Laut einer aktuellen Studie des Momentum Instituts verdienen in Österreich Frauen, die in einem Paarhaushalt leben, im Schnitt 40 Prozent weniger als der Mann. Leben zusätzlich auch Kinder im Haushalt, dann erhöht sich die Einkommenslücke sogar auf 47 Prozent. Der Equal Pay Day ist ein Aktionstag, der auf diesen Einkommensunterschied bei gleichwertiger Arbeitstätigkeit aufmerksam macht und aufzeigt, wie viele Tage pro Jahr Frauen aufgrund dieser geschlechtsspezifischen Einkommenslücke gratis arbeiten. In Österreich sind das 2025, laut Momentum, 60 Tage – in der Steiermark sogar 66 Tage.
Der Equal Pay Day möchte auch das Bewusstsein dafür schärfen, dass faire Bezahlung ein gesamtgesellschaftliches Anliegen sein muss. Anlässlich des Aktionstages 2025 trafen sich im Kleine Zeitung-Skyroom des Styria Media Centers die Generaldirektorin der Volksbank Steiermark, Monika Cisar-Leibetseder, die Geschäftsführerin des Grazer Frauenrates, Anna Carina Majcan, sowie der Landesdirektor der Wiener Städtischen Versicherung, Michael Witsch, zum Businesstalk. Moderatorin Julia Oswald adressierte ihre Einstiegsfrage an Frau Majcan:
Hier finden Sie die Highlights der Diskussion:
Die Einkommenslücke von 47 Prozent in Paarhaushalten mit Kindern – was bedeutet diese für Frauen in ihrer täglichen Lebensrealität?
Anna Carina Majcan: Diese Zahl macht die finanzielle Abhängigkeit von Frauen in Paarbeziehungen sichtbar und sie zeigt, wer in Österreich wie viel unbezahlte Arbeit leistet. Finanzielle Abhängigkeit erzeugt in Beziehungen oft ein Machtgefüge, das vielen Frauen u. a. eine Trennung sehr schwer macht. Die Pay Gap von 47 Prozent ergibt sich, wenn Teilzeitarbeit, die ja auch vorwiegend weiblich ist, eingerechnet wird.
Aber auch bei Vergleichen auf Basis von Vollzeit-Bruttojahreslöhnen steigen Frauen schlechter aus: Laut Momentum verdienen Frauen in einem Haushalt, in dem beide Vollzeit arbeiten, durchschnittlich 17 Prozent, mit Kindern 19 Prozent und mit Kindern unter sechs Jahren mehr als 20 Prozent weniger. Nicht zuletzt zeigt die Studie auch, warum Altersarmut in Österreich vor allem weiblich ist, denn es gibt auch eine geschlechtsspezifische Pensionslücke.
Frau Cisar-Leibetseder, was ist die Motivation in Ihrem Unternehmen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen?
Monika Cisar-Leibetseder: Die Volksbank Steiermark definiert Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden als einen der zentralen Werte – und sie bedeutet für uns auch Fairness und Chancengleichheit. Bei uns können sich Mitarbeiter:innen sicher sein, dass gleichwertige Tätigkeiten bzw. Berufsbilder auch gleich bezahlt werden.
Und was macht die Wiener Städtische zu diesem Thema?
Michael Witsch: Uns ist das Aufmerksam-Machen auf die Gefahr der Altersarmut von Frauen ein großes Anliegen. Heute hat eine 55-jährige Österreicherin im Schnitt nur rund 1075 Euro auf ihrem Pensionskonto. Deshalb sind wir überzeugt, dass Frauen mehr finanzielle Unabhängigkeit brauchen – eine Vorsorge, die vor allem auf dem Partner basiert, ist keine gute Lösung. Frauen müssen hinsichtlich ihrer Finanzen eigenständiger und auch egoistischer werden. Genau deshalb heißt unsere aktuelle Kampagne auch „#frausorgtvor“.
Welche Maßnahmen haben Sie firmenintern getroffen?
Cisar-Leibetseder: Wir schaffen Rahmenbedingungen, die Frauen die Verbindung von Familie und qualifiziertem Job möglich macht. Dazu zählen u. a. eine flexible Gleitzeitregelung, Home Office und nicht zuletzt ein Mentoring-Programm für junge Frauen.
Witsch: Unser Vorstand geht mit drei Frauen und drei Männern mit gutem Beispiel voran – und das wollen wir auch auf anderen Ebenen etablieren. Wir haben unter dem Namen „Frida“ ein firmeninternes Frauennetzwerk geschaffen – dieses bietet Mentoring- und Antidiskriminierungsprogramme sowie die Wegweiser zu spannenden Karrierechancen im Unternehmen.
Frau Majcan, welche Hebel müssen wir noch bewegen?
Majcan: Von Island, wo die Lücke weltweit am geringsten ist, können wir uns u. a. die verpflichtende Lohntransparenz abschauen. Auch sollten Unternehmen ihre männlichen Mitarbeiter aktiv dazu ermutigen, in Väterkarenz zu gehen – ich denke, dass beide Seiten davon profitieren. Auch der Ausbau von firmeninternen Kinderbetreuungsplätzen ist notwendig.
Ihr Tipp für mehr weibliche finanzielle Unabhängigkeit?
Cisar-Leibetseder: Von niemandem abhängig machen – weder persönlich noch finanziell.
Witsch: Rechtzeitig, spätestens aber mit Beginn der Erwerbstätigkeit, mit der privaten finanziellen Vorsorge zu starten.
Majcan: Sich mit dem Partner frühzeitig über die familiären Care-Aufgaben verständigen, finanzielle Entscheidungen immer zu zweit und gleichberechtigt treffen.