Auf einem Holzdeck im Garten lässt Bernhard Haanl sich nieder. „Ich habe ein paar verrückte Sammelleidenschaften“, verrät er und deutet hinter sich. Ein schmucker historischer Zirkuswagen gehört dazu. Außerdem sammelt er Steine - in allen Größen und Formen sind sie auf seinem Grundstück zu entdecken. Vielleicht erst auf den zweiten Blick - und das macht es so spannend. Denn der ganze Garten umfasst rund zehn Hektar. Und wenn man ihn nicht selbst angelegt hat wie Bernhard Haanl, wird man ihm wohl nie alle Geheimnisse entlocken.

Garten der Seele

Vor mehr als zehn Jahren zogen Doris Gusel und Bernhard Haanl von Weiz ins Burgenland, um ein altes Bauernhaus zu sanieren. Wo früher der Schweinestall war, ist heute ein Meditationsraum untergebracht, wo der Traktor stand, wird jetzt gefrühstückt. Das alte Heulager wurde zur Gartenbibliothek. Mit der Zeit schufen der Landschaftsgärtner und die Psychologin aus den vielen Ackerflächen und dem brachliegenden Land einen einzigartigen Lebensraum und nannten ihn „Garten der Seele“. Warum er so groß sein muss? „Weil meine Frau gesagt hat, kleiner geht es nicht, sonst müssen wir gleich wieder umziehen.“

Mischung aus Design und Wildnis

So machen sich Besucher also auf den Weg - viele auf der Suche nach Ruhe und Verlangsamung. Beginnend beim mediterranen Kiesgarten, vorbei an einem Teich mit Seerosen, einer Feuerstelle und Natursteinmauern zum Verweilen. Bienen summen, Vögel zwitschern und schon jetzt beginnt man, diese kleine Auszeit vom Alltag als Geschenk zu begreifen. Im Landschaftsgarten finden sich drei „Frames“, kleine Ruhezonen, begehbare Kunstwerke benannt nach den Sternzeichen, Löwe, Skorpion und Fisch.

Allein der „Fisch-Frame“, ein verspiegelter Holz-Kubus, ist eine Klasse für sich. Er fängt die umliegende Landschaft ein, sodass er von manchen Seiten kaum zu sehen ist. Ähnlich wie bei Fischen im Wasser bemerkt man nur hin und wieder einen Lichtreflex, bevor man schließlich davorsteht. Ein zauberhaft angelegter Garten folgt dem nächsten - etwa der Japan- oder der Waldgarten -, es ist eine fein ausbalancierte Mischung aus Design und Wildnis.

Nächstes Projekt im Herbst

Auf verschlungenen Wegen aus Sandstein geht es vorbei an kugelig „wachsenden“ Steinen aus Rumänien. Ein Badehaus an einem Teich taucht auf, dann zeigt sich ein Tipi unter Bäumen, eine Feuerstelle. Man passiert eine Wildblumenwiese, malerisch eingesäumt von Wildstrauchhecken - Hartriegel, Schneeball, Sanddorn, Eibe, Schlehdorn, Wacholder und Flieder drücken sich hier aneinander.

Eine fünf Meter hohe Welle aus Eisen schwingt mit dem Wind. Immer wieder sind Werke von Künstlern mit der Landschaft verwoben. Im Herbst soll das nächste Gartenprojekt fertig sein - ein Erlenwald, der zum Meditieren lädt. So viel Gartenlandschaft will erhalten werden. Das fällt aber weniger zeitaufwendig aus als gedacht. „Wir kommen zu zweit mit etwa zwei Tagen pro Woche aus“, sagt Bernhard Haanl. „Ich habe den Garten relativ pflegeleicht geplant.“ Drei Mähroboter helfen mit, die Wege frei zu halten. Doch selbst sie stören die himmlische Ruhe nicht und ziehen lautlos ihre Bahnen.