Am vergangenen Dienstag, dem 3. September, verlief eine Suche nach einem 87-jährigen Seniorenheimbewohner, der an Demenz erkrankt ist, positiv. Der ältere Herr war seit den Vormittagsstunden abgängig. Um 21:45 Uhr kam die erlösende Nachricht, dass der Abgängige in der Ortschaft Wernberg, zirka zehn Kilometer vom Seniorenzentrum entfernt, aufgegriffen werden konnte.
Menschen mit Demenz leben oft in einer anderen Welt. Es stellt sich die Frage, wie ein Mensch, der an Demenz erkrankt ist, so weit weg von zu Hause gefunden werden kann und wie sie dorthin kommen. „Demente Menschen sind nicht zwangsläufig alt, es gibt spezielle Formen der Demenz, die bereits mit 40 auftreten können. Viele Patienten, die zu uns in die interdisziplinäre Spezialambulanz für Demenzerkrankungen im LKH Villach kommen, sind körperlich fit“, erklärt Oberärztin Barbara Castek.
Oft suchen Erkrankte den Wohnort ihrer Kindheit
Wenn sich an Demenz erkrankte Menschen unwohl oder überfordert fühlen, suchen sie nach etwas, das ihnen Sicherheit gibt. „Wenn ein Patient plötzlich verschwindet, klären wir immer ab, wo die Person aufgewachsen ist. Wir fragen, wo sie früher gelebt hat, oft gibt es das Haus gar nicht mehr, aber sie machen sich trotzdem auf den Weg dorthin“, gibt die Demenzexpertin zu bedenken.
Lieber einmal zu viel professionelle Hilfe holen
Wie also reagieren, wenn man auf eine Person trifft, die verwirrt oder verängstigt ist und die Möglichkeit besteht, dass sie an einer der vielen Formen der Demenz erkrankt ist? Laut der Ärztin ist es wichtig, die Person nicht in die Enge zu treiben oder sie gar festzuhalten, da sie aggressiv werden können. „Ältere Menschen sind Fremden gegenüber argwöhnisch, erkennen Autoritäten aber an, wie eine Person in einer Rettungs- oder Polizeiuniform. Daher ist es wichtig, professionell ausgebildete Helfer zu holen.“
Genaue Diagnose bei Demenz
„Früher war es normal, dass die Oma oder der Opa ein wenig vergesslich waren, das hat man lange so akzeptiert. Heutzutage versuchen wir, eine möglichst genaue Diagnose zu stellen. Es gibt mehrere Formen der Krankheit, es kommt vor, dass der Patient oder die Patientin eigentlich eine Depression haben, aber demente Symptome zeigen“, klärt die Ärztin auf. Als besonders wichtig erachtet sie das geistige Training von älteren Menschen.
Training kann den Krankheitsverlauf verlangsamen
Für Betroffene gibt es mittlerweile nützliche elektronische Gadgets, wie Uhren, die per Knopfdruck die Angehörigen verständigen und den Standort übermitteln. „Wichtig ist grundsätzlich, dass man Menschen mit Demenz unterstützt und mit ihnen trainiert. Das kann ein Memory-Spiel mit Fotos von den Enkeln sein, es gibt auch zahlreiche Apps am Handy oder Tablet, die den Prozess der Krankheit verlangsamen können“, erklärt Castek. Da die Menschen immer älter werden, wird die Krankheit immer verbreiteter werden, gibt sie zu bedenken und weist auf die Demenzambulanz, Selbsthilfegruppen und Informationsveranstaltungen hin, die sie unter dem Motto „Warum ist Oma so cringe“ auch schon in Schulen geführt hat.