Zum ganzen Interview:
Nur zwei Prozent der Unternehmen weltweit werden hundert Jahre alt. Mit diesen Fakten stellte Kleine Zeitung-Herausgeber und Moderator Hubert Patterer klar, welche Leistung es ist, so lange erfolgreich zu sein. Die Wege dahin sind vielfältig. Zwei davon: Vertrauen und Diversifikation.
Davon erzählt die „Jubilarin“, deren Unternehmen soeben das erste Jahrhundert vollendete, Wüstenrot-Generaldirektorin Susanne Riess-Hahn: „Unser Geschäftsmodell, Wohneigentum durch Bausparen zu schaffen, ist seit hundert Jahren aktuell. Dazu kommt noch die Lebensversicherung als Vorsorge für das Alter. 2023 erfolgte die Gründung der Bank. Und seitdem ist Wüstenrot Bausparkasse, Versicherung und Bank unter einem Dach. Am Ende zählt das Bedürfnis der Kunden. Sie wissen: uns kann man vertrauen.“
Wobei der zweite Geschäftsbereich des Unternehmens die Idee eines Vorstandes war. „Die Bausparer liefen gut, niemand sah damals eine Notwendigkeit für Lebensversicherungen. Tatsache ist aber: ohne diese Sparte gäbe es uns heute nicht mehr.“
Neue Wege
Manchmal muss man buchstäblich neue Wege gehen, um langfristig erfolgreich zu sein. Zum Beispiel von St. Anna am Aigen über Halbenrain bis nach Graz und Wien. Genau diesen Weg ging die Familie von Marlies Schaden-Spätauf, zusammen mit ihrer Schwester Geschäftsführerin der Spätauf Möbel, Design und Handwerk GmbH.
Vor 112 Jahren gegründet als kleine Tischlerei, ist das Unternehmen heute die erste Adresse in der Innenarchitektur-Kompletteinrichtung. Der Weg in die Expansion war keinesfalls klar. „Im Familienverband wurde intensiv darüber diskutiert. Wir sind dann in Wien mit der Straßenkarte herumgefahren, um einen Standort zu suchen. Zwei kamen infrage und nach Rücksprache mit unseren Lieferanten-Partnern eröffneten wir gleich beide Flagshipstores in Wien.“ Das war lebenswichtig. „Wenn unsere Mutter und unser Onkel damals diesen Schritt nicht getan hätten, wäre das Unternehmen nicht dort, wo es heute steht.“
Durchhaltevermögen
Beharrlichkeit gegen alle Widerstände und ein bisschen Hilfe, auch aus der Familie, braucht es oft auch. „Niemand hat es damals einer Frau zugetraut, ein innovatives Unternehmen aus privaten Mitteln aufzubauen. Und als sich der Erfolg abzeichnete, wurden wir von mehreren Pharmaunternehmen gleichzeitig verklagt. Oft wusste ich nicht mehr, wie ich die Gehälter bezahlen soll“, erzählt Anita Frauwallner, Gründerin von AllergoSan, von ihren Anfängen vor mehr als dreißig Jahren.
Ihr Unternehmen ist führend in der Mikrobiomforschung und hat sich auf die Verbesserung der Darmgesundheit spezialisiert. Frauwallner führt das Unternehmen mit ihrem Sohn, einem international erfolgreichen Juristen. Die Forschung in diesem Bereich kostet viel Geld. „Wir profitieren von Förderungen. Innovation wird einfacher, wenn man nicht alles selbst bezahlen muss. Wir machten eine geförderte Studie mit Darmbakterien gegen Leberzirrhose. Diese wurde in den USA als Studie des Jahres ausgezeichnet. Alleine hätten wir das nicht geschafft und so fließt das Geld auch wieder zurück ins Land.“
Langfristig denken
In einer besonderen Situation befindet sich Bernhard Rinner. Er ist Geschäftsführer der Bühnen Graz und somit für ein Unternehmen verantwortlich, das es seit 250 Jahren gibt. Für ihn ist Denken in langen Zeiträumen normal. „Wir spüren heute schon den Druck, auch in zwanzig bis dreißig Jahren noch Publikum vorzufinden.“ Neben dem demografischen und kulturellen Wandel hat die Corona-Pandemie einen Paradigmen-Wechsel eingeläutet. „Die Menschen kamen anders aus der Pandemie, als sie hineingegangen sind. Unsere Abo-Zahlen sind rückläufig, dafür sind die Freiverkäufe gestiegen. Das Publikum selektiert also massiv. So ist das Erwartungsmanagement eine Herausforderung. Jede Besetzung, jede Inszenierung ist ein neues Risiko. Wir sind nicht Amazon, wo man sagt: Menschen, die dieses Produkt kauften, kaufen auch jenes.“
Krise als Chance
Apropos Pandemie: gerade diese sowie die Finanzkrise 2007/08 waren für Susanne Riess-Hahn Katalysatoren für positive Veränderungen. „Die Pandemie hat die Digitalisierung vorangebracht und die Finanzkrise war disruptiv und hat uns genau deshalb gestärkt.“ Es wird zu viel gejammert im Land, findet sie, und zu viel verwaltet statt zu gestalten. „Wir könnten viel mehr machen, um Leistung zu belohnen.“ Dies gilt auch und gerade bei Frauen, wie Marlies Schaden-Spätauf betont. „Als Frau muss man oft doppelt so viel laufen und beweisen.“
Sie sieht allerdings auch Veränderungen in die andere Richtung. „Für unsere Berufssparte finde ich kaum mehr männliche Innenarchitekten.“ Anita Frauwallner sieht China in gewisser Weise als Vorbild. „Ich war öfters da und die massive Umweltverschmutzung hat man innerhalb von zehn Jahren in den Griff bekommen. Die Menschen dort sind stolz auf ihre Leistungen. Bei uns wird alles als selbstverständlich genommen.“ Bernhard Rinner richtet den Fokus auf morgen. „Wir arbeiten intensiv daran, neue Publikumsschichten erschließen und haben mit dem Next Liberty ein echtes Zukunftsangebot.“
Fazit: sich etwas zu trauen und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen sind wohl die besten Garanten für eine erfolgreiche Zukunft. Weniger Regulatorien, mehr unternehmerische Freiheit und Eigenverantwortung sind ebenfalls wünschenswert, ist man sich am Podium einig. Aber das wäre ein Thema für eine eigene Business Stage.