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TürkeiWarum die schwache Lira für Erdogan ein Problem ist

Seit Jahresbeginn ist der Wert der Lira um ein Drittel gefallen. Die Inflation beträgt 15 Prozent. Das passt nicht ins Weltbild des türkischen Präsidenten Erdogan.

Es rennt nicht rund für die türkische Wirtschaft
Es rennt nicht rund für die türkische Wirtschaft © APA/AFP/YASIN AKGUL
 

Der anhaltende Verfall der Lira setzt die türkische Regierung zunehmend unter Druck. Das Finanzministerium in Ankara versuchte am Donnerstag die Börsen zu beruhigen. Türkischen Banken und anderen Unternehmen drohten keine Liquiditätsengpässe. Beim Wachstum rechnet das Land für 2019 mit drei bis vier Prozent. 2017 legte die Wirtschaft allerdings noch doppelt so stark zu.

Am Freitag will Finanzminister Berat Albayrak neue Pläne für die Wirtschaft vorstellen. Seit Jahresbeginn hat die Lira knapp ein Drittel ihres Werts eingebüßt. Allein am Donnerstag verlor sie weitere zwei Prozent, ein Dollar kostete 5,44 Lira und damit so viel wie noch nie. Parallel dazu trieben verstärkte Spekulationen auf Zahlungsausfälle in der Türkei die Kosten für Kreditausfall-Versicherungen auf den höchsten Stand seit neun Jahren.

Autoritäres Regime schreckt ab

Der wachsende Einfluss von Präsident Recep Tayyip Erdogan auf die eigentlich unabhängige Zentralbank stimmt internationale Investoren skeptisch. Immer mehr Anleger ziehen ihr Geld ab und werfen türkische Anleihen und Aktien auf den Markt. Sie befürchten auch, dass der Währungsverfall die Banken des Landes in Bedrängnis bringen könnte. Die Inflation ist auf mehr als 15 Prozent gestiegen, das Leistungsbilanzdefizit vergleichsweise hoch.

Die Notenbank kommt am 13. September zu ihrer nächsten regulären Sitzung zusammen. Vorher könnte Zentralbank-Chef Murat Cetinkaya versuchen, mit öffentlichen Äußerungen die Finanzmärkte zu beruhigen. Experten sind jedoch skeptisch, ob das reichen würde. Um Liquiditätsengpässe bei Banken zu vermeiden, könnten die Mindestreserve-Anforderungen weiter gelockert werden. Erst am Montag hatten die Währungshüter so rund 2,2 Mrd. Dollar (1,9 Mrd. Euro) an Liquidität bereitgestellt.

Konflikt mit USA

Auch der andauernde Streit mit den USA über den in der Türkei festgehaltenen US-Pastor Andrew Brunson belastet die Stimmung. Die Gespräche hochrangiger Regierungsvertreter beider Seiten am Mittwoch in Washington brachte nach Angaben einer Sprecherin des US-Außenministeriums keinen Durchbruch. Mit Blick auf die Kernforderung der US-Regierung nach einer Freilassung des Geistlichen sagte sie: "Soweit sind wir noch nicht." Zu weiteren Streitthemen etwa in der Frage der Iran-Sanktionen bemerkte sie lediglich, die Gespräche würden fortgesetzt. Die vom Außen-Staatssekretär Sedat Önal angeführte türkische Delegation äußerte sich nicht. Auch aus weiteren Gesprächen beider Seiten im US-Handelsministerium wurden keine Fortschritte gemeldet.

Brunson lebt seit mehr als 20 Jahren in der Türkei. Die dortige Justiz wirft ihm vor, Kontakte zum Prediger Fetullah Gülen unterhalten zu haben, den die Regierung in Ankara für den Putschversuch in der Türkei vor zwei Jahren verantwortlich macht. Brunson weist dies zurück. Die USA und die Türkei haben inzwischen Sanktionen gegen Minister des jeweils anderen Landes verhängt. Die Regierung in Washington überprüft zudem den teilweise zollfreien Zugang der Türkei zum amerikanischen Markt.

 

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