Die Landesregierung ist neu, die Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Steiermark sind dieselben geblieben. So braucht es, um im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig bleiben zu können, Investitionen in die Infrastruktur. „Mit der Koralmbahn allein, die in einem Jahr ihren Betrieb aufnimmt, ist es noch nicht getan – da muss die Steiermark noch nachlegen“, mahnt Josef Herk, Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark. Zum einen, weil die großen internationalen Infrastrukturkorridore, wie die Baltisch-Adriatische Achse oder der Alpen-Westbalkan-Korridor erst durch weitere Baumaßnahmen ihr wirtschaftliches Potenzial entfalten können und die Steiermark nicht nur auf der Landkarte durchqueren. Zum anderen aber auch, weil die Steiermark nach wie vor durch einen ausgeprägten Zentrum-Peripherie-Gegensatz geprägt ist.

„Gerade der ländliche Raum wird als Lebens- und Arbeitsstandort aber nur dann attraktiv bleiben, wenn es gelingt, die Lebensqualität hochzuhalten und in puncto Daseinsvorsorge, Arbeitsmarkt und Erreichbarkeit ein dem städtischen Raum ebenbürtiges Angebot sicherzustellen“ ist Herk überzeugt. Es gehe daher darum, alle Regionen gleichermaßen aufzuwerten. Entsprechende Ansätze finden sich zwar im Arbeitsprogramm der neuen Landesregierung. Wirtschaftsvertretern fehlt aber die Abstimmung des Ausbaus über die Landesgrenzen hinweg, wie sie in einem Übereinkommen der Länder Steiermark und Kärnten im September als Stärkung des neuen Wirtschaftsraums AREA Süd akkordiert wurde. Konkret vorgeschlagen wird etwa die Wiederbelebung der Lavanttalbahn von Zeltweg bis Wolfsberg, damit ein direkter Zubringer zur Koralmbahnhof St. Paul im Lavanttal über das Murtal möglich wird.

Dass die neue Landesregierung Abstand von einer flächendeckenden Lkw-Maut und der Beschränkung durch den sogenannten „Luft 100er“ auf Teilstrecken der A2 und A9 nimmt, stößt in der Unternehmerschaft auf Zustimmung. Auch wird begrüßt, dass an geplanten Straßengroßprojekten wie dem Ausbau der B70 und B68 festgehalten wird und man sich zum dreispurigen Ausbau der A9 südlich von Graz bekennt.

Parallel drängt man seitens der Wirtschaft aber Richtung Bund, Eisenbahnprojekte wie den Neubau des Bosrucktunnels samt einer leistungsfähigeren Trassierung und den viergleisigen Ausbau der Strecke Graz-Bruck in den Rahmenplan aufzunehmen und Mittel für die Attraktivierung der Regionalbahnen zu Verfügung zu stellen. Bei sämtlichen Mobilitätsplänen, Verkehrsmaßnahmen und Strategien gehe es auch darum, eine Einbindung der regionalen Wirtschaft sicherzustellen, so Herk.