blue“) für Großbritannien den Sieg holte, wehte in unser Wohnzimmer plötzlich die Popmusik herein. Und ich war infiziert. Das war so neu, so frisch, so frech! Weil der Auftritt auch eine Novität in der Fernsehunterhaltung war – mit den ersten „Trickkleidern“. Nach einer Drehung standen die beiden Sängerinnen statt im knielangen Rock nur noch in knappen Miniröcken da. Und dabei liebte ich natürlich die Smiles von Bobby und Mike. Für mich waren Bucks Fizz keine Eintagsfliege oder One-Hit-Wonder – ich habe heute noch ihre fünf Alben. (Christian Ude)

Ein Liebesgewitter

Worum es 1989 in „Nur ein Lied“ (Thomas Forstner) gegangen ist? Keine Ahnung, es war was mit Frieden, irgendwo zerbricht ein Eis, aber meine Gänsehaut galt diesem modischen Erdbeben, ein Coup de Foudre, ein Liebesblitzschlag – in Flieder! Die kurze Smokingjacke mit violettem Spitzrevers, aufgekrempelte Ärmel mit dem gleichen Innenfutter, diese Bundfaltenhose! Ich war mir sicher, dieser Anzug war eine modische Wiedergeburt des Outfits der Sängerin Darinka 1986 bei der Show „Auf Los geht‘s los“! Überlange Satinbluse, Krawatte, beides in Violett. An ihrer Seite sang damals ein Karel und der war, so stand es im Insert, ein Gott! (Susanne Rakowitz)