Das Wohnviertel Gries zählt laut dem Wolfsberger Immobilienexperten Karl „Charly“ Kostmann zu den beliebtesten innerstädtischen Wohnlagen von Wolfsberg – dank Zentrumsnähe und Infrastruktur. Die Preise für Baugründe haben sich seit 2010 durchschnittlich vervierfacht, analysiert der Makler die amtlichen Kaufpreissammlungen sowie Immobilienberichte der vergangenen 15 Jahre. Preistreiber in all den Jahren seien die Siedlungserweiterungen (2012), der Beginn der Flucht in „Betongold“ (2014), gesunkene Sparzinsen (2016 und 2025), der „Pandemie-Effekt“ im Jahr 2020 (der Wunsch nach eigenem Garten) und Bauland in Gries als Mangelware (ab 2021) gewesen sowie aktuell die Koralmbahn, die das Pendeln nach Graz attraktiv macht. 

Die Koralmbahn macht das Pendeln attraktiver
Die Koralmbahn macht das Pendeln attraktiver © ÖBB

Ebenfalls fast vervierfacht habe sich der Bodenwert in diesem Zeitraum in den Katastralgemeinden Reding oder Ritzing – von durchschnittlich 40 auf rund 155 Euro pro Quadratmeter. „Hier geht der Trend klar zur Nachverdichtung von Wohnbau oder Wohnanlagen, da große zusammenhängende Baugrundstücke für Einfamilienhäuser kaum noch finanzierbar oder verfügbar sind. Reding, Priel und Ritzing sind durch die Zentrumsnähe sehr begehrte Wohnviertel“, so Kostmann. Bei jungen Familien seien vor allem St. Margarethen und St. Marein beliebt (rund 132 Euro pro Quadratmeter), aber auch St. Michael (zirka 110 Euro pro Quadratmeter) zähle zu den „soliden Vorstadtlagen“, ebenso wie Michaelsdorf und Gries. Zwar schon ländlicher geprägt, aber noch gut angebunden seien die Katastralgemeinden Hattendorf, Reideben und Pfaffendorf, in denen der durchschnittliche Quadratmeterpreis von 25 Euro im Jahr 2010 auf 95 Euro im heurigen Jahr anstieg.

Preise sinken drastisch

Wenn er sich die vergangenen 15 Jahre ansieht, erkennt Kostmann noch weitere Trends im Gemeindegebiet von Wolfsberg: „St. Stefan und St. Marein sind die größten Profiteure der Infrastrukturprojekte. Die Anbindung an die Autobahn und die Nähe zum neuen Bahnhof der Koralmbahn machen diese Grundstücke auch für Pendler aus Graz interessant. Aber auch in St. Johann ist ein starkes Wachstum durch die Koralmbahn-Nähe zu spüren.“ Hingegen weitgehend „entkoppelt“ vom Koralmbahn-Boom seien höhergelegenere Ortschaften, wie Lading oder Theißenegg. „Man erkennt deutlich, dass ab einer Fahrzeit von mehr als 10 oder 12 Minuten ins Stadtzentrum von Wolfsberg die Preise drastisch sinken, nämlich auf unter 60 Euro pro Quadratmeter“, sagt Kostmann, der aufgrund der Naturnähe einen langsamen Anstieg für Preims, Lading und Oberleidenberg merkt.

Immobilienexperte Karl „Charly“ Kostmann
Immobilienexperte Karl „Charly“ Kostmann © Bettina Friedl

Es gibt aber auch Ausreißer nach oben: „Grundstücke mit unverbaubarem Blick über das Lavanttal erzielen oft Preise, die deutlich über dem Durchschnitt der jeweiligen Katastralgemeinde liegen“, spricht der Immobilien-Experte aus Erfahrung. Als Beispiele nennt er den Aichberg, Thürn oder den Norden von Wolfsberg. Apropos Norden: Auen, aber auch die Schwemmtratten und Kleinedling im Süden haben aufgrund der ebenen Lage und der guten gewerblichen Anbindung an Wert zugelegt: Von rund 28 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2010 auf durchschnittlich 125 Euro im heurigen Jahr.

Eher für Zweitwohnsitze seien Theißenegg und Hintertheißenegg interessant, wobei hier der Bodenwert von durchschnittlich 10 Euro im Jahr 2010 auf rund 45 Euro heuer zulegen konnte. Die Gebiete Gräbern-Prebl und Waldenstein haben für Kostmann eher touristisches Potenzial.