Fortbestand offenWie geht's weiter? Hersteller von "echter Salzburger Mozartkugel" pleite

Süßwarenhersteller Salzburg Schokolade erlitt "erhebliche Verluste" durch Corona-Krise. Unternehmen fertigt u. a. für den US-Konzern Mondelez Mirabell-Mozartkugeln. Fortbestand offen.

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© (c) APA (GEORG HOCHMUTH)
 

Am Landesgericht Salzburg ist am Dienstag das Konkursverfahren über den Süßwarenhersteller Salzburg Schokolade mit Sitz in Grödig (Flachgau) eröffnet worden. Laut KSV1870 sind rund 140 Dienstnehmer und 614 Gläubiger betroffen. Die Ursachen für die Großinsolvenz liegen laut Unternehmen im Wegfall eines Großauftrags im Jahr 2016 und in einem signifikanten Umsatzrückgang ab 2020 durch die Coronakrise. Unklar ist, ob das Unternehmen fortgeführt werden kann.

Wie der KSV1870 berichtete, dürften die Passiva nach ersten Informationen 27,29 Millionen Euro (Liquidationswert) betragen, auf der Aktiva-Seite würden 23,35 Millionen Euro stehen. Die vorgelegte Fortbestandsprognose ergebe ein vorerst negatives Ergebnis. Die Sanierbarkeit des Unternehmens werde noch gesondert zu prüfen sein. Nicht betroffen vom Konkurs ist ein Tochter-Werk in Tschechien, das sich auf die Verpackung von Süßwaren und Lebensmitteln spezialisiert hat.

Zahlreiche Gründe für den Niedergang

Obwohl man in den vergangenen Jahren Gewinne erzielen habe können, sei das Unternehmen ab 2020 schwer von der Corona-Pandemie getroffen worden, schrieb Geschäftsführer Christian Schügerl am Montag in einem der APA vorliegenden E-Mail an Mitarbeiter und Geschäftspartner. Aufgrund des massiven Rückgangs von Touristen, Veranstaltungen und Anlässen wie Geburtstags- und Hochzeitsfeiern sei die Nachfrage nach den Süßwaren von Salzburg Schokolade gesunken - was zu einem signifikanten Umsatzrückgang geführt habe. Zudem seien Süßwarenfachgeschäfte in Wien und Salzburg wegen fehlender Touristen teilweise wochenlang geschlossen gewesen.

Welche Mozartkugel war die erste?

Die Mozartkugel ist heute vermutlich fast so bekannt wie der berühmte Salzburger Komponist. Was weniger bekannt ist: Um den Begriff der "Mozartkugel" tobte jahrelang ein historischer und juristischer Streit.

Heute ist dieser großteils geklärt. Unter dem Namen "Original Salzburger Mozartkugel" darf nur die Salzburger Konditorei Fürst ihre Produkte verkaufen. Diese verkaufte die erste Pistazien-Marzipan-Praline im Jahr 1890, damals noch als "Mozart-Bonbon" und wird heute vom Ur-Ur-Enkel des Gründers geleitet.  

Den Namen "Mozartkugel" verwendete indes  vermutlich erstmals die, ebenfalls in Salzburg ansässige, Konditorei Schatz, die um das Jahr 1900 mit dem Verkauf begann. 

"Salzburgs beste Mozartkugel" will übrigens das Café Habakuk verkaufen. Auch dort wird nach eigenem Rezept handgefertigt.

Die meisten anderen Mozartkugeln werden industriell hergestellt und daher in deutlich größerer Stückzahl verkauft.

Den Umsatzrückgang aus dem Vorjahr habe man im neuen Geschäftsjahr nur teilweise kompensieren können. Trotz neuer Kunden im Exportgeschäft und der staatlichen Corona-Hilfen werde man wie im Vorjahr heuer erneut einen erheblichen Verlust einfahren. "Der aktuelle Lockdown und erhebliche Kostensteigerungen bei Rohstoffen, Energie, Löhnen, Logistikkosten und Verpackungsmaterialien waren weitere Gründe", so Schügerl weiter.

Den Mitarbeitern können die Novemberlöhne und -Gehälter und das Weihnachtsgeld nicht überwiesen werden. Das Unternehmen verwies auf den Insolvenzentgeltfonds, der die Zahlungen sichere, und riet den Beschäftigten, die Arbeiterkammer (AK) zu kontaktieren. Der Salzburger AK-Präsident Peter Eder sagte den betroffenen Mitarbeitern am Montagabend im APA-Gespräch Unterstützung zu. "Wir wollen alles in die Wege leiten, damit sich die Menschen zumindest über Weihnachten finanziell keine Sorgen machen müssen."

"Werden nächste Schritte evaluieren"

Offen blieb am Dienstag, was das Insolvenz-Verfahren für die Produktion der Mirabell-Mozartkugeln bedeutet. Dabei geht es um die Frage, ob und wie lange die Kugeln noch in Grödig produziert werden können und wie ein Ausfall der Fertigung vom US-Süßwarengiganten kompensiert werden könnte. "Wir treten mit dem Unternehmen Salzburg Schokolade in den Austausch und werden die nächsten Schritte evaluieren", teilte eine Sprecherin von Mondelez dazu auf APA-Anfrage mit und bat zugleich um Verständnis, dass man im Moment nicht mehr zu der Situation sagen könne.

Die Frage, ob es in den nächsten Wochen zu einem Mozartkugel-Engpass kommen wird, könne nicht beantwortet worden.

Bobby Schokoriegel, "Maria Theresia"-Taler ...

Bekannt ist Salzburg Schokolade nicht nur für Süßigkeiten für den Endverbraucher - etwa seine Marken Bobby Schokoriegel, "Maria Theresia"-Taler und Salzburg Confisérie. Das Traditionsunternehmen stellt exklusiv für den US-Konzern Mondelez auch die "Echte Salzburger Mozartkugel" von Mirabell her. Übrigens nicht zu verwechseln mit der "Original Salzburger Mozartkugel" (siehe Infobox). Außerdem beliefert die Firma Großverbraucher wie Bäckereien und Konditoren unter der Marke "nordpol" mit Halbfabrikaten wie Nougat, Marzipan, Couverturen, Waffeln oder Glasuren.

Das Unternehmen wurde 1897 unter dem Namen Rajsigl-Süßwarenfabrik in der Stadt Salzburg gegründet und übersiedelte 1956 ganz nach Grödig. Nach mehreren Eigentümerwechseln gehört das Gros der Anteile seit dem Jahr 2014 der Philipp Harmer Beteiligungs-GmbH, Geschäftsführer Christian Schügerl hält einen kleinen Teil am Unternehmen. Der Umsatz für das Jahr 2019 betrug laut Wirtschaftscompass 28,72 Millionen Euro. Zahlen für das erste Corona-Jahr 2020 waren nicht bekannt.

Kommentare (10)
Hallo12345
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„Hochmut

kommt vor dem Fall“. Herr Dr. Harmer; Sie sind doch so reich. Können Sie die Firma und die Arbeiter nicht auffangen? Frohe Weihnacht!

WASGIBTSNEUES
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Corona schwache Ausrede

hat man keine Förderungen bekommen? Keine Leute auf Kurzarbeit geschickt? Fakt ist das es immer moderner wird mit einen Schuldenschnitt auf Kosten der Allgemeinheit zu machen., Den vor allem werden Sozialabgaben und Steuern damit erledigt. Den Rest zahlen dann die kleinen Zulieferer und die Arbeiter/Angestellten und nach dem Ausgleich gehts munter weiter mit der Gewinnabschöpfung

Lodengrün
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Wie kann eine Firma

mit einem Produkt das sich über Jahrzehnte erfolgreich selbst verkauft in einer derartigen Situation, bei der einem auch noch vom Staat Hilfe zuteil wird derart einknicken.

melahide
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Die Firma

wanderte von einer ausländischen Marke (Suchard, Unilever) weiter zu einem Investmentfonds, der dann halt Gewinnmaximierung wollte. Die Aktionäre brauchen ja Dividende. Da dürfte was schief gegangen sein …

Balrog206
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Mel

Du warst wohl Geschäftsführer beim Konsum 😉

melahide
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@Balrog

Ja. Woher weißt du das? Nach dem Konsum war ich auch kurz bei KleiderBauer, dann bei Forstinger, Cosmos, Baumax und zuletzt bei Zielpunkt. GAK Präsident war ich auch kurzzeitig. Jetzt bin ich in die Politik gewechselt und hab u.a das erste Blümel-Budget erstellt…

Bobby_01
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Das wird

Den Fürst in Salzburg net Unrecht sein.
Die Fürst mozartkugel sind eh besser.

regiro
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Und noch dazu sind die vom

Fürst tatsächlich die echten

melahide
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Die vom Fürst heißen „Originale“. Und nur er darf sich „Original” nennen …

Chruchhill
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Sie sind aber

trotzdem besser.