Aus zwei mach eins. Zumindest auf ökonomischer Ebene werden die beiden Wirtschaftsräume Steiermark und Kärnten in den nächsten Jahren näher aneinanderrücken. Durch den Ausbau der Koralmbahnstrecke, die ab Dezember 2025 die Fahrzeit zwischen den urbanen Ballungsräumen Graz und Klagenfurt auf 45 Minuten verkürzt, wächst die gesamte Region zur „AREA Süd“ zusammen. Mit 1,8 Millionen Einwohnern, mehr als 50.000 Arbeitgeberbetrieben mit 730.000 Beschäftigten und einer Wirtschaftsleistung von rund 70 Milliarden Euro entsteht eine „regionale Supermacht“ mit großem Wachstumspotenzial, wie Unternehmensvertreter in beiden Bundesländern betonen. So spricht WKO Steiermark-Präsident Josef Herk von einem „Jahrhundertprojekt“. Durch den Lückenschluss rückt die Peripherie ins Zentrum, das Gefälle zwischen Stadt und Land wird eingeebnet. „Das bedeutet ein Plus an wirtschaftlicher Dynamik, Attraktivität und Lebensqualität“, streicht Herk das Potenzial heraus. So ergibt sich gerade für industriell-gewerblich geprägte Gemeinden abseits der Landeshauptstädte durch die Bahnanbindung die Chance, für Einpendler attraktiver zu werden und die Abwanderungstendenzen aus den ländlichen Regionen zu bremsen. In einer Studie von Joanneum Research, der Universität Graz und des Instituts für Wirtschafts- und Standortentwicklung (IWS) wird diesbezüglich jedenfalls ein mittlerer Anstieg der Pendelverflechtungen von knapp 35 Prozent prognostiziert. Aber die Koralmbahn hat neben ihrer nationalen auch internationale Bedeutung. Sie ist zusammen mit dem Semmering-Basistunnel, der 2030 in Betrieb gehen wird, Herzstück der Baltisch-Adriatischen Achse, die fast 50 Millionen Menschen in mehreren EU-Mitgliedstaaten verbindet. Durch diese Verkehrsadern rücken auch die Häfen an der oberen Adria näher an die „AREA Süd“. Das Potenzial wird schon jetzt sichtbar. Allein seit 2015 ist die Zahl der abgewickelten Zugladungen im Hafen Triest um 56 Prozent gestiegen. Jedes Jahr sind durch die Verlagerung von der Straße auf die Schiene 350.000 Lkw weniger unterwegs. Der Güterverkehr rollt damit auch in der „AREA Süd“ schneller und umweltfreundlicher ans Ziel als bisher.
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Neue Wirtschaftsregion im Herzen Europas
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