Für die Wirtschaft ist die Digitalisierung eine Notwendigkeit, um in bestehenden Märkten zu reüssieren und wettbewerbsfähiger zu werden. Welche Rahmenbedingungen es aber dafür braucht, um diese Ziele zu erreichen, welche innovativen Lösungen notwendig sind und wie, nicht zuletzt, Künstliche Intelligenz sinnvoll und gewinnbringend eingesetzt werden kann.

Darüber diskutierten Claudia Mischensky, Vize-Generalsekretärin der Industriellenvereinigung & Geschäftsführerin der IV Kärnten, Marion Roseneder, Direktorin Casino Velden am Wörthersee, Rudolf Schrefl, CEO Drei Österreich und Martin Stromberger, Professor für Digital Business Management an der FH Kärnten.

Vom Standpunkt eines Weltkonzerns aus gesehen: Wie stehen wir in Sachen Digitalisierung in Österreich da?

Rudolf Schrefl: Wir sind in Österreich in vielen Bereichen sogar Trendsetter und haben unter anderem viel Know-how im Bereich 5G aufgebaut. Mit der frühen Implementierung des modernsten und fortschrittlichsten 5 G-Netzes innerhalb der Drei-Gruppe in Österreich waren wir tatsächlich Vorreiter.

Stehen die Wirtschafts-Unternehmen in Österreich dem Thema Digitalisierung aufgeschlossen gegenüber oder gibt man sich eher reserviert?

Schrefl: Es gibt viele Unternehmen, die große Fortschritte gemacht und mit uns spannende Projekte umgesetzt haben. Wir beginnen auch gerade Campus-Netze in Krankenhäusern zu installieren, um hier die Vorteile der neuesten Technologie im Medizinbereich lukrieren zu können. Und auch mit der Industrie gibt es gute Kooperationen.

Rudolf Schrefl, CEO Drei Österreich: „Vor allem kleinere Betriebe brauchen Unterstützung und Beratung, wenn es um Digitalisierung geht. Denn viele sind mit ihrem Kerngeschäft so ausgelastet, dass sie keine zusätz­lichen Kapazitäten haben.“
Rudolf Schrefl, CEO Drei Österreich: „Vor allem kleinere Betriebe brauchen Unterstützung und Beratung, wenn es um Digitalisierung geht. Denn viele sind mit ihrem Kerngeschäft so ausgelastet, dass sie keine zusätz­lichen Kapazitäten haben.“ © Dieter Kulmer

Die Industrie klagt oft über inadäquate Rahmenbedingungen und Überregulierungen. Wie sieht die Analyse aus, wenn es um Digitalisierung geht?

Claudia Mischensky: Wir klagen nicht, sondern stellen fest, dass die Rahmenbedingungen in Österreich verbessert werden müssen. Unsere Industrie ist international tätig und steht unter enormem Wettbewerbsdruck. Die Digitalisierung ist der wichtigste Schlüssel, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir brauchen aber nicht nur Projekte, die neue Märkte bringen, sondern auch – ganz wichtig – Mitarbeiter in den Unternehmen, die diese Dinge auch tatsächlich umsetzen können. Da müssen wir schneller ins Tun kommen.

Wie sieht es speziell in Kärnten aus?

Mischensky: Wir haben hier hervorragende Leitbetriebe, gute Ausbildungsstätten, führende Forschungseinrichtungen, eine starke Holzindustrie sowie einen großen Elektronik- und Maschinenbauschwerpunkt. Das sind Branchen, die in der Digitalisierung sehr weit voran sind und sie auch umsetzen.

Claudia Mischensky, Geschäftsführerin der IV Kärnten: „Es braucht in Österreich unbedingt Kompetenzzentren, wo unterschiedlichste Unternehmen sowie ­Bildungs- und  Forschungseinrichtungen andocken und das Thema Digitalisierung in die Breite bringen.“
Claudia Mischensky, Geschäftsführerin der IV Kärnten: „Es braucht in Österreich unbedingt Kompetenzzentren, wo unterschiedlichste Unternehmen sowie ­Bildungs- und Forschungseinrichtungen andocken und das Thema Digitalisierung in die Breite bringen.“ © Dieter Kulmer

Ist die Zielvorgabe im neuen Regierungsprogramm, Österreich langfristig als europäisches Zentrum für Innovation und Digitalisierung zu etablieren, nur ein Wunschdenken?

Martin Stromberger: Es ist mit Sicherheit sehr ambitioniert. Aber die Politik muss hier auch hoch greifen, weil die Vergangenheit gezeigt hat, dass wir in Europa hinterher hinken. Wir können in Österreich vielleicht nur einen kleinen Beitrag leisten, aber den sehr gut zu machen. In Kärnten haben wir an der FH derzeit an die hundert Studierende in diesem Jahrgang, die sich ausschließlich mit Digitalisierung beschäftigen. Was sehr vielen Unternehmen aber fehlt, ist eine digitale Strategie. Was auch damit zu tun hat, dass man von den vielen Möglichkeiten, die damit auf einen zukommen, überfordert ist.

Die Casinos Austria haben eine digitale Strategie. Können Sie kurz erklären, wie die aussieht und worum es da geht?

Marion Roseneder: Wir bewegen uns im Casino im so genannten „land based-Bereich“, das heißt, wir leben von einer echten, nicht digitalen Beziehung, zu unseren Kunden. Wir versuchen aber, die Prozesse, die im Hintergrund laufen, etwa die Regelungen, an die wir uns halten müssen, verstärkt zu digitalisieren. Ein großes Thema für uns ist auch der Spielerschutz. Wir hoffen, dass wir in Zukunft gewisse Schutzmaßnahmen durch die digitale Analyse der Spielerdaten schon vorab setzen können. Unsere Aufgabe ist es ja, sicherzustellen, dass ein Spieler sich nicht über seine persönlichen finanziellen Möglichkeiten hinaus schädigt oder ruiniert.

Marion Roseneder, Direktorin Casino Velden: „Mit einer Kombination aus digitaler Datenanalyse und der persönlichen Einschätzung durch ausgebildete Mitarbeiter wollen wir in Zukunft den Schutz der Spieler noch stärker in den Vordergrund rücken.“
Marion Roseneder, Direktorin Casino Velden: „Mit einer Kombination aus digitaler Datenanalyse und der persönlichen Einschätzung durch ausgebildete Mitarbeiter wollen wir in Zukunft den Schutz der Spieler noch stärker in den Vordergrund rücken.“ © Dieter Kulmer

Fühlt man sich manchmal als Unternehmen in Österreich überreguliert?

Stromberger: Wenn ich es rein aus der Perspektive der Digitalisierung betrachte, erkenne ich keine Behinderung. Abgesehen davon kommen die meisten Richtlinien, die wir umsetzen müssen, aus der EU. Etwa der KI-Act, der Regelungen für den Einsatz von künstlicher Intelligenz in Unternehmen enthält.

Mischensky: In der Industrie fühlen wir uns absolut überreguliert. Es muss eine Balance zwischen Regelwerk und dem Schaffen von Innovationsfreiräumen gelingen. Sonst schränken wir unsere Wettbewerbsfähigkeit ein und werden auf den internationalen Märkten nicht mehr erfolgreich sein können.

Schrefl: Wir beschäftigen eine komplette Abteilung, die sich nur damit auseinandersetzt. Wir müssen etwa jeden Tarif, den wir auf den Markt bringen, einige Wochen zuvor bei der Regulierungsbehörde einreichen. Was in Österreich fehlt, ist der Zugang, Dinge zuerst einmal auszuprobieren. So haben wir uns gerühmt, als erstes Land in Europa, eine KI-Regulierung eingeführt zu haben, ohne überhaupt zu wissen, was diese Technologie an Wertschöpfung generieren kann. Das ist ein falscher kultureller Zugang und birgt das Risiko, dass sich kleinere Unternehmen erst gar nicht damit beschäftigen wollen.

Roseneder: In Österreich geht jede Regelung auch gleich einher mit der Androhung drakonischer Strafen. Das stellt viele Unternehmen vor die Situation, sofort Konkurs anmelden zu müssen, falls etwas passiert. Das erzeugt nicht nur eine Angstkultur, sondern ist auch ein wahnsinniger Innovationsbremser.

Martin Stromberger, Digital Business Management FH Kärnten: „Wichtig wäre es, ein entsprechendes Mindset, sowohl bei der Unternehmensführung als auch bei den Mitarbeitern für die Digitalisierung zu schaffen. Das wäre ein guter Anfang, aber da hapert es bei uns noch.“
Martin Stromberger, Digital Business Management FH Kärnten: „Wichtig wäre es, ein entsprechendes Mindset, sowohl bei der Unternehmensführung als auch bei den Mitarbeitern für die Digitalisierung zu schaffen. Das wäre ein guter Anfang, aber da hapert es bei uns noch.“ © Dieter Kulmer

Welche Schritte wären für die Zukunft notwendig?

Mischensky: Die Digitalisierung geht uns alle an und muss in jedem Bereich, egal ob Forschung, Wissenschaft, Bildung oder Infrastruktur eine Selbstverständlichkeit werden. Ohne dem wird es nicht gehen.

Stromberger: Wir arbeiten mit vielen kleinen Unternehmen in Kärnten zusammen und stellen fest, dass die organisatorische Verankerung der Digitalisierung oft fehlt. Das Thema wird zwischen den einzelnen Abteilungen hin und her geschoben. Das zu ändern, wäre ein erster Schritt.