Gefühlt haben Frauen schon lange sämtliche Arbeitsbereiche für sich erobert und sind als LKW-Fahrerin genauso tätig wie als Ärztin oder Elektrikerin. Aber dieses Gefühl trügt, die Lehrlingsstatistik der WKO zeigt: Die beliebtesten Lehrberufe bei jungen Frauen sind in Österreich nach wie vor der Einzelhandel, gefolgt von Bürokauffrau und Frisörin. Nur eine technische Branche schafft es in die Hitliste der beliebtesten Lehrberufe, die Metalltechnik auf Platz sechs.

„Nach wie vor ist die Berufswahl in Österreich von einem sehr klassischen Rollenbild geprägt,“ weiß Petra Feier von „EqualiZ – gemeinsam vielfältig“. Der Verein mit Sitz in Klagenfurt und Villach ist u. a. eine Fachstelle für geschlechterreflexive Berufsorientierung und unterstützt Mädchen und Frauen in ihren Berufswahlentscheidungen – und Unternehmen wenn es beispielsweise darum geht, mehr Diversität ins Team zu bringen.

Jana Knappitsch lernt Hörgeräteakustikerin
Jana Knappitsch lernt Hörgeräteakustikerin © KK

Feier betont: „Es braucht uns, um Möglichkeiten aufzuzeigen: Schau dir auch diese Berufe an, die sind cool, machbar und du hast auch die Fähigkeit dazu! Wenn Mädchen zu Hammer und Bohrmaschine greifen, bekommen sie nämlich leider oft genug zu hören: Lass das lieber! Das passiert in die andere Richtung genauso, die Buben sollen sich nicht mit Nähzeug und Haarbürste beschäftigen. Und auch das Umfeld lebt das überholte Rollenbild vor. Frauen sind in Führungsrollen ohnehin schwach vertreten und in der Technik gilt noch mehr: Je weiter es nach oben geht, desto weniger Frauen sind zu finden.“

Ein Beruf, der Spaß macht

Es gibt also noch ordentlich Nachholbedarf, bis ein wirklich ausgeglichener Arbeitsmarkt erreicht ist. Jana Knappitsch ist eine von vielen jungen Frauen, die mit EqualiZ ihren Traumjob gefunden haben. Ein Praktikum war der Schlüssel: „Ich habe in mehrere Berufe hineingeschnuppert, aber mich hat die Hörgeräteakustikerin am meisten interessiert“, erzählt die 16-Jährige. „Für mich war eigentlich immer klar, dass ich gerne eine Lehre machen möchte. Man lernt einfach Dinge, die man tagtäglich im Beruf anwenden kann. Und auch der Blick hinter die Kulissen war gleich beim Schnuppern sehr spannend“.

Mittlerweile hat Jana Knappitsch schon viel tiefere Einblicke in die Materie, sie besucht gerade die Fachberufsschule für Fotografie, Optik und Hörakustik in Hall in Tirol. „Es ist wirklich super hier“, schwärmt sie. „Wir lernen im Labor zum Beispiel wie man Abdrücke von Ohren macht oder wie man mit einer Fräse umgeht. Wir haben auch schon ein Hörgerät auseinander gebaut und uns die einzelnen Bestandteile genau angeschaut. Ich finde es faszinierend, was alles in so einem kleinen Gerät steckt.“

Elf Wochen verbringt die Kärntnerin aus Guttaring in der Berufsschule, bevor sie ihre Ausbildung im Lehrbetrieb Hörtechnik Passiel in Althofen fortsetzt. Darauf freut sich Jana Knappitsch schon: „Das Team ist super und unterstützt mich sehr. Besonders gefällt mir, dass jeder Tag anders ist, von Kunde zu Kunde sind die Aufgaben unterschiedlich. Der Beruf hat viele verschiedene Seiten: der technische Bereich, die anatomische Seite und auch das Zwischenmenschliche ist extrem wichtig.“

Berufsorientierung sollte früh anfangen – die Liebe zum Handwerk ist so mancher in die Wiege gelegt
Berufsorientierung sollte früh anfangen – die Liebe zum Handwerk ist so mancher in die Wiege gelegt © Adobe Stock/pikselstock

Früh übt sich

Eine Erfolgsgeschichte, von denen unser Arbeitsmarkt noch viele weitere vertragen könnte. Denn angesichts des Fachkräftemangels und der schwindenden Chancen im Einzelhandel ist es gerade jetzt wichtig, noch mehr Frauen von technischen Berufen zu begeistern.

Petra Feier: „Ganz wichtig ist es, früh anzusetzen. Wir besuchen schon mit Volksschülerinnen Unternehmen – vom großen Industriebetrieb bis hin zur kleinen Kfz-Werkstatt. Oft reicht es schon, die Abstraktion altersgerecht herunterzubrechen und den Kindern zu zeigen, wie der Berufsalltag ausschaut. Das Gute ist, dass die junge Generation da auch bereits viel offener und aufgeschlossener ist. Jungen Frauen kann ich nur raten, bei der Berufswahl Interesse zu zeigen, mutig zu sein und sich nicht einschränken zu lassen!“

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