Wer dienstags oder mittwochs am Thomahof in Tauplitz vorbeirollt, hat zwei Möglichkeiten: weiterfahren – oder der frischesten Leber der Steiermark ins Auge blicken. Und wer das Zweite tut, landet fast automatisch in der historischen Zirbenstube, wo Roman und Silke Gruber seit über 20 Jahren das kochen, was andernorts längst von der Speisekarte gefallen ist: Schweinsleber, rosa gebraten, duftend, einfach, kompromisslos frisch.

Video – So gelingt die Leber

„Montag ist Schlachttag beim Aichinger“, erklärt Roman Gruber mit jener Gelassenheit, die nur Menschen haben, die 30 Jahre lang Leber serviert haben, ohne je an ihr zu zweifeln. „Dienstag Früh kommt sie zu uns. Frisch. Anders geht’s nicht.“ Gewürzt wird sie nur mit Salz und Pfeffer – ein Satz, der manchen Hobbykoch in der Region härter trifft als jeder Krampusstock. Dazu Röstkartoffeln, Tomaten, Apfelscheiben und ein Klecks Knoblauchsauce. „Man soll ja die Leber selber noch schmecken“, sagt Roman. Und weil Tradition im Thomahof nicht verhandelt wird, gibt es nur Schweinsleber. Rindsleber? Kalbsleber? Nicht hier. „Die Schweinsleber ist einfach die beste.“

Die Leber wird vor dem Rösten mit Zwiebel ordentlich mit Salz und Pfeffer gewürzt.
Die Leber wird vor dem Rösten mit Zwiebel ordentlich mit Salz und Pfeffer gewürzt. © Martin Huber

Der Thomahof selbst wurde 1620 erstmals erwähnt. Damals kehrten hier Fuhrleute ein, die auf der alten Salz- und Poststraße unterwegs waren. Seither hat der Hof Kriege, wirtschaftliche Experimente, touristische Trends und zwei Jahrhunderte Wirtswechsel erlebt – nur sein Gesicht hat er nie ganz verloren. Nicht einmal das Braunvieh, das den Hof von 1929 bis 1971 führte, konnte ihm den Wirtshauscharakter austreiben. Seit 1971 heißt die Familie Gruber die Gäste willkommen. Heute führen Silke und Roman den Betrieb gemeinsam mit Tochter Sophia.

Unten der Gasthof, oben der Krampus. Denn im Dachboden befindet sich das Tauplitzer Nikolausmuseum, eine Art Dunkelkammer für starke Nerven: über 100 Kostüme und Masken des traditionellen Nikolospiels. Manche davon lebensgroß – andere lebensgroß plus Schreckfaktor. Sein Vater hat viele der Masken geschnitzt. Und wie kommt man zu so furchteinflößenden Gesichtszügen? „Er hat sich an echten Menschen orientiert“, sagt Roman und grinst. „Der eine hatte eine markante Nase, der andere eine gute Mundpartie. Manche finden sich vielleicht heute noch in den Masken wieder.“ Vermutlich keine Information, die man jedem Nachbarn auf die Nase binden würde.

Nach dem Genuss, auf zum Krampus

Die schwersten Kostüme – Lucifer und der E-Teufel – wiegen bis zu 20 Kilo. Vier Stunden stehen die Träger am 5. Dezember in diesen Fell- und Glockenrüstungen. „Danach hat man ein paar Kilo weniger“, sagt Roman. „Kann man sich später mit Leber wieder anfuttern.“ Zwischen Krampus und Küche wird im Thomahof aber auch ein stilles Thema spürbar: das Aussterben der traditionellen Wirtshäuser. „Früher hatten wir täglich Einheimische am Stammtisch“, sagt Silke. „Heute kommen die jungen Leute kaum mehr.“ Pizza und Burger verdrängen Braten und Innereien. „Die kennen vieles gar nicht mehr“, sagt Roman. „Dabei gehört’s zu unserer DNA.“

Leber, Apfelringe, Zwiebel und Tomaten werden mit Weinbrand aufgegossen.
Leber, Apfelringe, Zwiebel und Tomaten werden mit Weinbrand aufgegossen. © Martin Huber

Und so wirkt der Thomahof – mit seiner knarrenden Stiege, der warmen Zirbenstube, den rosa gebratenen Stücken und den Krampusmasken – wie eine Zeitkapsel. Eine, die man nur betreten muss, um zu verstehen, was gerade überall verschwindet. Und wenn etwas diese Tradition am Leben hält, dann sind es wohl jene gebratenen Scheiben Schweinsinnerei, die eine Einfachheit bewahren, die anderswo längst selten geworden ist. Vielleicht liegt genau darin die stille Kraft dieses Hauses: im Mut, das Wesentliche nicht zu verändern.