Der Krieg im Nahen Osten treibt die Energiepreise nach einer Prognose der Weltbank heuer um 24 Prozent in die Höhe. Damit erreichen sie den höchsten Stand seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Rohstoff-Ausblick der in Washington ansässigen Organisation. Sie erwartet für 2026 einen durchschnittlichen Preis für die Ölsorte Brent von 86 Dollar (73,20 Euro) pro Fass, nach 69 Dollar im Vorjahr.

Die Angriffe auf die Energieinfrastruktur und die Störungen des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormuz haben demnach den größten Ölversorgungsschock der Geschichte ausgelöst. Der Preisanstieg hat weitreichende Folgen. „Der Krieg trifft die Weltwirtschaft in mehreren Wellen: zuerst durch höhere Energiepreise, dann durch höhere Lebensmittelpreise und schließlich durch eine höhere Inflation“, sagte der Chefökonom der Weltbank, Indermit Gill. „Krieg ist Entwicklung im Rückwärtsgang.“ Am härtesten treffe es die ärmsten Menschen.

Höhere Düngerpreise

Die Preise für Düngemittel dürften dem Bericht zufolge um 31 Prozent steigen. Dies bedrohe künftige Ernten und könnte laut dem Welternährungsprogramm in diesem Jahr bis zu 45 Millionen weitere Menschen in akute Ernährungsunsicherheit stürzen. Auch die Preise für Industriemetalle wie Aluminium, Kupfer und Zinn dürften Rekordhöhen erreichen. Edelmetalle könnten sich angesichts der geopolitischen Unsicherheit als sichere Häfen um 42 Prozent verteuern.

Die steigenden Rohstoffpreise werden der Weltbank zufolge die Inflation weltweit anheizen und das Wachstum dämpfen. In den Entwicklungsländern wird nun für 2026 eine durchschnittliche Inflationsrate von 5,1 Prozent erwartet. Das Wachstum in diesen Ländern dürfte sich auf 3,6 Prozent abschwächen. Sollte der Konflikt eskalieren, könnte der Ölpreis sogar auf bis zu 115 Dollar pro Fass steigen.

Unterstützung für Finanzschwache

„Die Regierungen müssen der Versuchung pauschaler staatlicher Hilfen widerstehen, die die Märkte verzerren könnten“, sagte der stellvertretende Chefökonom der Weltbank, Ayhan Kose. Stattdessen sollten sie sich auf schnelle und gezielte Unterstützung für die schwächsten Haushalte konzentrieren.