Versteckte KostenBöse Überraschungen durch Zusatzkosten beim Möbelkauf

Weil Möbel jetzt öfter online gekauft werden, fallen Lieferung und Montage bei den Preisen noch offensichtlicher ins Gewicht. Die Konsumenten müssen sich auf Zusatzkosten von mehreren hundert Euro einrichten. XXXLutz-Sprecher Saliger rechtfertigt die "Mischkalkulation".

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Zustellung und Montage können teurer sein als das Möbelstück selbst © imago images / Panthermedia (´AndreyPopov´ via www.imago-images.de)
 

Damit das Aufstehen leichter wird, hat sich Michael aus Klagenfurt dazu entschlossen, ein Boxspring-Bett zu kaufen. Er steht kurz vor einer Hüftoperation. Zum Preis von rund 1000 Euro zahlt er 200 Euro für Lieferung und Montage, womit sich das Bett um ein Fünftel verteuert. Und das alte Bett? Auch dessen Abbau und Entsorgung hätte das Möbelhaus angeboten, allerdings um weitere 350 Euro.

Michael hat es selbst gemacht. Trotz Hüfte. Die Aktion schlug mit genau vier Euro zu Buche: die Entsorgungskosten bei der Altstoff-Sammelstelle.

Sind derart hohe Zusatzkosten angemessen? Geben die Möbelhäuser  höhere Frachtpreise und die anhaltende Rohstoffknappheit "versteckt" weiter? Konsumentenschützer der Arbeiterkammer haben solch versteckte Kosten bei Möbelkäufen jetzt durchgerechnet und warnen davor, Kosten für Zustellung und Montage nicht zu berücksichtigen, wohl aber zahlen zu müssen. Auch und vor allem bei Online-Bestellungen.

Hohe Kosten bei Badezimmer-Montage

Die Lieferung einer Gartengarnitur im Wert von 800 Euro an die Bordsteinkante kostet laut AK zwischen 49 und 169 Euro. Die Lieferkosten von Möbelix und Mömax liegen hier um 245 Prozent über jenen von Kika, Leiner und XXXLutz. Ikea liege laut AK mit 79 Euro dazwischen und gibt auf Nachfrage bekannt, dass Kunden in Summe bei rund einem Drittel der Möbelkäufe eine Lieferung vereinbaren.

Badezimmermöbel lassen sich viele Konsumenteninnen und Konsumenten nicht nur liefern, sondern auch montieren und an Strom und Wasser anschließen. Dafür fallen bei den heimischen Möbelhäusern zwischen 278 (Ikea) und 709 Euro (Möbelix) an. Ein Badezimmer um ursprünglich 800 Euro kommt dadurch auf über 1500 Euro Gesamtkosten.

Thomas Saliger, Sprecher der XXXLutz-Gruppe, zu der auch Mömax und Möbelix gehören, sieht an der Mischkalkulation der Händler nichts Verwerfliches. "Wir ordnen alles dem Preis unter", sagt Saliger. "Der Konsument ist mündig. Holt er die Möbel selbst ab, ist es für ihn extrem günstig. Deshalb macht das auch der Großteil unserer Kunden." Zudem seien ja auch die Abhol-Busse gratis.

XXXLutz-Sprecher Thomas Saliger: "Wir ordnen alles dem Preis unter." Foto © APA/GEORG HOCHMUTH

Die Ketten Möbelix und Mömax haben laut Saliger besonders viel Ware lagernd, rund 90 Prozent. Die besonders günstigen Angebote seien daher gerade darauf ausgelegt, dass selbst abgeholt wird. Die "Schnelldreher" sollen möglichst wenig Zeit im Lager verbringen bzw. eine hohe Umschlaghäufigkeit haben. Saliger: "Wie gesagt: Mischkalkulation."

Die AK empfiehlt, sich vorab genau nach den Preisen für Lieferung, Montage und notwendigen Anschlusskosten zu informieren. Und solche Preisauskünfte schriftlich einzuholen. Bei größeren Anschaffungen sollten mehrere Kostenvoranschläge eingeholt und die Gesamtkosten vergleichen werden. Bei den Anschlusskosten können Fachbetriebe in der Nähe durchaus günstiger sein.

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