Die Wahl ist geschlagen, die Problemfelder sind geblieben: Wirtschaftlich weht Österreich in der eingetrübten Konjunkturlage ein rauer Wind entgegen. Zwar hat der Standort in den vergangenen Jahren mehrfach seine Krisenfestigkeit unter Beweis gestellt. „Dennoch verlieren wir sukzessive an Wettbewerbsfähigkeit“, warnt der steirische Wirtschaftskammer-Präsident Josef Herk: Während andere Länder ihre standortpolitischen Hausaufgaben machen, stecke man hierzulande zunehmend in unternehmensfeindlichen Rahmenbedingungen fest und rutsche in einschlägigen Rankings – siehe Artikel rechts – nach unten. Entspannung ist zumindest in Bezug auf die konjunkturelle Großwetterlage keine in Sicht. Die Wirtschaftsforscher schrauben dieser Tage ihre Prognosewerte für das vierte Quartal weiter nach unten.

Im „World Competitiveness Ranking“, einem Standortcheck unter 67 Staaten der industrialisierten Welt, liegt Österreich nur noch auf Rang 26. Auch im EU-Vergleich sackte man ab. Zwar verbesserten wir uns im Vergleich zu 2023 relativ bei zwei Drittel der gemessenen Indikatoren, können aber großteils nicht an die Durchschnittswerte der Periode von 2018 bis 2022 anschließen. Zudem geriet man im Vergleich zu den anderen EU-Staaten ins Hintertreffen: Lag man 2023 noch bei der Hälfte der makroökonomischen Indikatoren über dem EU-Schnitt, ist es jetzt nur noch bei einem Drittel. So gab es zwar Verbesserungen beim Erwerbswachstum, der Zinslast und dem strukturellen Defizit, am Ende bleiben in der Gegenüberstellung aber insgesamt nur drei Top 10-Plätze (BIP/Kopf, F&E-Quote, Arbeitslosenrate). Am dramatischsten fielen die Verschlechterungen bei den Lohnstückkosten und Investitionen sowie bei Exportwachstum und Inflationsrate aus. „Wir brauchen von der neuen Regierung daher dringend unternehmerfreundliche Maßnahmen“, drängt Herk und unterstreicht langjährige Forderungen wie eine Senkung der Lohnnebenkosten und ein Ende der steuerlichen Begünstigung von Teilzeit gegenüber Vollzeit.

Josef Herk, Wirtschaftskammer-Präsident Steiermark
Josef Herk, Wirtschaftskammer-Präsident Steiermark © Foto Fischer

Nur noch Mittelmaß

Österreich belegt im aktuellen Wettbewerbsranking der Schweizer Business School IMD nur mehr Rang 26 von 67 bewerteten Ländern. Das ist eine Verschlechterung um zwei Plätze gegenüber 2023. Im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 fällt Österreich sogar sieben Plätze zurück:

  • Effizienz der Regierung: Österreich sackte von Platz 28 (2019) auf Platz 40 ab. Die neue Regierung steht damit vor immensen Hausaufgaben.
  • Wirtschaftsleistung: In dieser Bewertungskategorie rutschte Österreich vom 20. auf den 33. Platz.
  • Konjunktur: Österreich rangiert mit Platz 36 auch hier im Mittelfeld. Die internationale Flaute trifft vor allem die heimische Industrie, was die Investitionstätigkeit lähmt (Platz 37).
  • Preissituation: Die über lange Zeit hohe und noch immer im europäischen Spitzenfeld liegende Inflationsrate hat der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Österreichs massiv geschadet – Platz 37.
  • Infrastruktur: Hier liegt Österreich mit Rang 14 gerade noch unter den Top-15; Wermutstropfen ist hier allerdings der 28. Platz in Bezug auf die technologische Infrastruktur.
  • Arbeitsethik: Mit Rang 54 liegt Österreich im Schlussdrittel der verglichenen Länder.
  • Lohnstückkosten: Hier liegt Österreich rund neun Prozentpunkte über dem Schnitt der EU-27. Die Europäische Kommission prognostiziert eine weitere Verschlechterung bis 2025.