Sacher-Chef WinklerHotellerie: "Pandemie wird uns auch 2022 nicht loslassen"

Die Pandemie wird uns auch 2022 nicht loslassen, meint der Chef des legendären Wiener Hotel Sacher, Matthias Winkler. Er geht davon aus "frühestens 2024" wieder Gewinne zu schreiben. Stornieren kann man im Sacher derzeit bis sechs Stunden vor der Anreise.

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Hotelier Matthias Winkler: "Fehlbetrag zwischen acht und neun Millionen Euro" © AFP
 

Sacher-Chef Matthias Winkler geht davon aus, dass "die Pandemie uns auch im kommenden Jahr nicht loslassen wird". Gewinne seien "frühestens 2024" wieder zu erzielen. Das legendäre Hotel Sacher in Wien war durch Corona bisher insgesamt neun Monate lang behördlich geschlossen. Während dessen durften im Sacher mit seinen 152 Zimmern nur Geschäftsreisende einquartiert werden. "Pro Tag hatten wir drei bis sieben Personen auf der Anreiseliste." Das Sacher in Salzburg hatte während des jüngsten Lockdowns komplett zu, ebenso die beiden Sacher-Cafés in Innsbruck und in Graz. Lediglich die Tortenmanufaktur in Wien-Simmering sei "normal durchgelaufen". Zur Sacher Group, die den Familien Gürtler und Winkler gehört, zählt auch das Hotel Bristol in Wien.

Madame Butterfly Suite im Hotel Sacher, Wien Foto © AFP

Durch den jüngsten Lockdown "sind auf einem Viertel bis einem Drittel des üblichen Weihnachtsgeschäfts". Seit dem Lockdown-Ende in Wien vor einer Woche "gab es neue Buchungen, aber auch Stornierungen - es hielt sich die Waage". Vor allem Touristen aus Übersee bleiben aus. Da helfen selbst großzügigste Stornomöglichkeiten kaum. Im Sacher kann man bis sechs Stunden vor der Anreise stornieren. "Die Stornobedingungen sind in Wahrheit nur noch kosmetisch", so Winkler. An der Preisschraube will er aber auf keinen Fall drehen. Die Zimmer billiger anzubieten sei "ein Schritt in die falsche Richtung".

Ein Fünftel aller Wiener Hotels hat durch die Pandemie für immer geschlossen. Niemand in der Luxusstadthotellerie macht derzeit laut Winkler Gewinne. Das Sacher hat das erste Coronajahr 2020 mit einem operativen Verlust abgeschlossen, sodass nach Abzug der Abschreibungen ein Fehlbetrag zwischen acht und neun Millionen Euro übriggeblieben sei - trotz Förderungen und  Sparmaßnahmen. "Für heuer prognostizieren wir etwas Ähnliches - wir waren viereinhalb Monate ohne Umsatz", verdeutlicht Winkler.

"Brauchen mindestens 45 Prozent Belegung"

Auch die Monate ohne Lockdown waren mangels internationaler Touristen "wirtschaftlich schwer getroffen". Zur größten Gästegruppe mit nicht-österreichischem Pass zählen im Sacher normalerweise US-Amerikaner und Deutsche. Ein Fünf-Sterne-Hotel brauche mindestens 45 Prozent Belegung, um profitabel wirtschaften zu können. Winkler hofft, 2023 die Abschreibungen wieder verdienen und 2024 wieder Gewinne schreiben zu können. 2019, vor der Coronakrise, erzielte die Sacher-Gruppe einen Umsatz von rund 90 Millionen Euro.

Die Lobby im Sacher, das durch Corona bisher insgesamt neun Monate behördlich geschlossen war Foto © AFP

"Vom Hotel als Arbeitsplatz wegorientiert"

Vor der Pandemie beschäftigte das Unternehmen auch noch rund 800 Mitarbeiter, im Tiefststand während der Krise waren es nur noch 400. Derzeit werden wieder Mitarbeiter aufgenommen. Angestrebt wird eine Personalstärke von 550 Beschäftigten. Die Suche sei aber "schwierig, weil die Branche unter der Unsicherheit leidet und sich viele Menschen von der Hotellerie und Gastronomie wegorientiert haben". Sie sind in andere Berufe abgewandert. Das Vertrauen in den Tourismus als Arbeitgeber muss erst wieder aufgebaut werden.

Winkler wünscht sich "investitionsfreundlichere Rahmenbedingungen", die - etwa, was die steuerlichen Abschreibungszeiten betrifft - näher an der wirtschaftlichen Realität sind. "Wir haben einen Spa zweimal umgebaut, bevor wir ihn einmal abgeschrieben haben - nicht weil er veraltet war, sondern weil sich die Wünsche der Gäste geändert haben", erklärt der Hotelchef. Und: "Jetzt wäre alles klug, was in Richtung Investitionsanreiz, in Richtung Nachhaltigkeit geht. Die Zukunft werden wir nur bewältigen, wenn wir auch Corona als Teil dieser Zukunft akzeptieren."

Kommentare (13)
OE39
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Ganz einfach

Wenn sich jetzt ( soeben in einem anderen Online-Format)Promiwirte und Cafetiers beschweren ob der realitätsfremden Verordnungen und ungerechten Behandlung. Lokalverbot auf Lebenszeit für all jene, die die Verordnungen so gemacht haben. Aber das traut sich dann auch wieder keiner. Da ist man doch zu sehr mediengeil, dass der Herr Minister/die Frau Ministerin und der Herr Sektionschef bei uns aus und ein gehen.... Sollen, die ruhig auch mal spüren, was es heißt, ausgesperrt zu sein.

VH7F
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Was ist eigentlich mit der Köstinger? Seit Wochen Funkstille in der Hochsaison.

Ist die noch Tourismusministerin?

lombok
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Noch schlimmer geht's den Reisebüros,

da die Pandemie ein weltweites Thema ist.

plolin
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Das ist relativ.

Ich habe dieses Jahr meine Urlaube problemlos machen können. Natürlich geimpft und teilweise mit Einschränkungen. Aber ich lasse mich ( so gut es geht ) nicht zu Hause einsperren!

Patriot
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Mit den CoronaÜBERförderungen aus unserem Steuertopf

werden sie sehr gut über die Runden kommen!

lombok
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Hört sich ja fast so an,

als würden es sich die Hoteliers so aussuchen. Schäbiger Kommentar!

user10335
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Interview vor wenigen Tagen mit einem Hotelier in einem Schigebiet:

"Es sind nur noch knapp über 40% unserer Betten gebucht, wir schließen daher unser Hotel." Na klar, wenn man ohne einen Finger zu rühren bis zu 80% vom Staat ersetzt bekommt!

wischi_waschi
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lombok

Bin selber vom Hotelgewerbe , aber was Herr Winkler so von sich gibt, tut mir leider aber der spricht sicher nicht für die kleinen" Gastgewerbler"
Herr Winkler hat sicher alles bekommen was Ihn zusteht.
Er präsentiert das System ÖVP; daher hat PATRIOT leider recht.

SOEDING1956
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"Pandemie wird uns auch 2022 nicht loslassen"

hat der Mann das Jahr 2021 verschlafen da er erst jetzt drauf kommt das wir Corona etwas länger haben werden

checker43
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Wo

lesen Sie heraus, dass er erst jetzt draufgekommen wäre, dass die Pandemie auch 2022 noch präsent sein wird?

oetti68
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Jööö

Sie werden nicht verhungern wie zigtausende Gewerbetreibende in Österreich.
Ganz schlechter Journalismus immer nur die oberen zu interviewen.
Pfui schämen Sie sich

Kleine Zeitung
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Artikel

Sehr geehrte*r Jööö,
wir möchten mit diesem Artikel nicht dafür sorgen, dass sich irgendjemand schlecht fühlt. Zudem wissen wir natürlich, dass es nicht für alle Betriebe gleich aussieht und dass kleinere Betriebe es schwerer haben. Es tut uns sehr leid, wenn dieser Artikel bei Ihnen einen falschen Eindruck vermittelt hat.
Freundliche Grüße aus der Redaktion

oetti68
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Ja

Danke für Ihr Feedback.
Aber als einer der fast alles verloren hat in der Pandemie fühle ich mich super wenn Sie die reichen und schönen dieses Landes zum Interview bitten als das Sie mal an die Front gehen und dort die Leute befragen.
Ihnen auch ein erfolgreiches 2022