1974, vor 48 Jahren, wurde in St. Veit an der Glan der Grundstein für eine unternehmerische Erfolgsgeschichte gelegt, die in Österreich Seltenheitswert hat. Ein junger Uhrenverkäufer mit dem Namen Alfred Riedl machte sich als Uhrenfabrikant selbstständig. Der Anfang war holprig, sein Weg konsequent. Weil der französische Teil der Schweiz die nobelsten Uhrenmarken beheimatet, wählte der Kärntner den Kunstnamen Jacques Lemans als Marke.

Produziert werden seine Uhren seither im chinesischen Shenzhen, das Uhrwerk stammt aus Japan. In St. Veit entstehen Design und Prototypen, erfolgen Einkauf, Verkauf und Marketing. "Alles, bis auf die Montage." In der Region hat sich Riedl als Sponsor und Mäzen einen Namen gemacht, insbesondere durch eine weitreichende Entscheidung, die er vor elf Jahren getroffen hat: Riedl erwarb die Burgruine Taggenbrunn, damals "eine Mülldeponie".

Daraus entstand im Laufe der Jahre ein weithin sichtbares Schmuckstück mit Weingut, Hotel und Konzertsaal in der edel revitalisierten Ruine, umrahmt von 42 Hektar Weingärten. 106 Millionen Euro investierte Riedl bisher in dieses "Kärntner Jahrhundertprojekt". Ob das Geld auf der Bank liege oder in Taggenbrunn stecke, sei "egal", meint er lächelnd. Alle Aktivitäten rechneten sich, sagt Riedl, es dauere nur etwas länger.

"Eine Fehleinschätzung"

Vollendet ist Taggenbrunn noch nicht, zusätzlich zum bestehenden Hotel soll ein weiteres Hotelgebäude mit 30 Zimmern entstehen. Weil sich Riedl auf Taggenbrunn konzentriert, verkauft er das 2017 erworbene Hotel Die Zeit. Der Schätzwert liegt bei 7,8 Millionen Euro. "Zwei Hotels und deren Personal zu führen, ist schwierig", sagt Riedl. "Das war eine Fehleinschätzung von mir."

Jacques Lemans Riedl St. Veit Andreas Riedl
Andreas Riedl: "Ich habe viel Verantwortung mit 22, das passt mir so"
© Kleine Zeitung / Weichselbraun

Bewährt hat sich hingegen eine Entscheidung, die für die Zukunft von Jacques Lemans deutlich weitreichender ist. Seit dreieinhalb Jahren ist Sohn Andreas, Absolvent des internationalen Zweigs der HLW St. Veit, im Unternehmen tätig. Schon als Kind war er oft und gerne in der Firma, "meine Liebe zu den Uhren war schon immer da."

"Beschreiten komplett neue Wege"

Der heute 22-Jährige lernte das Geschäft von der Pike auf. "Ich bin durch alle Bereiche gegangen", sagt Andreas Riedl. Er bereiste beruflich 15 Länder ("eine Rieseninspiration") und stellte die Vertriebskanäle für Jacques-Lemans-Uhren in Italien, Schweden, Serbien und den USA auf neue Beine. "Die Modellpolitik verantwortet Andreas heute zu 70, 80 Prozent alleine", meint Vater Alfred Riedl stolz. Gemeinsam setze man Maßstäbe: In den letzten zwei Jahren kamen jeweils rund 200 neue Modelle auf den Markt, ganze Kollektionen wurden aufgewertet. "Wir beschreiten komplett neue Wege."

Dem wachsenden Markt mit Funktionsuhren tritt man entschlossener entgegen, etwa mit speziellen Automatikuhren, Keramikuhren und Öko-Uhren. Die Zeitmesser wurden höherwertiger – und höherpreisiger: Das Preissegment verschob sich von rund 300 auf 400 bis 800 Euro. In 100 Ländern der Welt werden Jacques-Lemans-Uhren heute verkauft. Neu ist auch das feinere Schmucksortiment mit Edelsteinen. "Als zweites Standbein, wenn es mit den Uhren schwieriger wird", sagt Alfred Riedl.

"Mir fehlt heute der Elan"

Neben Vertrieb und Modellpolitik schupft Andreas Riedl mit seinem Vater das Tagesgeschäft. "Ich kann mir keine besseren dreieinhalb Jahre vorstellen als die hier im Unternehmen", meint Andreas. Hier konnte er sich persönlich weiterentwickeln. Sein Vater habe ihm nie gesagt, wie er seine Arbeit zu verrichten habe. Alfred Riedl ist die Zufriedenheit über seine geglückte Nachfolge anzusehen: "Jeder Tag, an dem ich früher loslassen kann, ist ein schöner Tag." Das Arbeiten mit seinem Sohn bereite ihm mehr Freude als in den Jahren zuvor. "Und meistens gebe ich nach", schmunzelt der 73-Jährige. "Mir fehlt heute der Elan, neue Länder dazuzugewinnen."

Andreas klingt da anders: "So vielfältig wie unsere Modelle sind, so hungrig sind wir im Vertrieb beim Erschließen neuer Märkte." Andreas Riedl ("Ich habe viel Verantwortung mit 22, das passt mir so") soll bald Unterstützung erfahren: Schwester Michaela und Bruder Christian wollen ebenfalls bei Jacques Lemans einsteigen. Das seit 32 Jahren komplett schuldenfreie Unternehmen hat Alfred Riedl – noch – nicht übergeben, aber das sei bloß eine Frage der Zeit.