Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bleibt eine der großen Herausforderungen - gerade in der Steiermark, wo man in Sachen Betreuungsangebot für Kinder gegenüber anderen Bundesländern enormen Aufholbedarf hat. „Gemessen an der Zahl der Betreuungsplätze bei Klein- und Kindergartenkindern ist die Steiermark gleich doppeltes Schlusslicht im Österreichvergleich“, rechnet Gabi Lechner, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Steiermark und Landesvorsitzende Frau in der Wirtschaft (FiW), vor: Bei Kindern bis zwei Jahren fehlen beim Versorgungsgrad mit 19,9 % zehn Prozentpunkte auf den Österreich-Schnitt von 29,9 %. An der Spitze liegen in dieser Kategorie Wien (42 %) vor dem Burgenland (38,9 %) und Vorarlberg (34,7 %). Auch bei den 3- bis 5-Jährigen hat die Steiermark den Anschluss verloren. Mit 89,9 % Versorgungsquote verpasst man den Österreich-Durchschnitt von 94,4 % und rangiert deutlich hinter den am besten ausgestatteten Bundesländern Niederösterreich (98,5 %), Burgenland (96,6 %) und Tirol (96,2 %).
Angesichts dieses Rückstands fordert die Unternehmervertretung daher eine Verdichtung des steirischen Versorgungsangebots - auch in der Nachmittagsbetreuung und einem flächendeckenden Sommerschulangebot. „Es braucht eine echte Wahlfreiheit jederzeit arbeiten gehen zu können. Zum einen, weil wir Frauen in Zeiten des demografischen Wandels dringend verstärkt am Arbeitsmarkt brauchen. Zum anderen, weil Altersarmut so effektiv verhindert werden kann. Eine Herdprämie, wie sie jüngst kolportiert wurde, wäre ein Schritt in die komplett falsche Richtung“, ist Lechner überzeugt.
Maßnahmenbündel
Doch nicht nur in der Elementarbildung hakt es. Auch in Sachen Digitalisierung, der Förderungen der Grundkompetenzen, bei Elementarbildung, Kinderbetreuung und der Integration von Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache sowie bei der Zahl der Lehrpersonen sieht Lechner Verbesserungsbedarf. „Sofern wir die wirtschaftliche Basis für unseren Wohlstand erhalten möchten und die Steiermark als Wirtschafts- und Lebensstandort wettbewerbsfähig bleiben will, muss Bildung neu gedacht werden“, sagt Lechner. Um junge Talente zu entdecken, zu fördern und zu begleiten, brauche es daher dringend ein zielgerichtetes Maßnahmenbündel und vor allem Mut zur Veränderung und Internationalisierung. So braucht es - um die Attraktivität des Standorts für ausländische Spitzenkräfte zu verbessern – eine Erleichterung des Familiennachzugs und ein internationales Bildungsangebot. Der auf Landesebene begonnene Strategieprozess muss daher in der neuen Legislaturperiode fortgesetzt werden und die dafür notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden. „Kinder und Jugendliche verdienen besondere Aufmerksamkeit, denn sie sind die Leistungs- und Entscheidungsträger von morgen“, betont Lechner.