Jahrelang hat er durchgehalten, doch von einem Tag auf den anderen kein Mucks mehr: Der Mixer ist kaputt, weg damit. Dass tatsächlich das Gerät noch gut funktioniert, und nur das Stromkabel aufgrund schlechter Lagerung gebrochen ist, bleibt unbemerkt.
Oft sind es nur Kleinigkeiten, die sich mit wenigen Handgriffen reparieren lassen, um Elektrogeräte wieder flott zu machen. Über eine Million Geräte sind seit dem Start des Reparaturbonus wieder flott gemacht worden, der Hintergedanke der Aktion waren der Klimaschutz und die Stärkung der heimischen Wirtschaft. Alles nur frommer Wunsch?
Konsumenten ist das Geld am wichtigsten
Marc Reimann vom Institut für Operations und Information Systems an der Universität Graz forscht zum Thema Reparaturservice und hat dazu repräsentative Befragungen durchgeführt. Ein zentrales Ergebnis daraus: „Am wichtigsten ist den Konsumenten das Geld. Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit und soziale Effekte sind bei der Entscheidung, etwas reparieren zu lassen nachrangig. Es muss einen finanziellen Vorteil bringen, das steht im Vordergrund“, sagt Reimann.
Seit 2017 beschäftigt er sich gemeinsam mit seinem Forschungsteam mit dem Thema. Unter anderem beauftragt er Marktforschungsinstitute, um Befragungen mit bis zu 1000 Personen pro Forschungsfrage durchzuführen.
Reperaturen müssen schell durchgeführt werden um attraktiv zu sein
Eine weiterführende Studie etwa hat sich den Faktoren gewidmet, die Einfluss auf die Entscheidung über eine Reparatur ausüben. „Wichtig ist den Konsumenten, dass eine Reparatur schnell durchgeführt werden kann und leicht zugänglich ist. Es muss bequem sein, den richtigen Betrieb zu finden“, sagt Reimann.
Die Kunden wünschen sich zudem passende Öffnungszeiten und im Idealfall ein Ersatzgerät – was einerseits teuer und logistisch aufwändig ist für den Reparaturbetrieb, und andererseits im Fall von Smartphones auch das Problem der Datenmitnahme mit sich bringt.
Viele Hürden also für die Kreislaufwirtschaft, weshalb von staatlicher Seite auch eine Förderung eingeführt wurde: der Reparaturbonus. Für Reimanns Forschungsinteresse ein vielversprechendes Feld, das sich 2022 mit der Einführung erstmals beackern ließ.
Veränderte Förderrichtlininien als Herausforderung
Die Grundsatzfrage, ob so eine Förderung sinnvoll ist, beantwortet der Wirtschaftswissenschaftler so: „Eine Förderung sollte einen nachhaltigen Effekt anstoßen. Das Ziel muss sein, ein Interesse anzufachen, das auch dann anhält, wenn die Förderung ausgelaufen ist. Man kann nicht ewig fördern.“
Schwierig wird es vor allem dann, wenn sich die Förderrichtlinien ändern: Der Reparaturbonus wurde zunächst direkt bei der Bezahlung der Dienstleistung gegenverrechnet. Die Kunden zahlten zunächst den reduzierten Preis im Reparaturbetrieb, nach zahlreichen Betrugsfällen wurde diese Praxis eingestellt.
Neuregelung sorgt für Verwirrung und Frust
Die neue Variante, zuerst den Vollpreis zahlen und danach den Reparaturbonus auf das Konto überwiesen erhalten, sorgte für Verwirrung und Frust: „In zehn Betrieben, die wir untersucht haben, sind die Reparaturraten nach dieser Umstellung um 50 Prozent eingebrochen. Es ist ein ganz starker Anreiz bei den Kunden, das Geld lieber sofort zu erhalten, anstatt darauf warten zu müssen“, sagt Reimann über die mangelnde Transparenz bei der Aktion, die 2026 wieder anlaufen soll.
Mit einem gewissen Maß an Vorsicht zu genießen sind laut ihm auch die Effekte der Reparaturbewegung auf die lokale Wertschöpfung: „Reparaturen sind personalintensive Vorgänge, und besonders in Europa sind Arbeitsstunden sehr teuer. Es lassen sich bereits Trends beobachten, dass Reparaturen in Billiglohnländer ausgelagert werden“, sagt Reimann – und nennt als Beispiel die Türkei, wo sich seit einiger Zeit spezialisierte Reparaturzentren für Elektrogeräte etablieren.
Nicht nur Reparatur sondern auch Tipps
Besser also die heimischen Betriebe stärken: Mit der Initiative „Graz repariert“ etwa, die Reimann wissenschaftlich begleitet. Dort erhält man nicht nur Hilfe bei kaputten Geräten, sondern auch Tipps, wie man unachtsame Schäden vermeidet. Im Falle des Mixers reicht es schon, das Kabel sorgfältig aufzuwickeln, statt es zu verwurschteln.